Banken und Unternehmenskunden Im Sturm der Digitalisierung

In Zeiten niedriger Zinsen klammern sich Banken an das rentable Geschäft mit Unternehmen. Doch auch dort droht Unheil: Die Digitalisierung könnte die Branche ein Viertel ihrer Erträge kosten, warnt eine Studie.
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Noch fahren Banken mit Unternehmenskunden durchschnittlich zwölf Prozent Rendite ein. Doch je digitaler das Geschäft wird, desto kleiner wird der Profit. Quelle: dpa
Gewitterwolken über Frankfurt

Noch fahren Banken mit Unternehmenskunden durchschnittlich zwölf Prozent Rendite ein. Doch je digitaler das Geschäft wird, desto kleiner wird der Profit.

(Foto: dpa)

FrankfurtWenige Jahre vor der Finanzkrise versprach der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann seinen Aktionären 25 Prozent Rendite. Mit seinem Ertragsziel löste er damals einen Sturm der Entrüstung aus – und galt vielen fortan als Archetyp des „gierigen Bankers“. Heute dagegen klingt aus Ackermanns Worten weniger Gier als pure Fantasie. Viele Institute wären im Jahr 2017 schon heilfroh, wenn sie nur ein Fünftel davon erwirtschaften könnten.

In Zeiten niedriger Zinsen und schrumpfender Margen blicken die Banken hoffnungsvoll auf das Geschäft mit Unternehmenskunden. Kein Wunder: Die Eigenkapitalrendite lag im Durchschnitt des Segments im Jahr 2016 immer noch bei respektablen zwölf Prozent. Das errechnete die Frankfurter Unternehmensberatung Consileon in einer bisher unveröffentlichten Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Allerdings warnen die Forscher: Der Trend ist negativ – und die Zahlen könnten schneller einbrechen, als den meisten Geldhäusern lieb sein dürfte.

Für ihre Untersuchung „Corporate Banking 2020“ haben die Autoren Ralph Hientzsch, geschäftsführender Gesellschafter bei Consileon in Frankfurt und der Schweiz, und Werner Spanier, Partner bei Consileon in Frankfurt, Firmenkunden von Banken befragt und daraus Herausforderungen für die Institute abgeleitet. Ein Ergebnis: Viele Institute stecken noch in den digitalen Kinderschuhen. In den nächsten Jahren allerdings werde der Digitalisierungsdruck auch in der Finanzbranche zunehmen, sind die Forscher überzeugt – wodurch im Unternehmenskundengeschäft bis zu 25 Prozent der heutigen Erträge wegfallen könnten. Es drohen Verluste von rund sechs Milliarden Euro pro Jahr.

Der Studie zufolge wird die noch ansehnliche Marge der Banken gleich von zwei Seiten aufgezehrt. Einerseits steigen die Service- und Produktkosten der Banken, weil die Anforderungen der Regulierungsbehörden in den vergangenen Jahren gestiegen sind. So mussten die Institute vielfach ihre Risikovorsorge erhöhen und in bessere Compliance-Prozesse investieren. Andererseits treten mit Fintechs und Auslandsbanken neue Teilnehmer in den Markt ein und sorgen damit für Preisdruck.

Noch erschwert wird diese Gemengelage durch den digitalen Wandel, der viele Institute dazu zwingt, interne Prozesse zu überprüfen und neu auszurichten. „Dabei müssen parallel Datensicherheit, Datenschutz, Informations- und Sicherheitsmanagement berücksichtigt werden“, geben die Forscher zu bedenken. Dies erfordere signifikant hohe Anfangsinvestitionen vor allem in der IT – und einen Kulturwandel im gesamten Unternehmen.

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