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Aktie unter der Lupe Korruptionsfall belastet Aktie von Goldman Sachs trotz starker Zahlen

Der Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB setzt den Börsenkurs der US-Bank deutlich unter Druck. Dabei läuft das Kerngeschäft ziemlich rund.
23.01.2019 - 17:06 Uhr Kommentieren
Die amerikanische Großbank konnte starke Quartalszahlen vorlegen, kämpft aber um ihr Image. Quelle: Bloomberg
Hauptquartier von Goldman Sachs

Die amerikanische Großbank konnte starke Quartalszahlen vorlegen, kämpft aber um ihr Image.

(Foto: Bloomberg)

New York Seine erste Präsentation der Quartalszahlen begann David Solomon mit einer Entschuldigung. „Es ist klar, dass das malaysische Volk von vielen Einzelpersonen betrogen wurde, auch von den höchsten Mitgliedern ihrer vorherigen Regierung.

Tim Leissner, der ein Partner unserer Bank war, gehörte, wie er selbst zugab, auch dazu“, stellte der seit Oktober amtierende Chef der Investmentbank Goldman Sachs klar. „Für Leissners Rolle in diesem Betrug entschuldigen wir uns bei dem malaysischen Volk.“

Solomons Worte sind aus zwei Gründen bezeichnend. Zum einen zeigen sie, welche Stellung der Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB mittlerweile eingenommen hat, den die Bank seit drei Jahren untersucht. Zum anderen leitet Solomon eine neue Ära ein. Sein Vorgänger Lloyd Blankfein, der das Wall-Street-Haus zwölf Jahre lang führte, hat die Präsentation der Quartalsergebnisse stets an andere Vorstände delegiert.

Solomon jedoch will sich selbst den Fragen der Analysten stellen. Das ist gerade jetzt wichtig, um die Aktionäre zu beruhigen und die neue Strategie zu erklären. Denn Goldman hat starke Zahlen vorgelegt. Solomon muss nun sicherstellen, dass der milliardenschwere Betrugsskandal, bei dem rund drei Milliarden Dollar aus dem malaysischen Staatsfonds entwendet wurden, seine Erfolge nicht überschattet.

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    Die Aktionäre der Investmentbank jedenfalls haben den Skandal bereits empfindlich zu spüren bekommen. Die Goldman-Sachs-Aktie schloss das vergangene Jahr als größter Verlierer im Leitindex Dow Jones ab. Zwar litten zuletzt alle Großbanken unter den volatilen Märkten. Doch die renommierte Investmentbank traf es besonders hart, weil Anleger zusätzlich durch die Schlagzeilen aus Malaysia verunsichert wurden. Um 36 Prozent brach das Papier im vergangenen Jahr ein.

    Leissner, der frühere Südostasien-Chef der Bank, hat sich bereits schuldig bekannt. Es geht um Veruntreuung, Geldwäsche und Betrug und um einen riesigen Image-Schaden für die Bank. Offen ist noch, ob Goldman selbst auch dafür zur Rechenschaft gezogen wird. Das US-Justizministerium ermittelt.

    Den Fall schauen sich ebenfalls die US-Börsenaufsicht, die New Yorker Notenbank Federal Reserve, ein wichtiger Bankenregulierer und die New Yorker Finanzaufsicht DFS an. Malaysia hat eine strafrechtliche Klage gegen die Bank eingereicht. Analysten gehen davon aus, dass der Fall die Bank Strafen in Milliardenhöhe kosten könnte.

    Beratungsgeschäft entwickelt sich stark

    Was das Geschäft der Investmentbank angeht, kann Solomon dagegen erste Erfolge verbuchen: Die Erlöse waren im vergangenen Jahr so hoch wie seit 2010 nicht mehr. Die Eigenkapitalrendite lag mit 13,3 Prozent auf dem höchsten Stand seit 2009. Im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen liegt die Bank weltweit auf Platz eins, ebenso bei Aktienemissionen.

    Grafik

    Das spielt Solomon in die Hände. Der ehemalige Co-Chef der Investmentbanking-Sparte war angetreten, um diesen Geschäftsbereich zu stärken. Vorgänger Blankfein dagegen hatte seine Karriere im Handelsgeschäft gemacht – einem Bereich, der lange Zeit Milliardengewinne einbrachte, jedoch nach der Finanzkrise deutlich weniger lukrativ geworden ist. Die Investmentbanking-Sparte verbuchte im vierten Quartal Erlöse von zwei Milliarden Dollar, deutlich mehr als Investoren erwartet hatten. Angetrieben wurde das Ergebnis vor allem durch ein starkes Beratungsgeschäft. Die Umsätze waren hier um 56 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar gestiegen. Das war der höchste Wert seit über zehn Jahren.

    Schon vor dem Wechsel an der Spitze hatte die Investmentbank angefangen, nicht nur die Mega-Deals, sondern auch kleinere Projekte zu verfolgen. Dazu hatte Goldman auch Büros in Städten wie Seattle, Atlanta und Dallas eröffnet, um näher bei den Kunden zu sein.

    Analysten haben die Hoffnung, dass Solomon auch bei Goldmans Sorgenkind, dem Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren, Devisen und Rohstoffen (FICC), härter durchgreifen wird.

    Sparten auf dem Prüfstand

    Länger als die Konkurrenz habe das Institut an dem Geschäft festgehalten, sagt Guy Moszkowski vom Analysehaus Autonomous. „Doch es ist klar geworden, dass das neue Management-Team einen weniger emotionalen Bezug zur Vergangenheit hat und sich Dinge genau anschauen wird.“ Der Umsatz aus dem Handel mit festverzinslichen Wertpapieren ist im vierten Quartal um 18 Prozent eingebrochen, ähnlich stark wie bei anderen Banken auch.

    Seit Jahren ist die Branche bereits dabei, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. Nach der Finanzreform 2010 sind viele Produkte nicht mehr lukrativ, weil Banken höhere Sicherheiten vorhalten müssen. Goldman Sachs ist hier nicht allein: In den vergangenen fünf Jahren sind die FICC-Umsätze branchenweit um jährlich drei Prozent zurückgegangen, wie aus einer Berechnung von Autonomous hervorgeht.

    „Wir werden nicht warten, bis der Markt zu alter Stärke zurückkehrt“, betonte Solomon vergangene Woche. Er geht davon aus, dass der Bereich ähnlich stark automatisiert wird wie der Aktienhandel. Am Dienstag wurde bekannt, dass Justin Gmelich, einer der erfahrensten Manager aus dem Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren, in den Ruhestand gehen wird. Er war für das operative Geschäft zuständig und werde nicht ersetzt, hieß es.

    Der Vorstand sei dabei, alle Geschäftsbereiche zu überprüfen, erklärte Solomon. In ein paar Monaten wolle er ein ausführliches Update geben und auch „genaue Kennzahlen und finanzielle Ziele mitteilen, an denen wir uns messen“, kündigte der Goldman-Chef an, der für seine ehrgeizigen Ziele bekannt ist.

    Online-Tochter expandiert

    Beim Privatkundengeschäft macht das Institut derweil Fortschritte. Über die Online-Tochter Marcus bietet Goldman gut verzinste Sparkonten und Kleinkredite an Normalverdiener an – eine Zeitenwende bei dem Wall-Street-Haus, das lange nur wohlhabende Kunden bediente. Die Konsumentenkredite summierten sich zum Jahresende auf ein Volumen von fünf Milliarden Dollar, drei Milliarden Dollar mehr als ein Jahr zuvor. Marcus war im vergangenen Sommer auch in Großbritannien gestartet und soll auch nach Deutschland kommen.

    Wie schnell sich Goldmans Aktienkurs erholen wird, bleibt vorerst ungewiss. Analysten der Investmentbank KBW gehen davon aus, dass sich das Papier erst erholen wird, wenn der Skandal in Malaysia beigelegt ist. Zudem sorgen sich Investoren gerade wieder zunehmend über die Lage der Weltwirtschaft und darüber, wie lange der ohnehin schon ungewöhnlich lange Aufschwung noch halten kann. Das belastet auch Bankaktien allgemein. In einer Krise müssen Institute mit Kreditausfällen und vorsichtigen Verbrauchern und Unternehmen rechnen.

    Malaysias Finanzminister Lim Guan Eng ließ unterdessen ausrichten, dass Solomons Entschuldigung nicht ausreiche. Er fordert von Goldman nicht nur die gesamte Summe zurück, die durch die Ausgabe von Anleihen eingesammelt wurde, sondern auch die 600 Millionen Dollar Gebühren, die Goldman eingenommen hat, insgesamt also 7,5 Milliarden Dollar: „Eine Entschuldigung mit 7,5 Milliarden Dollar, das ist das, was zählt.“

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