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Banken NordLB bereitet den Sparkassen neue Sorgen

Monatelang wurde um das milliardenschwere Rettungspaket für die Landesbank gerungen. Muss bald ein neues für das Sorgenkind geschnürt werden?
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Die Zahl der Arbeitsplätze bei der Landesbank wird weiter reduziert. Quelle: dpa
NordLB

Die Zahl der Arbeitsplätze bei der Landesbank wird weiter reduziert.

(Foto: dpa)

Frankfurt, BerlinZwei Tage lang sind die Manager der Sparkassen-Finanzgruppe zu ihrem großen Familientreffen zusammengekommen. Auf der Bühne des deutschen Sparkassentags in Hamburg debattierten sie über die ganz großen Fragen: über die Bedeutung der Sparkassen für die Gesellschaft, über Gemeinschaft und Kommunen und natürlich über die Digitalisierung. Doch abseits vom offiziellen Programm stand eine andere Frage im Mittelpunkt: „Wie geht es mit der NordLB weiter?“

Die Hannoveraner Landesbank ist derzeit das große Problemfeld der Organisation. Der Unmut vieler Sparkassen ist groß. Denn sie müssen gut zehn Jahre nach der Finanzkrise erneut für die Rettung einer Landesbank blechen. Und nun könnte es für sie noch teurer kommen als ohnehin geplant.

Auf einer Gremiensitzung hat der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Helmut Schleweis, nach Informationen des Handelsblatts seine Kollegen darüber informiert, dass im Falle eines bestimmten Krisenszenarios weiteres Kapital für die NordLB erforderlich sein könnte. Das Szenario gilt zwar als hypothetisch, könne aber nicht ausgeschlossen werden, hieß es. Über eine womöglich nötige weitere Kapitalspritze hatte zuerst der Branchendienst „Platow Brief“ berichtet.

Der DSGV wollte sich dazu nicht äußern und verwies auf die Bank. Ein NordLB-Sprecher sagte: „Es gibt keinen zusätzlichen Kapitalbedarf.“

Lange Verhandlungen

Doch allein die Möglichkeit, eventuell noch einmal für die NordLB in die Tasche zu greifen, ist für viele Sparkassen ein Schlag ins Kontor. Es gebe die Sorge, dass die bisherige Lösung „zu kurz gesprungen“ sei, so ein Sparkassenmanager.

Nach langen Verhandlungen hatten sich die Sparkassen-Finanzgruppe und das Land Niedersachsen als NordLB-Mehrheitseigner erst vor wenigen Wochen auf Finanzhilfen über 3,6 Milliarden Euro geeinigt. Das war nötig, weil hohe Abschreibungen auf das Schiffskreditportfolio der Bank für das Geschäftsjahr 2018 einen Verlust von fast 2,4 Milliarden Euro verursacht hatten.

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An Eigenkapital sollen der Bank rund 2,8 Milliarden Euro zufließen. Vom Land Niedersachsen kommen 1,5 Milliarden Euro, von Sachsen-Anhalt 200 Millionen Euro, von der Sparkassen-Finanzgruppe 1,1 Milliarden Euro. Zudem stellt Niedersachsen 800 Millionen Euro, um ein 3,6 Milliarden Euro schweres Restportfolio von faulen Schiffskrediten abzusichern. Künftig sollen keine Schiffskredite mehr vergeben werden.

Nach dem Rettungsplan, gegen den die Finanzaufseher keine Einwände hatten, soll sich die Bilanzsumme der NordLB von 155 Milliarden Euro auf 95 Milliarden Euro verringern. Die Kapitalquote soll von 6,82 Prozent auf 14 Prozent steigen. Für einen Übergangszeitraum akzeptiert die Finanzaufsicht die Unterschreitung der Mindestquote von 10,6 Prozent. Das frische Kapital kann nämlich erst dann fließen, wenn die EU-Kommission grünes Licht für das Rettungspaket gibt.

Das ist jedoch keinesfalls ausgemacht. Noch ist unklar, ob und unter welchen Bedingungen die EU-Kommission dem Rettungsplan zustimmt. Eine entscheidende Frage wird aus Sicht von Beteiligten sein, ob die EU-Kommission – wie einst bei der HSH Nordbank – einen Verkauf des Instituts bis zu einem bestimmten Zeitpunkt vorschreibt.

Sollte es dazu kommen, könnte die NordLB an eine andere Landesbank angedockt werden. DSGV-Präsident Schleweis würde damit seinem Ziel einer Super-Landesbank einen Schritt näher kommen. Allerdings würde eine Übernahme innerhalb der öffentlich-rechtlichen Finanzgruppe sicherlich nicht reibungslos über die Bühne gehen. Über die Finanzierung eines solchen Deals würde vermutlich erneut erbittert gestritten.

Für die Finanzaufsicht steht bei der Rettung der NordLB im Vordergrund, dass die Risiken der Bank reduziert werden und dass die Bank perspektivisch genug Erträge erzielen kann, um ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken. Dass der Immobilienfinanzierer Deutsche Hypo als stabiler Ertragsbringer Teil der NordLB bleiben soll, sehen Bankenaufseher deshalb positiv. Ob die Kapitalrentabilität bei acht Prozent liegt oder etwas darunter, ist für die Finanzaufsicht dagegen nicht entscheidend.

Das Ziel einer Kapitalrendite von acht Prozent hat die NordLB Insidern zufolge vor allem ausgegeben, weil die EU-Kommission eine solche Rendite als Voraussetzung ansieht, um Banken als dauerhaft überlebensfähig einzustufen. Dass die NordLB tatsächlich diese Rendite erreicht, glaubt in der Sparkassen-Finanzgruppe aber kaum jemand. In Deutschland gelingt dies nämlich aktuell den wenigsten Großbanken.

Zu ambitionierte Ziele

„Das würde die NordLB niemals erreichen“, meint der Chef einer Sparkasse. Auch die angestrebte Kosten-Ertrags-Relation von 50 Prozent halten viele Manager in der Organisation für viel zu ambitioniert – zumal auch die NordLB zum Beispiel in die Digitalisierung investieren müsse.

Einige mit den Verhandlungen vertraute Personen haben die Befürchtung, dass die EU-Kommission das Renditeziel auf Plausibilität überprüft und dann zum Ergebnis kommt, dass acht Prozent nicht zu erreichen sind. Andere glauben, dass die Wettbewerbshüter mit dem Renditeziel kein Problem haben, aber in anderen Bereichen Forderungen stellen werden – etwa, in welchen Geschäftsfeldern die NordLB künftig aktiv ist.

Unterdessen hat das Management der NordLB seine Personalplanungen noch einmal präzisiert. Auf der Bilanzpressekonferenz im April sagte Vorstandschef Thomas Bürkle, dass die Zahl der 5.650 Vollzeitstellen auf 3.200 bis zum Jahr 2024 reduziert wird. Nun liegt die neue Bandbreite zwischen 2.800 und 3.000. Schon zuvor war klar, dass die Restrukturierungskosten der Bank 2019 einen Verlust bescheren werden.

Manch einer fordert die Gruppe aber auch zur Ruhe auf: „Wir sollten uns hinter die Stützung stellen und der EU-Kommission zeigen, dass wir diesen Weg gehen wollen“, sagte ein Insider.

Mehr: Der Bundesfinanzminister lobt die Diskussion zur Konsolidierung der Landesbanken und wirbt für einen europäischen Ansatz im Zahlungsverkehr.

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