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Aufsichtsratssitzung Commerzbank besiegelt vorzeitige Trennung von CEO Zielke

Der Aufsichtsrat hat eine einvernehmliche Aufhebung des Anstellungsvertrags von Martin Zielke beschlossen. Viele andere Fragen sind weiter offen.
08.07.2020 Update: 08.07.2020 - 19:33 Uhr 1 Kommentar
Zielke und Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann hatten am Freitagabend überraschend ihren vorzeitigen Abschied angekündigt. Quelle: dpa
Martin Zielke

Zielke und Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann hatten am Freitagabend überraschend ihren vorzeitigen Abschied angekündigt.

(Foto: dpa)

Frankfurt Vorstandschef Martin Zielke wird die Commerzbank noch in diesem Jahr vorzeitig verlassen. Der Aufsichtsrat folgte am Mittwoch der Empfehlung des Präsidial- und Nominierungsausschusses und beschloss, Zielkes eigentlich noch bis November 2023 laufenden Vertrag einvernehmlich aufzuheben.

„Zielke hat sich bereit erklärt, bis zur Berufung eines Nachfolgers die Geschäfte der Bank in vollem Umfang weiterzuführen“, erklärte das Institut. „Er wird spätestens zum 31. Dezember 2020 aus dem Amt scheiden.“

Zielke und Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann hatten am Freitagabend überraschend ihren vorzeitigen Abschied angekündigt. Wann genau Zielke abtritt, ist jedoch weiter offen, schließlich gibt es bisher keinen Nachfolger. Darüber soll Insidern zufolge erst entschieden werden, wenn ein neuer Aufsichtsratschef bestimmt ist.

Am Mittwoch hat sich das Gremium jedoch auf keinen neuen Chefkontrolleur verständigt. Der deutsch-britische Finanzmanager Nicholas Teller, der seit 2014 im Aufsichtsrat sitzt und dort hohes Ansehen genießt, hatte bereits im Vorfeld der Sitzung erklärt, dass er für das Amt nicht zur Verfügung steht. Darüber hinaus gibt es in dem Gremium nicht mehr viele Mitglieder, die für den Vorsitz infrage kommen.

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    Insider rechnen damit, dass die Entscheidung über einen neuen Aufsichtsratschef auf der nächsten Sitzung am 3. August fallen wird. An diesem Tag will Schmittmann sein Amt niederlegen.

    Falls sich die Beteiligten bis dahin auf keinen anderen Chefkontrolleur einigen, würde fürs Erste der stellvertretende Aufsichtsratschef Uwe Tschäge übernehmen. Er ist Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrats und hatte zuletzt gefordert, dass der anstehende Stellenabbau sozial verträglich vonstattengehen muss. „Hier erwarte ich auch vom Bund als Großaktionär Unterstützung“, sagte Tschäge.

    Der Staat hält nach der Rettung der Commerzbank in der Finanzkrise 15,6 Prozent an dem Institut. Die Bundesregierung hat jedoch mehrfach betont, sich nicht ins operative Geschäft einmischen zu wollen.

    Grafik

    Zielke hat Finanzkreisen zufolge intern angekündigt, bei seinem Abschied auf eine variable Vergütung von rund 1,5 Millionen Euro zu verzichten, die ihm vertraglich eigentlich zustehen würde. Er wird nach seinem Ausscheiden jedoch zwei Jahresgehälter bekommen, sagte eine mit dem Thema vertraute Person. Da Zielke zuletzt ein Grundgehalt von 1,7 Millionen Euro pro Jahr hatte, käme er somit auf 3,4 Millionen Euro.

    Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies der Frankfurter Goethe-Universität, findet das skandalös. „Dass ein CEO selber hinwirft und dann auch noch den Abgang derart versilbert bekommt, ist absolut unverständlich“, schrieb Brühl auf Twitter. „Wie soll man dies den Mitarbeitern, von denen viele ihre Jobs verlieren, den Kunden und den Aktionären erklären?“

    Ausschlaggebend für den Doppelrücktritt von Zielke und Schmittmann war die Kritik des Großaktionärs Cerberusdie inhaltlich auch von vielen anderen Investoren, Politikern und der breiten Öffentlichkeit geteilt wurde.

    Cerberus hatte Anfang der Woche „ein geordnetes Nachfolgeverfahren zur Besetzung der vakanten Positionen“ gefordert. „Zuerst muss ein neuer Aufsichtsratsvorsitzender gefunden werden, gefolgt von einem formellen, vom Aufsichtsrat geführten Prozess, um einen Nachfolger für den Vorstandsvorsitzenden zu bestimmen“, erklärten die Amerikaner, die gut fünf Prozent an der Commerzbank halten.

    Mehr: Das sind die aussichtsreichsten Kandidaten für den Commerzbank-Chefposten.

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    1 Kommentar zu "Aufsichtsratssitzung : Commerzbank besiegelt vorzeitige Trennung von CEO Zielke"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Der Doppelrücktritt vom AR-Vorsitzenden Schmittmann und vom VV Zielke hat die Commerzbank geschwächt. Spätestens seit gestern, dem Tag ohne weiterreichende Entscheidungen des AR ist klar, dass die Bank auf diese Situation nicht vorbereitet ist!

      Der Rücktritt von Zielke wäre okay gewesen. Ja, er wäre sogar eine Befreiung gewesen. Denn seit dem zweiten mißglückten Anlauf zur Fusion mit der Deutschen Bank und dem Strategiewechsel im letzten Jahr war klar, dass Zielke selber nicht mehr an das Grundcredo glaubte, mit dem er bei seiner Amtsübernahme angetreten war: Ertragssteigerung durch Wachstum. Er hat sich verunsichern lassen durch die Miesschreiber in der Presse, durch Analysten- und Consulting-Lemminge, die alle nach Kostensenkungen schrien!
      Der erste große Fehler war die Absage des Projektes Kopernikus, dem Aufbau einer europäischen Online-Bank. Der zweite war der beabsichtigte Verkauf der M-Bank! Spätestens seit dem hatte Zielke keine Perspektive mehr, die sich positiv vom Mainstream abhob.

      Und ich bin mir sicher, dass Schmittmann die "Ziegelstein-Liste" seines Vorgängers Müller aktualisiert hatte und ein Name für die Zielke Nachfolge bereit stand.

      Der nun erfolgte Doppelrücktritt zeigt aber, dass Zielke und Schmittmann offensichtlich zutiefst verunsichert waren durch die Angriffe von Cerberus und die merkwürdige Rolle des Bundes, der sich unnötigerweise eines dieser typischen Mainstream-Gutachten zu den Perspektiven der Bank hatte schreiben lassen. Aber was will man auch schon erwarten von einem Ex-Goldman-Sachs-Mann als Staatssekretär!

      Die Belegschaft hat diese Perspektivlosigkeit der letzten anderthalb bis zwei Jahre gespürt. Insofern hat die Arbeitnehmervertreter im AR sehr recht, wenn sie fordern, dass die neue Spitze die Belegschaft nicht nur mitnehmen sondern neu motivieren muss.

      Deshalb kommt es jetzt auf eine kluge Entscheidung bei der Besetzung des AR-Vorsitzenden an! Diese Frau, oder dieser Mann muss bereit und in der Lage sein Zeichen zu setzen.

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