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Banken-Gipfel So wollen die Geldhäuser digital aufholen

Mit einer Plattform-Offensive wollen Commerzbank und Deutsche Bank die Dauerkrise überwinden. Christian Sewing erwartet einen beispiellosen Umbruch.
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Der Deutsche-Bank-Chef und der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank glauben an die Zukunft ihrer Geldhäuser. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Christian Sewing und Martin Zielke

Der Deutsche-Bank-Chef und der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank glauben an die Zukunft ihrer Geldhäuser.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

FrankfurtDie Erkenntnis kommt spät, aber vielleicht nicht zu spät. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und sein Kollege Martin Zielke von der Commerzbank haben verstanden, wie ihre Banken ihre chronische Renditeschwäche überwinden können: Sie müssen Plattformen für Finanzdienstleistungen aufbauen – wie Amazon im Handel oder Facebook für die sozialen Medien.

„Wir müssen anders arbeiten, einfach, schnell, relevant und kompetent“, machte Sewing auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts klar. Sonst drohe den Geldhäusern das Schicksal von Nokia, einst unangefochtener Marktführer für Mobiltelefone und nur ein paar Jahre später von Apple an den Rand des Abgrunds gedrängt.

Commerzbank-Chef Zielke sieht den drohenden Abstieg seines Instituts aus dem wichtigsten deutschen Börsenindex Dax als „Ansporn“, die Digitalisierung noch energischer voranzutreiben, „weil es jedem klarmacht, dass dieser Weg genau richtig ist“.

Längst nicht allen großen Geldhäusern wird der Sprung in die Plattformökonomie gelingen. „Das wird viele überfordern. Der Konsolidierungsdruck in Europa wird noch erheblich zunehmen“, prophezeit Sewing. Derzeit rangeln im Euro-Raum noch immer 5500 Finanzinstitute um Marktanteile.

Wenn es nach Stuart Graham geht, sieht es hingegen für die deutschen Banken ziemlich finster aus. „Fast alle meine Kunden halten den deutschen Bankenmarkt für kein gutes Investment“, sagt der Partner des Analysehauses Autonomous Research, das viele große Investoren berät.

Für besonders gefährdet hält Graham die beiden größten deutschen Institute, die Deutsche Bank und die Commerzbank – deren Aktien seit Längerem schwächeln. Der Kurs der Deutschen Bank rutschte dieses Jahr sogar auf ein Rekordtief. Das Problem: „Die Investoren glauben nicht, dass diese beiden Banken jemals eine angemessene Eigenkapitalrendite erzielen können“, erklärt der Branchenkenner, der lange für die US-Bank Merrill Lynch gearbeitet hat. Soll heißen: Egal, wie sich die Institute anstrengen – sie verdienen einfach zu wenig.

Der deutsche Bankenmarkt gilt ohnehin als hoffnungslos zersplittert: Große Institute wie Deutsche Bank und Commerzbank umgarnen dieselben Kunden wie Sparkassen, Volksbanken und Landesbanken. Zugleich setzen die niedrigen Zinsen den Banken zu. Und als wäre das noch nicht schlimm genug, droht der Angriff von Tech-Konzernen wie Amazon und Google, die den Geldhäusern ihr Kerngeschäft streitig machen könnten.

Dass die Banker zuvor noch viele Hausaufgaben zu machen haben, wissen sie selbst: „Wir müssen sehen, dass unsere Profitabilität steigt, damit wir etwas dagegensetzen können“, sagt der Präsident des privaten Bankenverbandes, Hans-Walter Peters. Es sei keine Frage, dass die Banken mehr Mut haben müssten, um in die Zukunft zu investieren.

Digitaler Supermarkt

In einem Punkt sind sich die Vertreter der Geldhäuser denn auch einig: Die Zukunft liegt im Banking über Plattformen. So erwarten 54 Prozent der Banker, dass künftig wenige große Plattformen den Markt beherrschen werden. Die Zeit drängt. Das zeigt der Blick auf andere Branchen, wo sich die Plattformökonomie innerhalb kürzester Zeit durchgesetzt hat. Etwa im Reisemarkt: Wer einen Flug buchen will, sucht ihn kaum noch im Reisebüro, sondern auf Plattformen wie Opodo oder Kayak.

Längst läuft eine ähnliche Entwicklung in der Finanzbranche, sagt die Beratungsfirma Roland Berger. Insbesondere bei Produkten für Privatkunden verfügen Plattformen bereits über signifikante Marktanteile, die zusammen fast ein Drittel des Neugeschäfts ausmachen – mit schnell wachsender Tendenz.

Auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing warnt vor der Macht der Tech-Konzerne: „Entweder wir werden ein ziemlich austauschbarer Anbieter von Finanzprodukten, die auf großen Plattformen verkauft werden. Einer von vielen Zulieferern in einem großen digitalen Supermarkt“, sagte er. Oder: „Wir wollen diejenigen sein, die das Regal gestalten. Weil wir wissen, was die Kunden wollen.“

Die Deutsche Bank hat mit dem sogenannten Zinsmarkt bereits eine Plattform für Festgelder geschaffen, auf der die Anleger auch Angebote anderer Banken finden. Außerdem haben die Frankfurter ein neues Firmenkundenportal namens Blueport gestartet, an das auch Finanz-Start-ups (kurz „Fintechs“) angebunden sind.

Als Vorbild gilt das Immobilienportal Interhyp, das zur niederländischen Großbank ING gehört und aus dem deutschen Markt kaum mehr wegzudenken ist. ING-Chef Ralph Hamers wirbt dafür, dass Banken selbst zu Plattformen werden müssten – die offen für Kunden sind, offen für ergänzende Dienstleistungen und sogar offen für Wettbewerber.

Hamers verweist darauf, dass die ING in Deutschland bereits Partnerschaften mit mehreren Fintechs eingegangen sei, unter anderem mit dem digitalen Vermögensverwalter Scalable Capital. Er hat ein ehrgeiziges Ziel: Die Menschen sollen an ING denken, wenn sie an Finanzen und Bankgeschäfte denken – „genauso wie man heute zuerst an Amazon denkt, wenn es um Onlineshopping geht, oder bei Suchmaschinen zuerst an Google“ .

Position der Stärke

Der erste Schritt für ING, sich in eine Plattform zu verwandeln, sei, das Geschäft über Grenzen hinweg zu bündeln. „Auf diese Weise entwickeln und bauen wir eine Plattform, auf der wir mit unseren Kunden interagieren“, sagt er. Teil davon sei es, die IT, die Prozesse und die Daten ebenfalls zusammenzuführen. Und die Marken: Die deutsche Tochter, die Onlinebank ING-Diba, wird ab November auch nur noch den Namen „ING“ tragen.

Dabei kann Hamers aus einer Position der Stärke heraus agieren. Zwar war die ING in der Finanzkrise in Schieflage geraten und musste mit zehn Milliarden Euro Staatsgeld gerettet werden. Aber sie steht inzwischen wieder bestens da: Im vergangenen Jahr verdiente sie fast fünf Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank erlitt einen Verlust von etwa 500 Millionen Euro, die Commerzbank kam auf einen Gewinn von knapp 160 Millionen Euro.

Wesentlich stabiler stehen die deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken da, die mit zusammen 60 Millionen privaten Kunden klarer Marktführer sind. Entsprechend optimistisch zeigte sich Sparkassenpräsident Helmut Schleweis: „Ich sage nicht, dass wir die digitalen Herausforderungen nicht ernst nehmen sollten, aber wir haben einen starken Bankenmarkt, und der ist gut für die Kunden.“

Den Vorwurf, dass die Sparkassen als Marktführer bei der Digitalisierung im Rückstand seien, wies Schleweis zurück. Das Online-Bezahlsystems Paydirekt, mit dem die Kreditwirtschaft dem Bezahldienst Paypal paroli bieten wollte, entwickelt sich zwar schleppend. Doch die Enttäuschung habe mit zu hohen Erwartungen zu tun, sagt Schleweis.

Der erste Tag des Banken-Gipfels in Bildern
Christian Sewing und Martin Zielke
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Der Deutsche-Bank-Chef und der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank glauben an die Zukunft ihrer Geldhäuser.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)
Letzte Vorbereitung
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Schon vor Beginn der Veranstaltung ist die Spannung groß. Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe begrüßt die Gäste und leitet zum ersten Beitrag der Jahrestagung über.

(Foto: Thomas Hauss für Handelsblatt)
Sylvie Matherat
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Schon am Vorabend des Bankengipfels ging es um die Zukunft der Banken. Beim Pre-Event sprach Deutsche-Bank-Vorstandsmitglied Sylvie Matherat über mögliche Folgen des Brexits für den europäischen Bankensektor und Chancen für den Standort Frankfurt.

(Foto:  Bernd Roselieb für Handelsblatt)
„Umbruch zum Aufbruch“
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Zu Beginn der Tagung erklärt Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe das neue zukunftsweisende Motto des Kongresses: Banken brauchen „mehr Stolz und mehr Relevanz“.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)
Christian Sewing
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Der Chef der Deutschen Bank sieht fundamentale Änderungen in der Finanzbranche voraus: „Der Umbruch, den wir in den kommenden zehn Jahren vor uns haben, wird alles in den Schatten stellen“, sagt er in seiner Rede. Sewings Thema ist auch die Digitalisierung der Bankenwelt. Die Deutsche Bank arbeite intensiv an einer Plattform-Strategie.

(Foto:  Thomas Hauss für Handelsblatt)
Erster Tag des Banken-Gipfels
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Im Publikum diskutieren Commerzbank-Chef Martin Zielke und der Aufsichtsratschef des Vermögensverwalters Blackrock in Deutschland, Friedrich Merz.

(Foto: Thomas Hauss für Handelsblatt)
Martin Zielke
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Der Commerzbank-Chef spricht beim Banken-Gipfel über neue Strategien und Konkurrenz durch Fintechs.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Außerdem seien notwendige strategische Diskussionen vorab nicht geführt worden. „Wir haben damals gedacht, wir können nach zwei Jahren Geld verdienen.“ Doch Finanz-Start-ups, wie auch Paydirekt eines sei, brauchten eher fünf bis sieben Jahre, um schwarze Zahlen zu schreiben. Der Sparkassenpräsident ist daher immer noch „verhalten optimistisch, dass Paydirekt langfristig zum Erfolg wird“.

Auch die Volksbanken fürchten die Digitalisierung nicht, sondern wollen dadurch noch erfolgreicher werden, wie Marija Kolak, Präsidentin des Verbandes der Volks- und Raiffeisenbanken, erklärt. Doch sie gesteht ein, dass die Geldhäuser effizienter werden müssen: „Wir werden daran arbeiten, aber Kosten allein sind für mich noch keine Strategie.“

Die genossenschaftlichen Häuser wollen ihren Kunden künftig ebenfalls als Bankingplattform gegenübertreten, um sich gegen Google und Facebook zu behaupten, wie Kolak sagt. Zugleich werden sich die Volks- und Raiffeisenbanken immer zur Filiale und zur regionalen Präsenz bekennen. „Dass wir alle die Bank in der Hosentasche tragen, ist mittlerweile Standard“, sagt Kolak. Aber es gebe weiter Bedarf nach Bankern aus Fleisch und Blut. „Auch junge Leute wollen einen Ansprechpartner haben.“

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