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Banken-Gipfel Die Finanzbranche fürchtet den Angriff der Big Techs

Etablierte Banken und selbst Newcomer wie N26 halten die globalen Tech-Konzerne für die Konkurrenten der Zukunft. Facebook sieht seine Rolle anders.
03.09.2020 - 04:27 Uhr Kommentieren
Thomas Grosse (Chief Banking Officer von N26), Marija Kolak (Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken) und Tim Sievers (CEO von Deposit Solutions) sprechen mit Handelsblatt-Redakteurin Ina Karabasz (v.l.n.r.). Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Podiumsdiskussion beim Banken-Gipfel 2020 des Handelsblatt

Thomas Grosse (Chief Banking Officer von N26), Marija Kolak (Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken) und Tim Sievers (CEO von Deposit Solutions) sprechen mit Handelsblatt-Redakteurin Ina Karabasz (v.l.n.r.).

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Frankfurt Konkurrenten oder Partner? Wenn es um das Verhältnis zwischen Banken und großen Tech-Konzernen geht, fällt eine eindeutige Abgrenzung schwer. Unternehmen wie Apple und Google sind mit ihren Bezahllösungen Apple Pay und Google Pay längst im Alltag der Bankkunden angekommen, Amazon vermittelt Kredite, und auch Facebook bietet über seine Plattform zunehmend Finanzdienstleistungen – allerdings in Kooperation mit klassischen Finanzdienstleistern.

Auch die Teilnehmer des Banken-Gipfels bewegt diese Frage. Unbestritten ist: Die Coronakrise ist ein starker Treiber für die Digitalisierung der Finanzbranche. Tino Krause, Deutschlandchef von Facebook, betonte: „Digitalisierung ist kein Wettbewerbsvorteil mehr, sondern überlebenswichtig.“ Dabei sehe sich Facebook, „klar als Partner der Banken“. „Wir reden nicht von Banken versus Big Techs“, erklärte er.

Aus Sicht vieler Geldhäuser ist die Kooperation mit Tech-Unternehmen allerdings ein Balanceakt. Sie fürchten, dass die Konzerne im Laufe der Zeit die Schnittstelle zum Kunden besetzen und die Bank selbst in den Hintergrund rückt – womöglich als reiner Produktlieferant.

Die drohende Konkurrenz der Big Techs ist nur eine von mehreren Herausforderungen für die Geldhäuser. Denn viele Banken stehen ohnehin vor der Frage, ob ihre Geschäftsmodelle stabil genug sind, um in einer langen Phase niedriger Zinsen zu bestehen. Schließlich leben die meisten klassischen Banken vor allem von den Zinserträgen – und die schmelzen angesichts der Negativzinspolitik der Notenbanken und des scharfen Wettbewerbs auf dem deutschen Bankenmarkt dahin.

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    Hinzu kommt, dass die Kreditinstitute im Zuge der Coronakrise mit Kreditausfällen rechnen müssen. Zumindest zwischenzeitlich dürften bei vielen Geldhäusern auch die Provisionsergebnisse – aus Wertpapiergeschäften wie aus dem Zahlungsverkehr – zurückgehen.

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    Aber nicht nur etablierte Banken, auch Newcomer betrachten Big Techs als „Herausforderung“, sagte Thomas Grosse, Chief Banking Officer der Berliner Smartphonebank N26. Big Techs hätten eine große Kundenanbindung und seien technologisch besser. „Da müssen Banken sehr nachholen.“ Gerade junge Kunden würden sich wünschen, dass Apps einfach zu bedienen seien. Für Banken kann es deshalb sinnvoll sein, sich erfolgreiche Strategien bei den Tech-Konzernen abzuschauen.

    Nach Ansicht von Martin Beyer, Chef des IT-Dienstleisters der Volks- und Raiffeisenbanken, Fiducia GAD, ist es wichtig, dass auch Banken „in die Welt der digitalen Ökosysteme“ eintreten. Dabei gehe es nicht darum, beispielsweise Amazon zu kopieren. „Wir müssen einen eigenen Weg finden.“ Wenn Banken eigene digitale Ökosysteme aufbauen, könnte das für Kunden laut Beyer viele Vorteile haben. „Wir haben viele Kunden, die Handwerker sind, und Kunden, die Handwerker suchen. Über ein Ökosystem können wir beide Gruppen zusammenbringen.“

    Nach Ansicht von Tim Sievers, Gründer und Geschäftsführer der Zinsplattform Deposit Solutions, kann es für manche Banken auch sinnvoll sein, kein eigenes Ökosystem aufzubauen und nicht selbst die Kundenschnittstelle zu besetzen. „Wenn Banken Produktlieferant sind und ihre Produkte bei den Big Techs ins Schaufenster stellen, können sie ihre Reichweite und ihren Vertrieb erhöhen“, sagt er. Auch dafür gibt es am Markt schon Beispiele. So bietet etwa ING seit Kurzem Kredite über Amazon an.

    Ihre Zusammenarbeit mit Tech-Konzernen müssen Banken also individuell austarieren. Ähnlich ambivalent ist auch das Verhältnis zu Finanz-Start-ups (Fintechs). In den vergangenen Jahren sind immer mehr Fintechs in Deutschland gestartet. Viele davon arbeiten als Dienstleister für Banken. „Die Zusammenarbeit mit Fintechs ist etabliert“, betonte Marija Kolak, Präsidentin der Volks- und Raiffeisenbanken. Ein Teil allerdings, darunter N26, sind eindeutig Wettbewerber.

    Gegensätzliche Probleme

    Bei der Kundenansprache prallen oft Welten aufeinander: Viele Fintechs setzen im Kundenkontakt hauptsächlich auf digitale Kanäle. Nur langsam etablieren manche von ihnen hybride Modelle, bei denen neben Chats zumindest auch Telefonate möglich sind. Filialbanken stehen vor dem umgekehrten Problem, denn sie haben die Berater vor Ort und müssen nun digitale Angebote ergänzen. Für sie stellt sich die Frage: Wollen die Kunden Bankprodukte künftig nur noch digital beziehen, oder wünschen sie weiterhin eine persönliche Beratung – und müssen sich Kunde und Berater dafür auch physisch nah sein, sich also gemeinsam in einem Raum befinden?

    Während N26 „sehr stark an digitale Bankkunden“ glaubt, gehen die Genossenschaftsbanken davon aus, dass ein Teil der Kunden weiterhin Geschäftsstellen besuchen wird. Kolak sagte, der Kunde entscheide, auf welchem Weg er mit seiner Bank agieren wolle. Allerdings sinkt die Zahl der Bankfilialen immer weiter – das gilt für Sparkassen wie auch für private und genossenschaftliche Institute.

    Es zeichnet sich bereits ab, dass die Coronakrise den Filialabbau noch beschleunigt. Viele Geldhäuser hatten nach Ausbruch der Corona-Pandemie alle oder einen großen Teil ihrer Geschäftsstellen geschlossen – und einige Banken entschieden, sie später erst gar nicht wieder zu öffnen. Zum einen wollen die Kreditinstitute so sparen, zum anderen reagieren sie darauf, dass immer mehr Kunden ihre Bankgeschäfte per Internet erledigen.

    Die deutschen Kreditinstitute haben bereits in den vergangenen Jahren zahlreiche Geschäftsstellen geschlossen. Ende 2019 gab es laut Bundesbank in Deutschland noch knapp 27.000 Bankfilialen, zehn Jahre zuvor waren es fast 12.000 mehr. Gleichwohl sind Filialschließungen vor allem für regional verwurzelte Sparkassen und Volksbanken ein Balanceakt. Denn für sie gehört die Präsenz im Geschäftsgebiet – zumindest bislang – zum Selbstverständnis.

    Nähe zum Kunden wahren

    Wenn Banken sich aus der Fläche zurückziehen, müssen sie Beyer zufolge „dafür sorgen, dass sie die Kunden nicht verlieren“. Dabei könne datengetriebene Beratung helfen. „Heute wartet der Bankmitarbeiter darauf, dass die Kunden mit einem Problem bei ihm anrufen. In einer digitalen Welt kann er ihre Daten analysieren und selbst auf die Kunden zugehen.“ Daraus ließe sich Beratung und Vertrieb ableiten.

    Beim Thema Beratung bringt Facebook sich als Partner der Banken ins Spiel: „Menschen haben weiterhin das Bedürfnis nach persönlicher Beratung, und wir können Unternehmen helfen, über Messenger-Dienste mit ihren Kunden zu interagieren“, sagte Deutschlandchef Krause. „Vor einem persönlichen Beratungsgespräch könnte ein Kunde per Messenger erste Fragen beantworten.“

    Mehr: Banken in der Coronakrise: „Das dicke Ende steht noch aus“

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