Bankenaufsicht: EZB prüft Risikopuffer der Banken in schwierigen Zeiten
Die Bankenaufseher der Notenbank wollen wissen, wie genau Banken mit unvorhergesehenen Risiken umgehen.
Foto: dpaFrankfurt. Die Häufung unvorhersehbarer Krisenherde und ihre Folgen für die Kreditrisiken der Banken rücken zunehmend in den Fokus der Finanzaufsicht. Die EZB habe umfangreiche Informationen von mehreren Geldhäusern angefordert, wie diese Vorsorge für schwer kalkulierbare Risiken wie die Folgen des Ukrainekriegs bilden. Das erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen.
Konkret geht es um pauschale Wertberichtigungen, sogenannte Management-Overlays oder Post-Model-Adjustments. Banken nutzen diese, um Gefahren zu berücksichtigen, die durch ihre gängigen Risikomodelle nicht abgebildet werden. Diese Puffer werden also zusätzlich zur regulären Risikovorsorge gebildet.
Die EZB will von den Geldhäusern Insidern zufolge erfahren, wie gut sie diesen „freihändig“ ermittelten Vorsorgebedarf begründen können. Zum anderen möchte die EZB eine bessere Vergleichbarkeit von Banken schaffen. Wenn Institute mit ähnlichen Kreditportfolios und Risiken bei der pauschalen Vorsorge deutlich voneinander abweichen, dürfte die Finanzaufsicht das kritisch hinterfragen.
Manche Banken stellen sich drauf ein, dass die EZB anschließend neue Regeln zur Bildung von zusätzlicher Risikovorsorge erlassen könnte. Bisher hätten die Institute jedoch noch keine Rückmeldung zu ihren Angaben erhalten.
Eine EZB-Sprecherin verwies auf Anfrage auf die zu Jahresbeginn veröffentlichten Prioritäten der EZB für die Jahre 2023 bis 2025. Darin hatte die Aufsicht Untersuchungen im Hinblick auf die Risikovorsorge angedeutet, inklusive des Umgangs mit pauschalen Wertberichtigungen.
Deutsche Banken fahren unterschiedliche Strategien
Der Umgang mit Kreditrisiken treibt die EZB-Aufseher seit 2020 verstärkt um. Viele Großbanken passten damals aufgrund der Unsicherheiten in der Coronapandemie ihre Modelle zur Risikovorsorge an. Manche Institute veränderten dabei bestimmte Schwellenwerte in den Modellen. Andere lösten die Probleme über die nun untersuchten pauschalen Wertberichtigungen. Es gab aber auch Institute, die auf die Pandemie nicht reagierten, weil ihre Modelle sie nicht abbildeten.
Die EZB hatte sich sowohl über die Institute, die einfach abwarteten, als auch über Banken, die direkt in ihre Modelle eingriffen, in ihrem jährlichen Brief an die Bankenchefs irritiert gezeigt. Die Geldhäuser, die mit pauschalen Wertberichtigungen arbeiten, hatte sie aufgefordert, ihre subjektiven Annahmen möglichst gut und objektiv zu begründen.
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In Deutschland haben in den vergangenen Jahren mehrere Großbanken pauschale Risikovorsorge gebildet, weil sie das Gefühl hatten, dass die Risiken durch die Pandemie sowie durch den russischen Angriff auf die Ukraine und die Folgen mit ihren Standardmodellen nicht ausreichend abgedeckt wurden.
Bei der Commerzbank wird diese zusätzliche Vorsorge „Top-Level-Adjustments“, kurz TLA, genannt. Ende des dritten Quartals 2022 belief sie sich auf rund 500 Millionen Euro. Deutschlands zweitgrößte Privatbank hat zu Beginn der Pandemie begonnen, die zusätzliche Vorsorge aufzubauen. Nach dem Abklingen der Pandemie und dem Kriegsbeginn in der Ukraine widmete sie große Teile davon um. Die verbliebenen Mittel sind nun vor allem da, um Risiken durch den Krieg, mögliche Energieengpässe und Lieferkettenprobleme abzudecken.
Die DZ Bank ging ähnlich vor. Das genossenschaftliche Spitzeninstitut hatte Mitte 2022 laut Co-Chef Uwe Fröhlich ein Adjustment von 270 Millionen Euro gebildet. Damit habe das Institut Vorsorge für Risiken durch den Krieg in der Ukraine, Energieengpässe „und all das, was sich darum rankt, getroffen“, sagte Fröhlich.
Anders sieht die Lage bei der Deutschen Bank aus: Die größte deutsche Geschäftsbank hatte 2020 wegen möglicher Pandemiefolgen ein „Management Overlay“ in Höhe von 130 Millionen Euro gebildet, das im darauffolgenden Geschäftsjahr vollständig aufgelöst wurde. Für den Ukrainekrieg bildete das Institut Anfang 2022 eine pauschale Extra-Risikovorsorge von 83 Millionen Euro, die im dritten Quartal 2022 ebenfalls wieder aufgelöst wurde.