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Banken Coronakrise verschärft Tempo bei Filialschließungen

Einige Geldhäuser machen vorübergehend geschlossene Geschäftsstellen dauerhaft dicht. Denn Kunden werden auch nach Corona mehr Onlinebanking nutzen.
23.06.2020 - 04:01 Uhr Kommentieren
Viele Geldhäuser haben bereits Filialen geschlossen, die Coronakrise dürfte das Tempo des Filialabbaus verstärken. Quelle: picture-alliance / ZB
Volksbank und Sparkasse

Viele Geldhäuser haben bereits Filialen geschlossen, die Coronakrise dürfte das Tempo des Filialabbaus verstärken.

(Foto: picture-alliance / ZB)

Frankfurt Auf dem Höhepunkt der Coronakrise war fast die Hälfte der Filialen der Hamburger Volksbank geschlossen. Nun hat das Institut entschieden, sie erst gar nicht wieder zu öffnen. 13 von 28 Geschäftsstellen sollen dauerhaft zu bleiben.

„Die Folgen der Corona-Pandemie haben uns die Möglichkeiten gegeben zu testen, ob unser Geschäft auf einen Schlag mit weniger Filialen funktioniert“, sagt Bankchef Reiner Brüggestrat. „Und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es funktioniert.“ Parallel dazu habe die Bank den Omnikanal-Service aufgestockt – auch das soll dauerhaft so bleiben.

„Omnikanal“ bedeutet, dass Kunden je nach Vorliebe und Bedarf sowohl die Filiale als auch Onlinebanking nutzen können oder mit ihrer Bank per E-Mail, Chat oder Video kommunizieren. Brüggestrat rechnet dabei damit, dass der Anteil der Kunden, die ihre Bankgeschäfte bereits per Internet erledigen, seit Mitte März noch gestiegen ist.

Mit dem Schritt legt die Hamburger Volksbank bei Filialschließungen ein höheres Tempo vor als zunächst geplant. Drei Filialen sollten eigentlich erst in diesem Sommer wegfallen, weitere zehn bis Ende 2021.

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    Kein Einzelfall: Einige andere Regionalbanken gehen ähnlich vor. Sie hatten wegen der Kontaktbeschränkungen und zum Schutz von Kunden wie Mitarbeitern einen Teil oder sogar alle ihrer Filialen geschlossen. Nun öffnen sie einige Niederlassungen wieder – aber eben nicht alle.

    Die Sparkasse Bremen lässt sieben wegen der Corona-Einschränkungen geschlossene Filialen dauerhaft zu. Eigentlich wollte das Institut, das zu den größten Sparkassen bundesweit zählt, die Geschäftsstellen erst Ende des Jahres streichen. Auch die Sparkasse Pforzheim-Calw verkleinert ihr Filialnetz schon jetzt. 14 von 56 wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Filialen gibt sie auf.

    Die Corona-Schließungen hätten hilfreiche Erkenntnisse gebracht, erklärt hierzu die Sparkasse, die insgesamt noch knapp 100 Filialen hat – zum Beispiel, dass die Entfernung zur nächsten geöffneten Geschäftsstelle kein Problem darstelle.

    Und viele andere Banken denken ebenfalls über solche Schritte nach, haben sie aber noch nicht verkündet. Bei der Commerzbank waren während der Coronakrise acht Wochen lang 200 ihrer 1000 Filialen komplett geschlossen. „Das ist schon mal ein guter Test, um zu sehen: Was funktioniert? Was funktioniert nicht?“, sagte Finanzchefin Bettina Orlopp kürzlich beim Handelsblatt CFO Summit.

    Inzwischen hätten zwar wieder gut 450 Filialen komplett geöffnet. Aber Orlopp hat bereits deutlich gemacht, dass Deutschlands zweitgrößte Privatbank ihr Filialnetz perspektivisch stärker ausdünnen will als vor Corona geplant.

    Deutlicher Filialabbau bis zum Jahr 2025 erwartet

    Alles deutet also darauf hin, dass die Coronakrise den – ohnehin schon erheblichen – Filialabbau noch beschleunigen wird. Private und genossenschaftliche Banken sowie Sparkassen haben bereits in den vergangenen Jahren zahlreiche Geschäftsstellen geschlossen. Ende 2019 gab es laut Bundesbank in Deutschland noch knapp 27.000 Bankfilialen, zehn Jahre zuvor waren es fast 12.000 mehr.

    Oliver Mihm, Chef der Beratungsfirma Investors Marketing, rechnet mit einem weiteren drastischen Rückgang. Er prognostiziert, dass die Zahl der Geschäftsstellen bis zum Jahr 2025 auf 16.000 absackt. Das wären 44 Prozent weniger als Ende 2019. Vor der Coronakrise hatte er ein Absinken auf lediglich knapp 20.000 vorhergesagt.

    Der Berater geht davon aus, dass weitere Geldhäuser dem Beispiel aus Hamburg, Bremen und Pforzheim folgen werden: Zehn bis 15 Prozent der Kreditinstitute würden einen Teil ihrer Filialen, die sie wegen der Corona-Pandemie geschlossen hätten, nicht wieder öffnen. „Weitere zehn bis 15 Prozent werden bis zum Sommer nächsten Jahres in größerem Stil Filialen schließen“, meint Mihm.

    Stephan Vomhoff, der regionale Banken berät, erwartet bereits für dieses Jahr einen Schub bei Filialstreichungen. Er höre von vielen Banken, „dass sie weitere Filialen schließen wollen, auch weil mehr Kunden als zuvor Onlinebanking nutzen“. Zudem rechnet er damit, dass etliche Banken wegen der Coronakrise geschlossene Filialen nicht wieder öffnen, spätestens im Herbst werde es zu einer Schließungswelle kommen.

    Dafür gibt es vor allem zwei Gründe. Zum einen steigt der Kostendruck auf die Banken noch weiter, weil diese infolge der Corona-Pandemie mit mehr faulen Krediten und Gewinnrückgängen rechnen müssen. Auch die Negativzinsen in der Euro-Zone gelten als anhaltende Belastung.

    Zum anderen führen die Digitalisierung des Geschäfts und die zunehmende Nutzung von Onlinebanking dazu, dass Filialen zusehends verwaisen. Auch wenn es noch keine detaillierten Zahlen für die Branche gibt – Beobachter gehen davon, dass im Zuge der Coronakrise mehr Kunden ihre Bankgeschäfte per Internet erledigen.

    Gleichwohl sind Filialschließungen vor allem für regional verwurzelte Sparkassen und Volksbanken ein Balanceakt. Denn für sie gehört die Präsenz im Geschäftsgebiet zum Selbstverständnis. Und es gibt nach wie vor einen erheblichen Teil der Kunden, die ihre Bankgeschäfte eben nicht online abwickeln und den Filialservice schätzen.

    Deshalb investieren die Geldhäuser in der Regel in die verbleibenden Geschäftsstellen. Die Hamburger Volksbank etwa will dieses und nächstes Jahr rund fünf Millionen Euro in Neubau und neue Ausstattung von Filialen stecken.

    Bei der Hamburger Volksbank – Stand vor Corona – sind zwar mit fast 75 Prozent relativ viele private Kunden für das Onlinebanking freigeschaltet. Doch nur rund 60 Prozent nutzen es auch wirklich. Bei der Hamburger Sparkasse, der größten deutschen Sparkasse, wickelt sogar nur die Hälfte der Girokonto-Kunden die Bankgeschäfte regelmäßig online ab.

    Mehr Kunden steigen auf das Onlinebanking um

    Der Druck durch die Coronakrise zeigt sich derweil keineswegs nur bei regionalen Geldhäusern. Die Commerzbank hat im September 2019 angekündigt, rund 200 ihrer 1000 Filialen zu schließen. Aktuell arbeitet das Institut jedoch an einer Nachschärfung seiner Strategie – und hat bereits angedeutet, dass dabei mehr Niederlassungen dichtgemacht werden als noch im vergangenen Jahr anvisiert. „Es ist klar, dass mehr Filialen geschlossen werden“, sagt ein Commerzbank-Insider. „Die Frage ist nur noch, wie viele.“ Dazu sei bisher noch keine Entscheidung gefallen.

    Der verschärfte Kurs des Managements ist zum einen darauf zurückzuführen, dass das Geldhaus seine Kosten auf Druck von Bankenaufsehern und Aktionären wie Cerberus noch stärker drücken muss. Zum anderen wird der Umbau jedoch auch durch die Corona-Pandemie beschleunigt. Das Kundenverhalten habe sich durch die Pandemie „stark verändert“, sagt Finanzchefin Orlopp. Und das werde auch nach Corona Bestand haben. In einer Umfrage erklärten zwei Drittel der Commerzbank-Kunden, dass sie die digitalen Kanäle auch nach der Krise stärker nutzen wollen.

    Die Nutzerzahlen bei den digitalen Angeboten der Commerzbank, die gut elf Millionen Privatkunden hat, erreichten in der Pandemie neue Höchstwerte. Derzeit verzeichnet das Institut im Monat beispielsweise 9,5 Millionen digitale Überweisungen. Das sind fast 500.000 mehr als noch im Februar. „In den letzten Wochen hat jeder dritte unserer Kunden die digitalen Kanäle intensiver genutzt als im Vorjahr“, erklärte das Institut.

    Auch Investors-Marketing-Chef Mihm beobachtet, dass sich das Verhalten der Kunden bereits ändert: Sie würden sich daran gewöhnen, Serviceanliegen und Banking rein über digitale oder telefonische Kanäle zu erledigen oder für komplexere Beratungsanfragen größere Geschäftsstellen aufzusuchen. Mihm meint daher, dass von Schließungen häufig Kleinstfilialen mit nur ein bis zwei Mitarbeitern betroffen sein werden.

    Die Sparkasse Zwickau etwa teilte vergangene Woche mit, dass sie fünf kleine Filialen nun nicht mehr öffnen wird. Dabei geht es jeweils um Geschäftsstellen mit maximal drei Mitarbeitern. Auch die Volksbank Ulm-Biberach nimmt einen Einschnitt bei ihren Filialen vor. In elf von 28 Geschäftsstellen gibt es keinen persönlichen Service mehr, Beratungsgespräche mit Termin sind aber noch möglich. Ein Volksbank-Sprecher sagt dazu, die Coronakrise habe diesen Prozess beschleunigt. Man habe dies eigentlich erst für das nächste Jahr geplant.

    Klar ist indes, dass Banken auch unabhängig von der Coronakrise ihr Filialnetz immer wieder auf den Prüfstand stellen – das gilt besonders für Minifilialen. Die Hypo-Vereinsbank hat die Zahl ihrer Geschäftsstellen bereits deutlich gesenkt, von 580 vor fünf Jahren auf zuletzt knapp 340. Sie beschloss bereits vor der Corona-Pandemie, dass 24 vor allem kleine Filialen bis Ende August wegfallen sollen.

    Auch die Deutsche Bank hatte bereits im Jahr 2016 ihr Filialnetz kräftig eingedampft. Rund 188 Filialen wurden im Rahmen des Programms Horizon geschlossen. Mit dem aktuellen Zweigstellennetz ist das größte deutsche Geldhaus zufrieden. Dennoch fallen nach wie vor immer wieder einzelne Standorte weg.

    In der Bank spricht man von der „taktischen Optimierung“ des Filialnetzes. Ein großes Schließungsprogramm soll es jedoch nicht geben. Die Erfahrungen aus den teils erfolgten Filialschließungen während der ersten Coronawelle ändern daran nichts.

    Allerdings kursieren in der Bank erste Ideen, wie man die Kosten im Privatkundengeschäft weiter senken könnte. Im Management gibt es Finanzkreisen zufolge Gedankenspiele, ob man das Filialnetz von Deutscher Bank und Postbank optimieren könnte. Es gebe Überlegungen, langfristig einzelne Standorte der Marke Postbank und Deutsche Bank zusammenzulegen.

    Denkbar seien etwa „Shop-in-Shop“-Konzepte, bei denen etwa in einem größeren Postbank-Gebäude auch eine Anlaufstelle des Private Banking der Deutschen Bank zu finden ist.

    Das Modell der Gemeinschaftsfilialen ist längst auch bei Sparkassen und Volksbanken angekommen – die eigentlich in scharfer Konkurrenz stehen. Die Frankfurter Volksbank und die Taunus Sparkasse starten sogar 26 gemeinsame Geschäftsstellen, die sie sich jeweils tageweise teilen. Auch andere Sparkassen und Genossenschaftsbanken betreiben einige wenige Filialen gemeinsam, zum Teil schon seit Jahren.

    Mehr: Verbraucher zahlen in der Coronakrise seltener mit Bargeld.

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