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Analyse Deutsche Bank leidet am eigenen Investmentbanking

Der Umbau kostet die Deutsche Bank viel Geld. Allerdings hätte das Investmentbanking im zweiten Quartal auch ohne Sondereffekte rote Zahlen geschrieben.
24.07.2019 - 09:53 Uhr 3 Kommentare
Die Ertragsschwäche der Deutschen Bank macht auch vor der künftigen „Kernbank“ nicht halt. Quelle: dpa
Deutsche-Bank-Zentrale

Die Ertragsschwäche der Deutschen Bank macht auch vor der künftigen „Kernbank“ nicht halt.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Deutsche Bank hat an diesem Mittwochmorgen ihre Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Das sind die wichtigsten Fakten.

  • Die Konzernerträge betrugen 6,2 Milliarden Euro und lagen damit sechs Prozent unter dem Wert im Vorjahresquartal.
  • Der Nettoverlust, der den Aktionären zurechenbar ist, betrug 3,2 Milliarden Euro. Dazu trugen Umbaukosten in Höhe von 3,4 Milliarden Euro bei.
  • Die Investmentbanking-Sparte hätte auch ohne die Restrukturierungskosten rote Zahlen geschrieben.
  • Die Aktie liegt im Vormittagshandel bis zu fünf Prozent im Minus.

Das fällt negativ auf

Dass die Deutsche Bank bedingt durch die Kosten für den Umbau einen Milliardenverlust einfahren würde, war schon bekannt. Der den Aktionären zurechenbare Verlust belief sich auf 3,2 Milliarden Euro, wozu Restrukturierungskosten von 3,4 Milliarden Euro beitrugen.

Dabei irritiert auf den ersten Blick, dass die Sanierungskosten höher ausfielen als vor zwei Wochen angekündigt. Die Bank hat offenbar mehr Aufwendungen ins zweite Quartal ziehen können als ursprünglich angenommen. Da sich die Prognose für die gesamten Umbaukosten von 7,4 Milliarden Euro nicht geändert hat, handelt es sich bei dieser Operation nur um Verschiebungen auf der Zeitachse.

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    Allerdings: Auch ohne den Umbau hätte die Bank mit 231 Millionen Euro deutlich weniger als im Vorjahr verdient. Der Gewinn nach Steuern hätte sich im Jahresvergleich halbiert. Diese bereinigten Zahlen liegen außerdem deutlich unter den Schätzungen der Analysten, die dem Institut zu Monatsbeginn immerhin 373 Millionen Euro zugetraut hatten - eine herbe Enttäuschung.

    Nach wie vor kämpft die Bank damit, dass die Erträge schneller fallen als die Kosten: Während die Erträge um sechs Prozent schrumpften, konnte die Bank selbst ihre um Umbaukosten und andere Sonderfaktoren bereinigten Kosten im gleichen Zeitraum nur um vier Prozent senken. Die Ertragsschwäche der Deutschen Bank macht auch vor der künftigen „Kernbank“ nicht halt, also vor den Geschäften, die das Institut fortführen will: Das Minus hätte dort wohl drei Prozent betragen.

    Die größten Schwächen zeigt die Deutsche Bank im Investmentbanking: Selbst ohne die Restrukturierungskosten und Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten hätte die Sparte einen Verlust von etwa 100 Millionen Euro eingefahren – dabei hatten Sondereffekte die Erträge sogar noch um fast 100 Millionen Euro gestützt. Das liegt auch am Sinkflug bei den Erträgen, die um 18 Prozent schrumpften.

    Der Fairness halber muss man ergänzen: Der Rückgang fand überwiegend im Aktienhandel statt, aus dem sich die Bank perspektivisch verabschieden will. Der Anleihe- und Devisenhandel, den die Bank größtenteils beibehalten will, schlug sich mit einem Minus von vier Prozent relativ wacker.

    Bedenklicher ist das überraschende Minus von sechs Prozent bei den Erträgen der hochgelobten Transaktionsbank. Dieser Rückgang ist nach Worten von Vorstandschef Christian Sewing Sondereffekten geschuldet: Im Vorjahr gab es außerordentliche Erträge dank eines Verkaufserlöses. Ohne diesen Effekt wären die Erträge um drei Prozent gestiegen, schrieb er an die Mitarbeiter. Dennoch ist der Rückgang natürlich keine gute Nachricht.

    Das fällt positiv auf

    Es gibt aber auch Lichtblicke: Im Asset Management im Allgemeinen und speziell bei der Fondstochter DWS liefen die Geschäfte gut: Die Asset-Management-Sparte berichtete über sechs Prozent höhere Erträge. Die DWS meldete Nettomittelzuflüsse in Höhe von 4,2 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatten Kunden noch Gelder in Milliardenhöhe abgezogen. Der Vorsteuergewinn der Fondsgesellschaft stieg um rund zehn Prozent auf 157 Millionen Euro.

    Auch das Privatkundengeschäft schlug sich respektabel – zumindest in Deutschland: Die Sparte trotzte den niedrigen Zinsen. Das höhere Geschäftsvolumen und Preiserhöhungen für die Kunden führten zu einem Ertragsanstieg von zwei Prozent auf 1,7 Milliarden Euro.

    Zumindest bis zum Jahresende soll die risikogewichtete Kernkapitalquote bei 13 Prozent bleiben, wie die Bank im Ausblick schreibt. Danach dürften allerdings strengere regulatorische Vorgaben dazu führen, dass die Quote unter die Marke von 13 Prozent sinkt. Die Bank rechnet mit einem Rückgang bis auf 12,5 Prozent.

    Was jetzt passiert

    Noch ist unklar, wie die Deutsche Bank den Umbau konkret gestaltet. Von den 18.000 Stellen, die die Bank kürzen will, hat sie – vor allem im Aktienbereich – bereits 900 Jobs abgebaut. Das ist ein erster Auftakt.

    Ebenfalls unklar ist, wie die künftigen Sparten genau abgeschnitten haben. Die Bank berichtete entlang der Ressortzuschnitte der „alten“ Welt. Vermutlich dürfte sie beim Analystencall um 13 Uhr noch ein paar weitere Details preisgeben.

    Im Geschäftsbericht gibt es nur schmale Angaben über den Ertragsausblick 2019 für die einzelnen Ressorts. Danach rechnet das Institut damit, dass seine Sparte „Unternehmerbank“ – darin sind der Zahlungsverkehr und das Beratungsgeschäft enthalten – sowie die Privatkundensparte ihr Ertragsniveau aus dem Jahr 2018 halten können. Die Erträge der Unternehmerbank lagen 2018 bei 5,2 Milliarden Euro, in der Privatkundensparte waren es 8,7 Milliarden Euro.

    Pessimistischer ist das Institut mit Blick auf die Erträge des Investmentbankings, das fortgeführt werden soll und das 2018 noch Einnahmen von 7,4 Milliarden Euro erzielte. In diesem Jahr dürften die Erträge nach Schätzungen der Bank geringer sein. Dass die Ertragsprognose für die Abbaueinheit CRU „signifikant geringer“ ausfällt, ist indes keine Überraschung.

    Mehr: Die Quartalszahlen der Deutschen Bank zeigen, wie bitter nötig der Umbau ist. Das größte Problem der Deutschen Bank hat Sewing noch nicht in den Griff bekommen, meint Handelsblatt Redakteur Michael Meisch.

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    3 Kommentare zu "Analyse: Deutsche Bank leidet am eigenen Investmentbanking"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Lieber ein Roboter, der mich rein sachliich berät, als ein Investmentbanker, der nur an seine Boni denken kann.

    • Geehrter Herr Marc Kleinlaut,
      Als Aktionär habe ich besonders auf die Deutsche Bank gesetzt. Meine Schuld und dafür verlor in den letzten Jahren sehr viel mehr als ein Vermögen.
      Das ganze Investmentbanking hat mit windigen Geschäften und mit Gier nach Boni so viel Schaden angerichtet, dass die Bank untergegangen wäre ohne die 32,8 Mrd. Euro, die seitens der Aktionäre dafür eingebracht wurden. Fette Boni wurden trotzdem immer bezahlt.
      Investmentbanker kontra „Robot Advising“:
      Mein Taschenrechner hat sich noch nie verrechnet, ich schon.

    • Typisch Deutsche Bank. Gründe vorschieben um Mitarbeiter zu kündigen.

      Also irgendetwas verstehe ich an der ganzen Argumentation der Deutschen Bank nicht und erst recht nicht warum die Presse das ohne weiteres so schluckt.
      Die Bank muss das Investmentbanking personell verkleinern weil Sie in dem Segment große Verluste einfährt. Jede Bank (im Besonderen die Deutsche) sagt mir heute, wenn ich noch etwas Geld verdienen möchte muss ich in den Wertpapierhandel investieren. Dem stimme ich auch zu. Wie kann eine Bank seine Kunden mit Geldanlagen in Wertpapieren ausstatten und von sich selbst behaupten, tja, wir machen in dem Segment einfach zu hohe Verluste. Investmentbanking ist doch so erfolgreich wie die Entscheidungen die man darin fällt und nicht davon abhängig wie viele Mitarbeiter die dafür beschäftigen oder liegt es jetzt daran, dass die Broker von denen jeder 10 Assistentinnen hat? Nein, wie erfolgreich ein Investmentbanking ist, wird von der Chefetage bestimmt die dort die wichtigen Strategien entscheiden und das sind einige wenige und nicht die 10.000 Soldaten die Sie auf die Strasse setzen. Aber das war schon immer die Strategie dieser Bank. Die Chefetage baut Mist und an der Basis werden dafür die Stellen abgebaut und am Besten noch die Mitarbeiter selbst verantwortlich gemacht.

      Meiner Ansicht nach geht es um etwas ganz anderes. Die Bank wird einfach das Robot Advising noch stärker ausbauen bzw. hat es schon und dagegen ist Personal mal wieder zu teuer. Ist aber echt blöd jetzt zu sagen, ach, die Chefetage hat sich mal wieder verspekuliert und das was vorher 10.000 Menschen gemacht haben überlassen wir jetzt ein paar Serverfarmen weils billiger ist und wir auf Menschen in unserem Unternehmen noch nie Rücksicht genommen haben.

      Viele Grüße an den elitärsten Club der Welt. Ihr rettet euch schon.

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