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Banken Nach den Fusionsgesprächen von Bankia und Caixabank – Hoffnung auf Konsolidierung in Europa

Der europäische Bankenmarkt kommt mit einem Deal in Italien und der Ankündigung in Spanien langsam in Bewegung. Experten hoffen auf weitere Zusammenschlüsse.
04.09.2020 - 18:11 Uhr Kommentieren
In Spanien zeichnet sich eine Lösung für das nach der Finanzkrise vom Staat gerettete Geldinstitut Bankia ab. Die Bank und die Caixabank bestätigten in der Nacht zum Freitag Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss. Quelle: dpa
Hauptsitz von Bankia in Madrid

In Spanien zeichnet sich eine Lösung für das nach der Finanzkrise vom Staat gerettete Geldinstitut Bankia ab. Die Bank und die Caixabank bestätigten in der Nacht zum Freitag Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss.

(Foto: dpa)

Madrid, Frankfurt Es ist lange bekannt, aber bislang wenig passiert: Seit Jahren fordern Finanzaufseher, aber auch Banker und Investoren eine Konsolidierung des zersplitterten und überbesetzten europäischen Bankenmarkts. Größere Institute sollen helfen, angesichts von chronischen Niedrigzinsen die Rentabilität der Geldhäuser zu verbessern. Doch große grenzüberschreitende Deals, über die viele Bankchefs bereits nachdenken, blieben bislang aus.

Immerhin auf nationaler Ebene bewegen sich die Finanzinstitute langsam. Nachdem es Ende Juli bereits in Italien einen großen Bankendeal gegeben hat, zeichnet sich jetzt in Spanien ein milliardenschwerer Bankenmerger ab: In der Nacht zum Freitag haben die dritt- und viertgrößte Bank des Landes, Caixabank und Bankia, der Börsenaufsicht mitgeteilt, dass sie eine Fusion prüfen. Eine endgültige Einigung gibt es noch nicht. In Italien hatte die größte Bank des Landes, Intesa Sanpaolo, den kleineren Konkurrenten Unione di Banche Italiane (UBI Banca) in einer feindlichen Übernahme übernommen.

In spanischen Medien heißt es, die Verwaltungsräte von Caixabank und Bankia träfen sich schon am 13. September, um über einen Zusammenschluss zu entscheiden. Die spanische Wirtschaftszeitung „Cinco Días“ schreibt, die Gespräche liefen bereits seit Juni. Ausschlaggebend, sie nun zu intensivieren, sei der Druck des spanischen Zentralbankchefs Pablo Hernández de Cos gewesen, der immer wieder Fusionen gefordert hatte.

„Es ist noch nichts beschlossen, aber die Märkte scheinen an einen Deal zu glauben“, sagt Marco Troiano, stellvertretender Leiter des Financial-Institutions-Teams der Ratingagentur Scope. Der Aktienkurs von Bankia stieg am Freitag um 33 Prozent in die Höhe, der von Caixabank um zwölf Prozent. Bankias Marktkapitalisierung stieg dadurch auf 4,2 Milliarden Euro, die von Caixabank auf 12,2 Milliarden Euro.

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    Bank-Aktien in ganz Europa steigen

    Der Deal würde einen neuen Marktführer in Spanien schaffen und könnte der Anfang von weiteren Transaktionen sein. So zumindest sehen es die Märkte: An der Börse legten alle übrigen spanischen Banktitel ebenfalls zu, besonders stark die von kleineren Instituten. Sie brauchen Zusammenschlüsse gerade in einer Krise dringender. Aber auch die Aktien europäischer Banken gewannen deutlich an Wert. Der Kurs der seit Langem als Fusionskandidat gehandelten Commerzbank stieg um mehr als neun Prozent.

    Während die Konsolidierung auf den nationalen Märkten voranzukommen scheint, verhindert die Covid-19-Pandemie nach Meinung der meisten Banker zumindest kurzfristig größere grenzüberschreitende Deals. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing sagte zwar vor ein paar Tagen auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts: „Während der Hochphase von Corona werden wir sicher noch keine Konsolidierung sehen.“ Sewing weiß aber auch, dass sich auf Dauer auch bei internationalen Fusionen etwas tun muss: „Wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen, kommen wir auf Dauer an einer Konsolidierung nicht vorbei.“

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    Diese Sicht teilen viele europäische Banker. Ein weiterer Topmanager glaubt, dass die Konsolidierung in Europa sehr schnell in Gang kommen wird, sobald die schlimmste Phase der Pandemie überwunden ist, und sich die wirtschaftlichen Schäden für die Branche verlässlich abschätzen lassen. Wenn man warte, bis sich die Lage endgültig normalisiert habe, würden auch die Bewertungen der Banken wieder deutlich anziehen und Deals damit teurer, so der Banker.

    In Spanien sieht Andrea Filtri, Analyst von Mediobanca, kein großes Risiko für den Deal mitten in der Coronakrise. Bankia sei wegen seines starken Fokus auf Hypotheken wenig von Covid-19 betroffen. „Das gibt der Caixabank wahrscheinlich das Vertrauen, jetzt einen Deal zu schließen.“ Hypotheken sind in der Regel der letzte Posten, den Verbraucher in Finanznot nicht mehr bedienen, weil sie damit ihr Dach über dem Kopf riskieren.

    Bankia ist mit einem Bilanzvolumen von rund 218 Milliarden Euro die Nummer vier in Spanien, Caixabank ist mit einer Bilanzsumme von 446 Milliarden Euro doppelt so groß. Die ersten beiden Plätze halten die Großbanken Santander und BBVA, die anders als die übrigen Institute aber ein starkes internationales Geschäft haben.

    Konsolidierung vorerst nur national

    Die fusionierte Einheit hätte ein Bilanzvolumen von rund 664 Milliarden Euro und nach Berechnungen von Analyst Filtri einen Marktanteil von 30 Prozent bei Hypotheken, 22 Prozent bei Firmenkunden und 31 Prozent bei Einlagen. Experten rechnen mit hohen Synergien, da beide Banken zahlreiche Filialen schließen könnten und dann weniger Personal benötigten. Alvaro Serrano von Morgan Stanley geht auf der Basis vorangegangener Fusionen in Spanien von Einsparungen von 50 Prozent der bisherigen Bankia-Kosten aus. Das entspräche Synergien von 900 Millionen Euro.

    Bankia-Chef José Ignacio Goiorigolzarri hatte vor einigen Wochen in einem Interview mit der spanischen Tageszeitung „El País“ erklärt: „Solange die Rentabilität dauerhaft niedrig bleibt und es keine Möglichkeiten gibt zu wachsen, bieten Fusionen einen Anreiz. Da die paneuropäischen sehr komplex sind, schaut man auf die nationalen.“

    Nach Einschätzung von Scope ist das vorerst auch die richtige Strategie. Theoretisch könnten sinnvolle internationale Deals zwar zur Diversifizierung und damit auch zur Stabilisierung von Gewinnen beitragen, praktisch seien die Argumente für internationale Übernahmen aber sehr viel schwächer als für eine nationale Konsolidierung.

    Das scheint die Europäische Zentralbank (EZB) etwas anders zu sehen. Nach der Finanzkrise galten große Banken als zu riskant, inzwischen glauben die Aufseher, dass eine echte Bankenunion in der Euro-Zone auch paneuropäische Banken braucht. Anfang dieses Jahres sagte der oberste Bankenaufseher der EZB, Andrea Enria, dann, die Fragmentierung des Bankenmarktes innerhalb der Währungsunion sei eine der „beunruhigendsten Hinterlassenschaften der Finanzkrise“.

    Enria versprach zu prüfen, ob sich einige Hindernisse für internationale Fusionen nicht beseitigen ließen. Dazu gehört zum Beispiel das Verschieben von Liquidität innerhalb einer Bank, die in verschiedenen Ländern tätig ist. Vor ein paar Wochen ermutigte EZB-Präsidentin Christine Lagarde in einem Interview zu grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen und betonte: „Wir versuchen, den regulatorischen Rahmen so zu verändern, dass er eine mögliche Konsolidierung nicht behindert.“

    In den vergangenen Jahren ist die Zahl der europäischen Banken laut einer Studie der Unternehmensberatung ZEB bereits deutlich geschrumpft – von 6127 Instituten im Jahr 2007 auf 4600 im Jahr 2018. Allerdings habe die Konsolidierungswelle vor allem kleinere Institute erfasst. Bei den Großbanken hinke Europa dagegen international hinterher. Unter den größten 20 globalen Banken finden sich laut ZEB lediglich sieben europäische Institute, von denen es nur zwei unter die Top Ten schaffen.

    Spaniens Banken sind besonders gefährdet

    Als größtes Hindernis für internationale Fusionen sehen viele Banker noch immer die europäische Kleinstaaterei. Während die USA einen stark integrierten Heimatmarkt mit fast 330 Millionen Einwohnern böten und China sogar auf 1,4 Milliarden potenzielle Kunden komme, verteilten sich in der EU etwa 510 Millionen Einwohner auf 28 Länder mit großen wirtschaftlichen und rechtlichen Unterschieden, heißt es in der ZEB-Studie. Obwohl alle europäischen Großbanken einer zentralen Aufsicht durch die EZB unterliegen, blieben die nationalen Regularien – insbesondere auf Produktebene oder beim Daten- und Verbraucherschutz – deutlich unterschiedlich.

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    „National gibt es noch immer reichlich Spielraum für eine Marktbereinigung, gerade in Italien und Spanien“, meint ein europäischer Topbanker. Vor allem in Spanien ist die Lage für die Banken schwierig. Sie haben sich vor allem auf das Privatkundengeschäft spezialisiert und leiden deshalb besonders unter den niedrigen Zinsen.

    Hinzu kommen die düsteren Konjunkturaussichten: Spanien gehört zu den Ländern, die wirtschaftlich am härtesten von der Pandemie betroffen sind. Grund dafür ist die hohe Abhängigkeit vom Tourismus. Der Arbeitsmarkt ist entsprechend sehr volatil mit vielen zeitlich befristeten Verträgen und einem hohen Anteil an Kleinunternehmen, die in einer Krise anfälliger sind als Großkonzerne.

    Spaniens Banken haben deshalb Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle in Milliardenhöhe gebildet. Der Nettogewinn von Caixabank ist dadurch im ersten Halbjahr um 67 Prozent eingebrochen, der von Bankia um 64 Prozent. Ende Juli musste selbst die spanische Großbank Santander den ersten Verlust ihrer Geschichte melden. Sie gilt als eines der robustesten Institute in Europa und hat selbst in der Finanzkrise stets Gewinne erzielt.

    Die nun geplante Fusion hat aber noch eine zusätzliche Bedeutung: Sie bietet dem spanischen Staat die Möglichkeit, den Wert seiner Anteile an Bankia zu steigern. Bankia ist in der vergangenen Finanz- und Immobilienkrise in Spanien im Jahr 2010 durch den Zusammenschluss von sieben Sparkassen entstanden.

    2012 musste das Institut mit 22,4 Milliarden gerettet werden. Madrid hält über den spanischen Bankenrettungsfonds Frob derzeit 61,8 Prozent an Bankia. Der Anteil würde bei einem reinen Aktiengeschäft nach Berechnungen von Analysten auf etwa 14 Prozent sinken. Madrid wäre nach der Fusion nicht mehr der größte Aktionär. Dominierend wäre dann die Caixa-Stiftung, die rund 30 Prozent besäße. Für den spanischen Staat dürfte das ein Vorteil sein, weil eine Minderheitsbeteiligung sich in der Zukunft besser verkaufen lässt als die bisherige Mehrheit an Bankia.

    Bislang hat der spanische Staat mit Teilverkäufen seiner Aktien sowie mit Dividenden gerade einmal gut drei Milliarden seiner 22,4 Milliarden Hilfen für Bankia zurückerhalten. Den seit Langem geplanten Verkauf seiner Anteile an der Bank hat er bereits zweimal verschoben, weil die Bankaktien in den vergangenen Jahren so niedrig bewertet waren. Vor dem Kursanstieg am Freitag waren sie rund zwei Milliarden Euro wert.
    Mehr: Banken in der Coronakrise: „Das dicke Ende steht noch aus“

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