Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Banca Popolare di Bari Italien beschließt die nächste Bankenrettung

Die italienische Regierung stellt für die Rettung der angeschlagenen Banca Popolare di Bari 900 Millionen Euro bereit. Die Begeisterung in Brüssel dürfte sich in Grenzen halten.
16.12.2019 - 16:37 Uhr Kommentieren
Die Parteien der italienischen Regierungskoalition streiten über die Zukunft der Bank. Quelle: IMAGOECONOMICA
Banca Popolare di Bari

Die Parteien der italienischen Regierungskoalition streiten über die Zukunft der Bank.

(Foto: IMAGOECONOMICA)

Rom Vor zwei Jahren war es Monte dei Paschi in Siena, die älteste Bank der Welt, jetzt ist es die Regionalbank Banca Popolare di Bari: Wieder rettet der italienische Staat eine Bank in Schieflage. Und das, obwohl die Staatskasse leer ist: Das Land hat nach Griechenland die höchste Staatsverschuldung in Europa. In diesen Tagen steht der Haushalt 2020 vor der Abstimmung im Parlament, große Spielräume hat Italien wegen der permanenten Überziehung des Defizits nicht.

Am Ende einer eilig einberufenen Sondersitzung des Kabinetts in Rom am späten Sonntagabend stand die Lösung. Es gibt eine Finanzhilfe in Höhe von 900 Millionen Euro für die Bank der Hauptstadt der Region Apulien, gezahlt aus einem Topf des Wirtschafts- und Finanzministeriums. Es werde alles getan, um die Sparer zu schützen, sagte Premier Giuseppe Conte, keiner solle sich beunruhigen.

Das Geld geht nicht direkt an die Krisenbank, sondern soll das Kapital der staatlichen Entwicklungsbank Banca del Mezzogiorno-Mediocredito Centrale (MCC) stärken, die wiederum gemeinsam mit dem Einlagensicherungsfonds FITD der italienischen Banken und anderen Investoren die Sanierung übernehmen kann. Denn zum ersten Mal wurde eine Bank im abgehängten italienischen Süden getroffen, auch wenn Apulien gegenüber den strukturschwachen Regionen Kalabrien und Sizilien als die „Schweiz“ des Südens gilt.

Die italienische Notenbank Banca d’Italia hatte am Freitag durchgegriffen und die Bank unter staatliche Kontrolle gestellt. Die Leitungsgremien der Bank wurden aufgelöst und zwei staatliche Kommissare und drei weitere Personen als Mitglieder eines Überwachungskomitees eingesetzt. „Die Bank führt ihre Geschäfte regulär weiter“, heißt es in der Mitteilung der Banca d’Italia. 

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Grund für die Zwangsverwaltung seien hohe Verluste, so die Notenbank. Nach Berechnungen der Wirtschaftszeitung „Il Sole-24ore“ haben sich in den vergangenen vier Jahren Verluste von einer Milliarde Euro angehäuft. Der konsolidierte Nettoverlust der Bank mit 2.700 Angestellten betrug 2018 430 Millionen Euro. Die harte Kernkapitalquote (CET1) sank auf 6,22 Prozent.

    Kein Bankrun am Montag

    An der Börse in Mailand hinterließ die Bankenrettung zum Wochenbeginn keine Auswirkungen, und auch der Risikoaufschlag für italienische Papiere im Vergleich zu Bundesanleihen stieg nicht an.  

    Obwohl Premier Conte den Sparern der Bank eine Garantie gegeben hat, droht rund 70.000 Anteilseignern der Volksbank ein Verlust ihrer Ersparnisse, denn diese hatten ihr Geld nicht auf Sparkonten angelegt, sondern in Anteilsscheine investiert. Dazu hätten die Bankangestellten seinerzeit geraten, sagte ein Kunde der Bank im Fernsehen. Einen Bankrun, also ein massenhaftes Abheben von Bargeld, gab es am Montagmorgen in Bari allerdings nicht.

    Denn die Krise der Bank kommt nicht überraschend. Schon seit Monaten gilt das Institut mit insgesamt 600.000 Kunden – darunter 100.000 Unternehmen, das nach einer Mediobanca-Studie von 2018 an 18. Stelle in Italien steht, als Pleitekandidat. Bereits 2016 hätte die Bankaufsicht die Vermögenslage als „ungünstig“ eingestuft, heißt es bei der Banca d’Italia. 2017 sei eine Aufstockung des Eigenkapitals angemahnt und dem Vorsitzenden des Verwaltungsrats den Rücktritt nahegelegt worden.

    Zusätzlich lastete ein hoher Anteile an faulen Krediten in den Büchern der Bilanz – dieses Erbe der Finanzkrise ist noch immer eines der Hauptprobleme der italienischen Banken. Sie hatten nach 2008 Problemkredite angehäuft, die wegen der chronischen Wachstumsschwäche des Landes und einer dreijährigen Rezession nicht zurückgezahlt werden konnten. Bei der im Vergleich zu den beiden Großbanken Intesa Sanpaolo und Unicredit kleinen Regionalbank aus Bari sind es drei Milliarden Euro an faulen Krediten, rund ein Viertel der Aktivposten des Instituts.

    Schleppende Modernisierung

    Zudem geht es wie bei der Regionalbank Carige aus Genua, die Anfang diesen Jahres von der Europäischen Zentralbank unter Zwangsverwaltung gestellt worden war, und bei zwei Banken aus dem Veneto um Missmanagement, Klientelismus und lokales Fürstentum von Managern. Hinzu kommt, dass es nach wie vor zu viele Banken und Filialen in Italien gibt und die Modernisierung nur schleppend verläuft.

    Die Bank in Apulien hat nicht die Größenordnung von Monte dei Paschi, bei der der Staat 2017 eingriff und bei der das Wirtschafts- und Finanzministerium seitdem Großaktionär ist. Erst nach monatelangen Verhandlungen mit der EU-Kommission gab diese grüne Licht für die Staatsrettung, verbunden mit der Auflage, die Bank, die viertgrößte in Italien, im Prinzip noch dieses Jahr zurück auf den Markt zu bringen.

    Auch in diesem neuen Fall von Staatshilfe werden die Wettbewerbshüter in Brüssel genau hinschauen. Denn seit 2016 gilt in Europa die Gläubigerbeteiligung, das so genannte „Bail-in“. Danach müssen bei einer Bank in der Krise erst die Aktionäre, Anleihebesitzer und die Kontoinhaber mit Guthaben von mehr als 100.000 Euro ihre Ansprüche abschreiben oder in Eigenkapital umwandeln.

    Bankeinlagen bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank sind in Europa gesetzlich geschützt. Erst wenn diese Verlustbeteiligung acht Prozent der Bilanzsumme der Bank abdeckt, darf der Staat einspringen. Sehr streng wird der Mechanismus nicht angewandt. Und Italien hat bisher noch immer eine Ausnahme ausgehandelt.   

    Neuer politischer Streit

    Doch auch in Italien werden Zweifel laut.  „Die Regierung hat eine Mischung von privaten und öffentlichen Geldern vorgesehen, ob das kompatibel ist mit den EU-Normen?“, fragt der Mailänder Ökonom Carlo Cottarelli. „Die Regierung muss ihre Entscheidung sehr effizient in Brüssel vertreten, um keine Probleme zu bekommen.“

    Doch stattdessen hat die Rettung der Bank neuen politischen Streit der Koalitionäre innerhalb der ohnehin wackeligen Regierung in Rom ausgelöst. „Wir schützen keinen Banker“, erklärte Premier Conte, „sondern wir machen aus der Not eine Tugend und werden eine Art ‚Investmentbank für den Süden‘ mit öffentlicher Beteiligung haben.“

    Anders klingt das bei Außenminister Luigi Di Maio, dem Parteichef der Bewegung Fünf Sterne. Er fordert offen eine Verstaatlichung: „Wenn wir öffentliche Gelder in eine Bank stecken müssen, um zu verhindern, dass die Konten der Menschen in Apulien leergeräumt werden, dann muss diese Bank Eigentum des Staates werden, um endlich die öffentliche Bank für Investitionen zu schaffen, die in unserem Parteiprogramm und im Koalitionsvertrag steht.“

    Lega-Chef Matteo Salvini, seit September in der Opposition, kritisierte offen die Arbeit der Notenbank, wie er es zu seiner Regierungszeit in der Populistenregierung mehrmals getan hatte. „Ich hoffe, dass das Parlament so schnell wie möglich den Gesetzesantrag der Lega und der Fünf Sterne beschließt, in dem es um die Reform der Notenbank geht, damit sie unter die Kontrolle des Parlaments kommt“, sagte er am Montag.

    Mehr: Italiens Banken profitieren von der Entspannung an den Märkten, wie die Zahlen der Großbanken zeigen. Doch es sind längst nicht alle Schwierigkeiten gelöst, berichtet Handelsblatt-Korrespondentin Regina Krieger.

    Startseite
    Mehr zu: Banca Popolare di Bari - Italien beschließt die nächste Bankenrettung
    0 Kommentare zu "Banca Popolare di Bari: Italien beschließt die nächste Bankenrettung"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%