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Auslandsüberweisungen Transferwise wirbt mit falschen Gebühren von Deutscher Bank und Commerzbank für sich

Das Vorzeige-Fintech hat sich bei einem Gebührenvergleich teilweise kräftig verrechnet – zum Nachteil deutscher Geldhäuser. Jetzt geloben die Briten Besserung.
13.11.2019 - 10:48 Uhr Kommentieren
Das Fintech ermöglicht vergleichsweise günstige Auslandsüberweisungen. Quelle: TransferWise
Transferwise

Das Fintech ermöglicht vergleichsweise günstige Auslandsüberweisungen.

(Foto: TransferWise)

Frankfurt Es gibt in Europa nur einige wenige Finanz-Start-ups mit Milliardenbewertungen. Zu dem illustren Kreis zählt das britische Fintech Transferwise, das Überweisungen ins Ausland vergleichsweise günstig anbietet.

Mit umgerechnet gut 3,1 Milliarden Euro wurde Transferwise zuletzt bewertet, zu den Investoren gehören so prominente Namen wie der Finanzinvestor Lone Pine, der Onlinebezahldienst Paypal sowie der Unternehmer und Milliardär Richard Branson.

Um möglichst viele Verbraucher darauf zu stoßen, dass klassische Banken für Geldtransfers in Nicht-Euro-Länder hohe Entgelte verlangen, erhebt Transferwise diese Kosten regelmäßig. Zuletzt Mitte Oktober.

Das zentrale Ergebnis der Untersuchung, die die britische Marktforschungsfirma Consumer Intelligence für Transferwise durchgeführt hat: Bei Deutscher Bank, Postbank, Commerzbank, der Stadtsparkasse Augsburg und Western Union haben sich die Preise für Online-Überweisungen nach Großbritannien in Pfund demnach in kurzer Zeit kräftig erhöht – angeblich.

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    Transferwise taxierte die Kostensteigerung auf durchschnittlich 17 Prozent binnen drei Monaten. Mitgründer und Geschäftsführer Kristo Käärmann kritisierte die Geldhäuser deshalb deutlich: „Im Vorfeld des Brexits haben die Banken und Finanzdienstleister ihre Preise angezogen – und dabei wollen sie unentdeckt bleiben. Während die offizielle Gebühr unverändert bleibt, schrauben sie heimlich am Wechselkurs und schlagen beträchtliche Mehrkosten auf.“

    Angeblich. Denn unentdeckt blieb etwas ganz anderes. Recherchen des Handelsblatts zeigen, dass die von Transferwise veröffentlichten Kosten der vier Kreditinstitute falsch sind. Die Preise, die das Fintech per September für eine Überweisung von 1000 Euro auf ein britisches Pfund-Konto bekannt gab, liegen teils drastisch über den Kosten, die die Banken nennen. Gleich viermal nannte das Fintech zu hohe Grundgebühren, auch die Wechselkurskosten stimmen den Geldhäusern zufolge nicht. In der Vergangenheit hatte auch das Handelsblatt über vorherige Erhebungen von Transferwise berichtet.

    „Fehler unterlaufen“

    Transferwise gesteht die fehlerhaften Berechnungen ein und gibt sich zerknirscht. „Dem von Transferwise beauftragten, unabhängigen Marktforschungsunternehmen sind bei der Datenerhebung in Deutschland Fehler unterlaufen. Transferwise bedauert diese Fehler, die umgehend nach dem Hinweis korrigiert wurden“, erklärte das Fintech auf Anfrage.

    Consumer Intelligence habe Angaben aus den Preis- und Leistungsverzeichnissen falsch interpretiert. Die Qualität der Untersuchung entspreche nicht den hohen Standards, die Transferwise sich selbst auferlegt habe. Consumer-Intelligence-Chef Ian Hughes erklärte auf Anfrage, dass es sich um kleine Unstimmigkeiten gehandelt habe, die rasch korrigiert worden seien.

    So klein sind die Abweichungen allerdings nicht. Zudem ziehen sich die unrichtigen Angaben durch die Daten zu den Geldhäusern, die Transferwise Mitte Oktober veröffentlichte. Ein Beispiel: Das Fintech hatte die Kosten für eine Überweisung bei der Deutschen Bank mit 21,55 Euro angegeben. Auf Anfrage des Handelsblatts erklärte die Deutsche Bank, dass sie die Konvertierungskosten nicht nachvollziehen könne, die von Transferwise genannte Grundgebühr gelte zudem für beleghafte Überweisungen.

    Konfrontiert damit korrigierte Transferwise die Angaben deutlich nach unten, konkret auf 16,53 Euro. Doch das liegt immer noch rund drei Euro über dem Preis, den die Deutsche Bank für eine solche Überweisung im September nennt.

    Die Fehler von Transferwise scheinen mit Blick auf die Grundgebühr offensichtlich: Im ersten Anlauf hatte Transferwise bei der Deutschen Bank den Grundpreis für eine beleghafte Überweisung von 16,55 Euro genannt, bei der Online-Überweisung sind es aber 11,55 Euro. Zudem nennt das Fintech einen Wechselkursaufschlag von fünf Euro, die Deutsche Bank gibt als Handelsspanne für eine Überweisung Ende September gut zwei Euro an.

    Auch andere Angaben von Transferwise sind falsch. Während das Fintech für eine Überweisung von 1000 Euro bei der Postbank 19,79 Euro ansetzt, gibt die Postbank die Gebühren mit zehn Euro an – für Mitte Oktober, als Transferwise die Zahlen veröffentlichte und das Handelsblatt daraufhin nachfragte.

    „Wir können die angebliche Gebührenerhöhung nicht bestätigen. Unsere Entgelte haben sich für Privatkunden seit Januar 2018 nicht geändert“, betonte ein Postbank-Sprecher. Mehr noch: Die Postbank habe auch die Aufschläge auf den Wechselkurs seit mehreren Jahren nicht angepasst.

    Konfrontiert mit den Handelsblatt-Recherchen hat Transferwise die Daten geprüft und die Angaben zu den Postbank-Preisen daraufhin ebenfalls nach unten korrigiert, auf nun 12,74 Euro. Allerdings: Auch bei den revidierten Zahlen nennt Transferwise einen deutlich höheren Wechselkursaufschlag, als die Postbank vorrechnet.

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