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Aufsichtsratschef Die EZB fordert von der Deutschen Bank rechtzeitigen Nachfolgeplan für Paul Achleitner

Die Europäische Zentralbank will bei der Neubesetzung des Aufsichtsratspostens früh eingebunden werden. Die Hängepartie stört Investoren und zunehmend die Aufseher.
11.06.2021 Update: 11.06.2021 - 16:27 Uhr Kommentieren
Die Amtszeit des Deutsche-Bank-Aufsichtsratschefs endet im Mai 2022. Quelle: dpa
Paul Achleitner

Die Amtszeit des Deutsche-Bank-Aufsichtsratschefs endet im Mai 2022.

(Foto: dpa)

Frankfurt Ein Jahr vor dem Ende der Amtszeit von Aufsichtsratschef Paul Achleitner ist immer noch unklar, wer ab kommendem Mai an die Spitze des Kontrollgremiums der Deutschen Bank rücken soll. Die Hängepartie stört nicht nur Investoren, sondern zunehmend auch die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die Aufsicht wolle nicht, dass die Deutsche Bank sich zu viel Zeit mit der Nachfolgeplanung lasse, sagten zwei mit dem Sachverhalt vertraute Personen dem Handelsblatt. Sie bestätigten damit einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. Deutsche Bank und EZB wollten das nicht kommentieren.

Eine feste Frist, bis wann das Geldhaus einen Nachfolger präsentieren soll, gibt es nicht. Doch die Zeit drängt. Das liegt daran, dass die Bankenaufsicht schon früh in den Nachfolgeprozess eingebunden werden will – auch um die Möglichkeit zu haben, rechtzeitig Einfluss auf die Personalie zu nehmen, wenn sie aus ihrer Sicht in die falsche Richtung läuft. Denn ungeeignete Aufsichtsräte können von den Bankenaufsehern der EZB aus dem Gremium gedrängt werden.

Gerade bei der Deutschen Bank gab es auf diesem Gebiet schon einmal Probleme: Vor zwei Jahren hatte die Deutsche Bank mit dem mittlerweile verstorbenen Ex-UBS-Banker Jürg Zeltner einen Kandidaten in den Aufsichtsrat geholt, der aus Sicht der Aufseher ungeeignet war.

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    Da die Bank die Bankenaufseher erst spät informiert hatte, eskalierte der Streit darüber erst zu einem Zeitpunkt, als Zeltner schon im Aufsichtsrat saß. Wenige Monate später zog er sich von dem Posten zurück.

    Paul Achleitner will im kommenden Jahr gehen

    Die Nachfolge Achleitners ist seit einigen Monaten immer wieder Thema im Austausch zwischen der EZB und der Bank, sagen Insider – auch auf Top-Ebene. Für die Bankenaufseher spielen Themen auf dem Gebiet der guten Unternehmensführung eine wachsende Rolle. Das betrifft insbesondere auch die Frage nach der Qualität von Aufsichtsräten der Kreditinstitute. Der Chefposten im Aufsichtsrat nimmt dabei eine besonders wichtige Rolle ein.

    Der amtierende Aufsichtsratschef Achleitner hatte auf der diesjährigen Hauptversammlung der Bank angekündigt, im kommenden Jahr nicht mehr für eine weitere Amtszeit zu kandidieren. In seiner bald zehnjährigen Amtszeit stand Achleitner regelmäßig in der Kritik bei Aufsehern und Investoren – vor allem wegen einiger unglücklicher Personalentscheidungen.

    Seine Amtszeit fällt mit der umstrittenen Phase der Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen zusammen, die mit Skandalen, hohen Strafzahlungen und einer schleppenden – oder auch verschleppten – Aufarbeitung vieler Altlasten verbunden war. Der Vorwurf an Achleitner lautete, er habe Jains Amtszeit zu spät beendet. Nachfolger John Cryan lenkte die Bank dann in die richtige Richtung, setzte notwendige Änderungen aber nicht entschlossen genug um. 

    Seit der Berufung Christian Sewings an die Spitze des Vorstands im Frühjahr 2018 ist die Kritik an Achleitner spürbar abgeflaut. Der Österreicher ist seither in der Öffentlichkeit auch weniger präsent. Eine weitere Amtszeit von ihm wäre aber wohl dennoch auf breiten Widerstand unter Investoren gestoßen.

    Schon im vergangenen Sommer wurde die US-Bankerin Mayree Clark mit der Nachfolgesuche Achleitners offiziell als Vorsitzende des Nominierungsausschusses beauftragt. 

    Intern gibt es drei mögliche Kandidaten

    Mittlerweile gibt es im Aufsichtsrat drei Kandidaten, die grundsätzlich als potenziell geeignet für eine Nachfolge Achleitners angesehen werden: Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer, der frühere PwC-Deutschlandchef Norbert Winkeljohann sowie der frühere VW-Manager Frank Witter, der bei dem Aktionärstreffen frisch in das Kontrollgremium gewählt wurde. Da es für die Bankenaufseher wichtig sein dürfte, dass ausreichend Zeit für die Einarbeitung eines Achleitner-Nachfolgers vorhanden ist, spricht dies zudem für einen internen Kandidaten.

    Als Favorit für die Nachfolge des 64-Jährigen sehen mehrere Insider Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer. Der Börsenchef habe schon kurz nach seinem Start persönliche Kontakte zu sämtlichen Mitgliedern des Gremiums gesucht, was sehr ungewöhnlich sei für einen neuen Aufsichtsrat, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters. „Er ist von Anfang an sehr präsidial aufgetreten. Die Weichen sind meiner Ansicht nach gestellt.“

    Weimer gilt als erfahren und kompetent genug, zumal er sich auch im Investmentbanking auskennt – doch für den Chefposten im Aufsichtsrat müsste er den Vorstandsvorsitz bei der Deutschen Börse abgeben. 

    Weimer will seinen Vertrag als Deutsche-Börse-Chef erfüllen

    Nach mehreren vagen Aussagen zu dem Thema machte Weimer bei der Bilanzpresse-Konferenz im Februar dieses Jahres jedoch deutlich, dass er seinen Vertrag als Deutsche-Börse-Chef bis Ende 2024 erfüllen will und deshalb 2022 nicht die Nachfolge von Achleitner antreten wird.

    „Das ist überhaupt kein Thema“, sagte der 61-Jährige. „Ich stehe hier unter Vertrag. Mit der Deutschen Bank gibt es darüber keine Diskussionen. Wieso sollte es auch?“

    Dass Weimer trotz dieser klaren Aussagen von einigen weiter als Favorit für die Nachfolge von Achleitner genannt wird, finden bei der Deutschen Börse viele verwunderlich. Der Konzern aus Eschborn bei Frankfurt hat schließlich bereits im März 2020 erklärt, dass Weimer nicht gleichzeitig CEO der Deutschen Börse und Aufsichtsratschef der Deutschen Bank sein kann. So sehen das auch große Investoren.

    Winkeljohann ist in vielen Ausschüssen präsent

    Als weiterer möglicher Nachfolger gilt Norbert Winkeljohann. Der frühere Wirtschaftsprüfer ist schon jetzt so etwas wie der  „Ziegelstein“-Kandidat für Paul Achleitner, also derjenige, der notfalls sofort in der Lage wäre, den Aufsichtsratschef zu ersetzen. 

    Deutlich wurde das auch auf der virtuellen Hauptversammlung der Bank in diesem Jahr: Außer Achleitner war seitens des Aufsichtsrats nur Winkeljohann vor Ort. Die Vertreter der Kapitalseite hatten ihn als Ersatz für den Fall gewählt, dass Achleitner aus irgendwelchen Gründen die Versammlung nicht hätte leiten können.

    Winkeljohann ist unter den drei internen Kandidaten für die Achleitner-Nachfolge derjenige, der in den meisten Ausschüssen des Kontrollgremiums mitarbeitet: Den Prüfungsausschuss leitet er selbst. Zudem ist er Mitglied im wichtigen Präsidialausschuss und im Nominierungsausschuss sowie im Risiko- und im Vermittlungsausschuss. Weimer dagegen ist nur Mitglied im Prüfungsausschuss. Dennoch: Gegen Winkeljohann könnte sprechen, dass er bereits den Aufsichtsrat des Pharmakonzerns Bayer leitet. 

    Der ehemalige VW-Finanzchef Frank Witter ist der einzige Kandidat, gegen den keine anderweitigen Posten sprechen würde. Allerdings hätte er nur ein Jahr, um sich in die komplexe Deutsche Bank einzuarbeiten – und er hat keine Vergangenheit im Investmentbanking. 

    Mehr: Deutsche Bank rechnet mit hoher Belastung durch Gebühren-Urteil des BGH

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