Banken zu Panama Papers „Das ist Bullshit“

Die „Panama Papers“ enthüllen Briefkastenfirmen von Staatschefs, Diktatoren, Sportlern. Häufig waren Banken dabei Vermittler. Während der Chef der russischen VTB-Bank die Vorwürfe bestreitet, zeigt mancher Bankchef Reue.
Update: 04.04.2016 - 16:46 Uhr 9 Kommentare
Russlands Staatspräsident (l.) 2014 bei einem Treffen mit dem Chef der Staatsbank VTB. Quelle: AP
Wladimir Putin (l.) mit Andrej Kostin

Russlands Staatspräsident (l.) 2014 bei einem Treffen mit dem Chef der Staatsbank VTB.

(Foto: AP)

FrankfurtAndrey Kostin gilt Mann der klaren Worte. Aber jetzt hat sich der Chef der russischen VTB-Bank sogar für seine Verhältnisse übertroffen: „Das ist Bullshit“, sagte Kostin über die Enthüllungen um die so genannten Panama Papers. „Herr Putin war nie darin verwickelt.“

Das internationale Recherchenetzwerk ICIJ hatte über heimliche Millionengeschäfte mit Briefkastenfirmen berichtet, mit denen Staatschefs, Diktatoren und Sportstars ihr Vermögen verschleiert haben sollen. So sollen enge Vertraute des russischen Präsidenten Vladimir Putin mehr als zwei Milliarden Dollar außer Landes geschafft haben.

Banken kam dabei offenbar eine Schlüsselrolle zu. Mehr als 500 Institute tauchen in den „Panama Papers“ auf, die dem Recherchenetzwerk ICIJ zugespielt wurden. Bei insgesamt 15.600 Firmen, die über die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca registriert wurden, sollen Banken die Registrierung übernommen haben.

Diese Banken sind in die Panama-Affäre verwickelt
Der Sitz von Mossack Fonseca in Panama
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Ein internationales Recherchenetzwerk hat Daten der Kanzlei „Mossack Fonseca“ aus Panama ausgewertet, die sogenannten Offshore-Firmen in Steueroasen registriert. Im Auftrag von Banken hat die Kanzlei für viele Kunden solche Konstrukte angelegt, die oftmals der Steueroptimierung dienen.
Laut Georg Mascolo, Leiter der Recherchekooperation von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung seien auch deutsche Banken in die Geschäfte verwickelt. Er sagte am Sonntagabend: „Wenn Sie mich fragen würden, welche der deutschen Banken eigentlich nicht dabei gewesen ist, Kunden zu helfen, zu „Mossack Fonseca“ zu gehen, müsste ich lange nachdenken, ob mir überhaupt eine einfällt.
Die Commerzbank hatte beispielsweise im vergangenen Jahr bereits 17 Millionen Euro Bußgeld wegen umstrittener Geschäfte in Panama und Luxemburg gezahlt.

Platz 10: Rothschild Trust
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Die Funktionsweise von Mossack Fonsecas Geschäft: Für nur wenige Tausend Dollar bekommt der Kunde eine anonyme Firma. Die Kanzlei stattet die Firma mit Scheindirektoren aus und verschleiert damit den wahren Eigentümer. Dieses Geschäftsmodell ist moralisch zweifelhaft, sie sind aber nicht per se illegal. Der ausgewertete Datensatz zeigt, welche Institute über die Kanzlei in Panama die meisten Schattenfirmen registrierten. Auf Platz 10 landet die Investmentbank Rothschild, eine Tochtergesellschaft des Unternehmens registrierte für seine Kunden 378 Offshore-Unternehmen.

Quelle: ICIJ

Platz 9: Landsbanki Luxembourg
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Die Landsbanki Luxembourg ließe den Daten zufolge 404 Schattenfirmen registrieren.

Platz 8: Société Générale
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Die Luxemburg-Tochter der französischen Großbank Société Générale hat 465 Offshore-Unternehmen für seine Kunden registriert.

Platz 7: Coutts
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Die britische Privatbank kommt auf eine Zahl von 487 Schattenfirmen, die für ihre Kunden registriert wurden.

Platz 6: UBS
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Die Schweizer Großbank UBS ließ im Auftrag seiner Kunden 579 Schattenfirmen registrieren.

Platz 5: HSBC Schweiz
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Die Schweiz-Tochter der britischen Großbank HSBC wickelte Deals mit 733 Schattenfirmen ab. Fasst man alle HSBC-Töchter zusammen, landet die britische Bank sogar auf Rang 1 der Geschäftspartner von Mossack Fonseca – mit mehr als 2.300 registrierten Firmen.

Eine Briefkastenfirma zu nutzen, ist kein Verbrechen – für manche grenzüberschreitende Geschäfte bieten sich die Offshore-Vehikel sogar an. Aber die Briefkastenfirmen spielen bei Geldwäsche oder Steuerhinterziehung oft eine tragende Rolle. Trotzdem weisen viele Institute die Schuld von sich, denn alle Kunden würden ausführlich überprüft. Einige Banken versprechen, in Zukunft noch genauer hinzuschauen – andere haben den fragwürdigen Kundenservice ganz eingestellt.

Die Deutschen Bank räumte am Montag ein, dass sie Kunden bei der Vermittlung von Offshore-Dienstleistungen geholfen habe. „Wir sind uns der Bedeutung dieser Angelegenheit vollkommen bewusst“, sagte ein Sprecher. Man habe das Kundenannahmeverfahren verbessert, damit geltendes Recht eingehalten wird.

In Deutschland waren Ermittler schon im vergangenen Jahr durch ein Datenleck auf die Spur von Banken geraten, die Kunden bei der Einrichtung von Offshore-Gesellschaften geholfen hatten. Commerzbank, Hypovereinsbank und HSH Nordbank schlossen deshalb millionenschwere Vergleiche ab. Nun geraten Institute rund um den Globus durch die Veröffentlichungen des Recherchenetzwerks ICIJ unter Druck.

So soll alleine die britische Großbank HSBC über zwei Tochterfirmen insgesamt mehr als 1500 Offshore-Firmen registriert haben. Die Bank signalisierte Kooperationsbereitschaft: „Wir arbeiten eng mit den Behörden zusammen, um Finanzdelikte zu bekämpfen und Sanktionen zu erfüllen“. Unter bestimmten Umständen halte man Offshore-Konten aber offen. Etwa, wenn Kunden ausführlich überprüft wurden – oder Behörden eine Überwachung der Konten anordnen, um Kunden auf die Spur zu kommen.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung: „Die Geldgier dieser Superreichen verbindet sich mit der Gewissenlosigkeit im Banken- und Finanzsektor. Beides zerstört das Vertrauen in den Rechtsstaat. (...) Wer die Leistungsbereitschaft in einer sozialen Marktwirtschaft erhalten will, muss diese organisierte Kriminalität von Banken und Finanzjongleuren mit allen Mitteln bekämpfen.“

Gabriel stellte weitgehende Forderungen auf: „Wir müssen Briefkastenfirmen und Stiftungen, deren wirtschaftlich Berechtigte anonym bleiben, weltweit verbieten. Die Staatengemeinschaft muss die Länder ächten, die solche schmutzigen Geschäfte weiter zulassen.“

„No files found“ – eine deutsche Bank reagiert mit Humor
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9 Kommentare zu "Banken zu Panama Papers: „Das ist Bullshit“"

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  • Ah ha, wieder ein Umverteilungsguru, der meint, Probleme durch Umverteilung zu lösen. Ich behaupte einmal, dass die meisten Unternehmer sehr verantwortungsvoll mit ihrem Kapital umgehen und dafür Sorge tragen, dass es Arbeitsplätze gibt. Was nutzt die Umverteilung auf angeblich Benachteiligte, zurück Gebliebene, Hartz 4ler und sonstige Unzufriedene? Wer hart arbeitet kann in unserer Gesellschaft was erreichen. Jeder Unternehmer hat mal klein angefangen, aber eben wesentlich mehr geleistet als andere. Das muss belohnt werden. Wenn diese Leistungsträger weiter durch noch höhere Steuern gegängelt werden, dann gibt’s bald nichts mehr umzuverteilen. Dann hat sich diese Neiddebatte endlich erledigt.

  • Und Schäuble und seine Unions-Follower haben nichts besseres zu tun als einmal mehr die Lasten der Flüchtlingspolitik durch die Verlängerung des Soli bzw. durch eine Benzinabgabe vorwiegend den Steuerzahlern und damit der Mittelschicht aufbürden zu wollen. Darüberhinaus findet durch die aktuelle EZB-Politik (Fluten der Finanz-Märkte mit frischem Geld, negative Zinsen) in Verbindung mit Schäubles "Schwarzer Null-Politik" die größte Umverteilung bei Sparern und Rentnern seit der Währungsreform von 1948 statt, was zu einer weiteren Verarmung von Sparern und Rentnern führen wird. Und dann noch das Demografie-Problem, das mutig verdrängt wird!
    Die Grundfrage ist: wohin steuert unsere Gesellschaft in der Frage einer gerechten und angemessenen Einkommens- und Vermögensverteilung? Wer hat wann beschlossen, dass wir heute in Bezug auf diese Verteilung da stehen, wo wir stehen? Wer legt fest, wo wir morgen stehen wollen? Mit welchen Maßnahmen? Um diese Grundfragen drückt sich unsere Politik herum und beschließt bzw. unterlässt Maßnahmen, die letztlich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnen, obwohl das kein Politiker so benennt und zugibt, und lässt die Vermögenden weiterhin immer vermögender werden. Dabei wäre es ganz einfach:
    1. Alle Steuern konsequent eintreiben.
    2. Gerechtere Steuern auch auf Höhe Einkommen, Vermögen und Erbschaften.
    3. Auch große Einkommen und Vermögen (also auch die Produktionsfaktoren Kapital und Boden) beitragspflichtig zur Renten/Krankenkassen/Arbeitslosen/Pflegeversicherung machen. Dazu gehört auch die paritätische Beitragsübernahme der Arbeitgeber für Renten/Kranken/Arbeitslosen/Pflegeversicherung.
    Bis das passiert, mein Tip:
    http://youtu.be/mQvThNJkKb
    Das scheint die Politik aber weiterhin ignorieren zu wollen. Statt dessen wirbt Kauder um Verständnis für Deutschlands Reiche und die CSU sorgt sich um die Erbschaften der Familienunternehmer

  • Es ist ein Skandal, was passiert, aber bestimmt hinlänglich bekannt, dass Gelder ins Ausland transferiert werden. Es fehlten immer die Fakten, die das belegen. Im übrigen sagt das Online Magazin Industry Times, dass Poroschenko mindestens genauso übel ist wie Putin beim Verschieben von Geldern. http://www.industry-times.com/2016/04/04/panama-leaks-wie-stars-und-regierungschefs-steuern-vermeiden/

  • @ Herr F. Gessw.

    << Über die will ich lesen. >>

    Das koennen Sie natuerlich nicht in einem Systemluegenpresse - Schmierblatt tun.

    Es gibt genuegend Quellen. Die meisten befinden sich leider ausserhalb dieses Landes.

    So lange hier eine Christlich-Rot-Gruene Diktatur herrscht, kann von einer Meinungsfreiheit KEINE REDE sein !

  • Ei, guck einmal, völlig UNVERMUETE (ha-ha) erscheint in den vielen Hinweisen auch immer wieder das EU-Mitglied (!!!!!!!!!!!!!!!!) ZYPERN ! Und sehr oft in Verbindung mit russischen ... Firmen.
    Gott sei Dank konnte die EU - letztendlich (irgendwann) jeder einzelne EU-Bürger - die sich praktisch schon in der Insolvenz befindlichen zyprischen Banken gerade noch einmal retten. Putins Entourage, Poroschenko,...werden es uns sicher danken!
    Abscheulich, was unter den Augen der EU alles passiert - und dann wundern sich die Damen und Herren in Brüssel, dass die Bevölkerungen der Länder nichts, aber auch gar nichts mehr von diesen 'Sprechblasen' erwarten! Immer schön Öl ins Feuer der Rechten gießen!

  • Wirklich, Handelsblatt, ist es euch nicht peinlich, schon wieder ein Bild von Putin drauf zu klatschen? Bei all den Namen, die bisher genannt worden sind, all den Gesichtern, die Ihr hättet nehmen können, nehmt ihr wieder Putin, der scheinbar in den Papieren nicht auftaucht.

    Wie könnt ihr auf der gleichen Seite von unabhängigem, objektivem Journalismus faseln und weiterhin so primitiv-manipulatives Zeug verbreiten?

    Es geht nicht um Putin-Verstehertum, natürlich ist der Mann korrupt und schert sich einen Dreck um Recht und Gesetz bzw. passt es seinen Wünschen an. Aber das weiß ich schon. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass unsere Politiker bei weitem nicht so viel moralischer sind, wie sie sich gerne geben.

    Über die will ich lesen. Über die mächtigen und reichen Deutschen, die in den Papieren auftauchen. Ja, Assad, der Scheich und Xi Jinping, das ist auch nett zu wissen aber davon geht man doch sowieso aus. Aber jetzt zeigt doch mal auf, wie viel Dreck wir in Deutschland, vor unserer eigenen Haustür, zu kehren haben. DAMIT gewinnt "Ihr", die Medien, Vertrauen zurück. Davon habt Ihr nämlich nicht nur bei Verschwörungstheoretikern, Pegida-Anhängern und AfD-Wählern eingebüßt, auch wenn Ihr das aus Bequemlichkeit natürlich lieber glauben möchtet.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • So und jetzt die Dokumente den jeweiligen Staaten zur Verfügung stellen, dass diese nach EIGENEM RECHT hier handeln können, sollten Steuerhinterziehungen überhaupt begangen worden sein. Bisher sind das ja nur Unterlagen über Kontoführungen. Will net wissen wieviel westliche Konzerne oder Reiche im Ausland Konten haben, vor allem würde mich Wilmington/Delaware, St.Helen oder auch Cayman Islands richtig interessieren. Aber naja ein Konto oder einen Firmensitz auf den Bahamas oder sonstwo, ist ja nunmal rechtens, solange man es auch angibt...

  • Kein Sorge "Die" duerfen das. Steuern sind nur fuer Normalos.

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