Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Banken-Privatkundengeschäft An Marktbereinigung führt kein Weg vorbei

Drei Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise rückt das zersplitterte deutsche Privatkundengeschäft ins Zentrum der Diskussion. Ohne Zusammenschlüsse auch über die drei Säulen der Kreditwirtschaft - private Banken, Sparkassen und Genossenschaftsinstitute - hinweg, wird ein auskömmliches Wirtschaften auf absehbare Zeit kaum möglich sein.
3 Kommentare
Ein Bankangestellter berät eine Kundin über einen Wertpapierkauf. Quelle: dpa

Ein Bankangestellter berät eine Kundin über einen Wertpapierkauf.

(Foto: dpa)

MAINZ. Das ist das zentrale Fazit der 15. Handelsblatt-Jahrestagung "Privatkundengeschäft" in Mainz. "Der Markt ist overbanked", sagte Ben Tellings, langjähriger Chef der Direktbank ING-Diba. Wenn es nicht zu einer durchgreifenden Änderung komme, werde der Margendruck so hoch, dass wieder unsinnige und risikoreiche Produkte verkauft würden, um zu überleben. "Am Ende zahlt einer, das ist der Kunde", fügte Tellings hinzu. Er habe Zweifel, dass sich das Drei-Säulen-System wirklich bewährt habe.

Ähnlich äußerte sich Commerzbank-Privatkundenchef Achim Kassow. Es sei nicht möglich, dass alle Marktteilnehmer stetig zulegten und der Nutzen für die Kunden am Ende noch steige. "Die Grundlogik der Betriebswirtschaft lässt sich nicht durch ideologische Wünsche aufheben", sagte der Commerzbank-Vorstand.

Vor Ausbruch der Finanzkrise 2007 hatten die privaten Geldhäuser massiv kritisiert, dass sie per Gesetz daran gehindert werden, öffentlich-rechtliche Sparkassen zu übernehmen. Sie sehen sich damit von rund 40 Prozent des Marktes ausgeschlossen. Zudem argumentieren sie, das Sparkassenlager unterliege mit dem Staat als Eigner niedrigeren Renditeanforderungen. In der Folge könnten die Sparkassen bessere Konditionen bieten und hätten so einen Wettbewerbsvorteil. Der Ruf nach Privatisierung kam mit Beginn der Krise allerdings zum Erliegen - nicht zuletzt, weil die Commerzbank selbst massiv vom Staat gestützt werden musste.

Während sich Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen als Gewinner der Krise sehen, mussten 2009 fast alle Großbanken im Privatkundengeschäft Federn lassen. Damit gewinnt die langjährige Auseinandersetzung wieder an Fahrt. Wobei Reinhard Klein, Vize der Hamburger Sparkasse (Haspa), gestern umgehend betonte, dass es für ein Ende des Drei-Säulen-Systems keinen Anlass gebe. Gerade die Kleinteiligkeit des heimischen Bankenmarktes habe sich in der Krise bewährt. Allerdings räumte auch er ein: "Wir sind in einem Verdrängungswettbewerb." Die Margen dürften noch weiter zurückgehen.

Einig sind sich alle Beteiligten nur darin, dass die Branche stärker auf die Interessen des Kunden achten muss. Die Haspa setzt hier nach Kleins Worten unter anderem auf stärkere finanzielle Bildung, persönliche Beratung und besseren Service. Zudem veranstalten die Hanseaten zunehmend Veranstaltungen etwa zum Thema Karrierestart und versuchen so, in Kontakt mit künftigen Kunden zu kommen.

Tellings hingegen plädierte für eine durchgreifende Erneuerung - die nach seiner Ansicht vor allem in der Rückorientierung hin zu einfachen Angeboten liegt. "Komplexe und nicht transparente Produkte enttäuschen die Kunden", sagte er. "Aus Enttäuschung erwächst Misstrauen." Der Kunde sei sehr wohl in der Lage, selbstbestimmt finanzielle Entscheidungen zu treffen. Voraussetzung sei, dass er nicht bewusst hinters Licht geführt werde.

Ähnlich äußerte sich auch Franz-Josef Nick, Chef der seit kurzem in Targobank umbenannten Citibank. "Die Kunden empfinden viele Bankprodukte als zu komplex", resümierte er. Sein Haus habe deshalb die Angebotspalette deutlich vereinfacht. Große Hoffnungen setzt Nick auf den hauseigenen "Beipackzettel" für Produkte, der sehr genau über Chancen und Risiken aufklären soll.

Startseite

3 Kommentare zu "Banken-Privatkundengeschäft: An Marktbereinigung führt kein Weg vorbei"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Denkerist
    Die Privatkundenbanken sollen unbescholten sein?
    bitte nochmal drübernachdenken!
    Ein paar Stichworte dazu:
    - Vertrieb windigster Produkte
    - Andienung div. Versicherungen mit 100%-igem Verarschungsfaktor
    - horrende Gebühren
    - allein in D gehen im Jahr 30 Milliarden an Vermögen durch perverse Produkte flöten

    --> Wenn dieses ganze Geld, das man durch vernünftige Anlage- und Vorsorgeformen mehr in der Tasche hätte in den Konsum fließen würden, bräuchten wir uns über Vollbeschäftigung und Kapazitätsauslastung nicht mehr unterhalten!

    Da es in D leider immer weniger mündige bürger gibt, die sich ihres Verstandes bedienen (siehe i. Kant) und die Lobbywirtschaft mittlerweile den bundestag komplett übernommen hat, wird sich von alleine nichts an unserer Situation ändern!

    Deutschland braucht solche kritischen Denker wie Sie....verbreiten Sie ihre Message weiter!
    Seien Sie kreative Zerstörer....
    ...und wir haben eine Chance zum Turn-Around!

  • Hätte man die HRE nicht auf Kosten der bürger subventioniert, hätte die Marktbereinigung schon begonnen.

  • Damit treibt die Perversion blüten! Die banken, die das Privatkundengeschäft betreiben, die Wirtschaft am Laufen halten und demzufolge nicht in dunkle Geschäfte involviert waren, werden vom Staat abgezockt. Und die verbrecherischen Großbbanken, die den Crash verursachten und den nächsten schon vorbereiten - da sie nichts draus lernen müssen, werden nun noch durch die "ehrlichen banken" subventioniert.
    Ganz typisch für das System, die ehrlichen, kleinen sind die Dummen die Verbrecher werden hoffiert. Wir kennen das aus vielen bereichen.
    Und die gekauften Politiker fungieren uach hier als Ausführende gegen die interessen des Volkes.

Serviceangebote