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Banker-Ethik-Treffen Die neue Lust, das „Richtige” zu tun

Alles über Gesetze regeln oder doch lieber auf die Moral vertrauen? Während zu viele Paragraphen als Bedrohung für das Finanzsystem angesehen werden, scheinen Banker gerade ihre Liebe zur Regulierung entdeckt zu haben.
28.09.2015 - 20:29 Uhr
Immer mehr Banker scheinen eine Regulierung des Finanzsystems zu befürworten. Quelle: Reuters
Gesinnungswandel?

Immer mehr Banker scheinen eine Regulierung des Finanzsystems zu befürworten.

(Foto: Reuters)

Frankfurt „Verzichten Menschen darauf, andere zu ermorden, weil sie Angst vor Sanktionen haben?“, fragt der Philosoph Julian Nida-Rümelin die Gäste des Ethik-Forums der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA). Die DVFA ist der Berufsverband der Finanzanalysten und Vermögensverwalter – und entsprechende Klientel hat sich im Forum versammelt. Für Nida-Rümelin lautet die Antwort nein. „Die meisten Menschen halten sich an Regeln, weil sie anständige Menschen sind“, erklärt der Philosoph. Er ist überzeugt, dass Regeln und Gesetze allein Fehlverhalten nicht verhindern können. Das habe man gerade erst bei VW gesehen.

Nida-Rümelin will es Bankern leichter machen, sich im Dschungel der Finanzmoral zurechtzufinden. Mit 14 anderen Vertretern aus Wissenschaft und Finanzwirtschaft hat er 13 Handlungsmaxime erarbeitet, von denen sie sich in ihrer Arbeit leiten lassen sollen. Damit will die DVFA Voraussetzungen schaffen, verloren gegangenes Vertrauen in die Akteure auf den Finanzmärkten wiederzugewinnen.

Die Sünden der Finanzwelt
Insiderhandel mit Hilfe von Hackern
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Wer zuerst weiß, welches Unternehmen eine Kapitalerhöhung plant und welcher CEO seine Anteilsscheine gerade verkauft, kann daraus Kapital schlagen. Eine Gruppe osteuropäischer Hacker infiltrierte zuletzt wichtige Informationsdienste, darunter Marketwired und Businesswired, und konnten so die darüber laufenden Ad-Hoc-Mitteilungen von Unternehmen zuerst zu lesen. Dabei gingen die Hacker eine Allianz mit US-Händlern ein. Mutmaßlicher Gewinn: rund 30 Millionen US-Dollar. Inzwischen ermittelt das FBI. Es ist der erste große Fall von Cyberkriminalität im Finanzsektor.

(Foto: IMAGO)
„Flash Crash”
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Am 6. Mai 2010 stand die Finanzwelt vor einem Rätsel. Innerhalb von nur wenigen Minuten verlor der sonst moderat schwankende Dow Jones Index rund 600 Punkte und damit zeitweise rund neun Prozent – ohne eine klare Ursache. Erst fünf Jahre später häuften sich die Hinweise darauf, dass es bei dem Absturz nicht mit rechten Dingen zuging. Das US-Justizministerium machte schließlich einen Schuldigen aus: Navinder Sarao, einen Händler aus einem Londoner Vorort. Dieser soll mit Hilfe eines Algorithmus die Preise von großen Verkaufsordern systematisch nach unten manipuliert haben.

Spoofing
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Beim „Spoofing” geben Händler eine große Kauf- oder Verkaufsorder ein und signalisieren so anderen Marktteilnehmern eine Änderung des Preises. Der Clou: In Wahrheit wollen sie weder kaufen noch verkaufen. Sie spekulieren lediglich darauf, dass die anderen die Preise anpassen, um sie dann für sich zu nutzen. Noch bevor ein Deal zustande kommt, wird die Order wieder gelöscht und die Betrüger nutzen die so angepassten Preise zu ihrem Vorteil. Etwa 40 Millionen Dollar Gewinn haben die Geschäfte dem „Flash Boy“ Sarao seit April 2010 eingebracht, allerdings auch eine – wenn auch kurze – Gefängnisstrafe.

(Foto: dpa)
Geldwäsche
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In diesem Jahr stand die Deutsche Bank wegen Geldwäsche in den Schlagzeilen. Händler der russischen Niederlassung des Geldinstituts sollen ihren Kunden geholfen haben, an sauberes Geld zu kommen. Dabei sollen die Kunden Wertpapiere in Rubel gekauft haben, woraufhin die Deutsche Bank sie ihnen diese wieder abkaufte – allerdings in Dollar. Die Deutsche Bank hat personelle Konsequenzen aus den Vorwürfen gezogen und die tricksenden Arbeiter suspendiert. Offen bleibt noch die Summe, welche die Bank für die Geldwäsche zahlen muss. Vorsichtshalber hat sie aber Rückstellungen in Milliardenhöhe gebildet.

(Foto: IMAGO)
Verstöße gegen Sanktionen
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Wenn sich die Politik ins Marktgeschehen einmischt, ärgern sich die Finanzakteure meist – schließlich entgehen ihnen dadurch Profite. Das gilt besonders für Sanktionen gegen vermeintliche „Schurkenstaaten” wie zum Beispiel gegen den Iran, Sudan und Kuba. Zuletzt stolperte die Commerzbank über die politischen Beschränkungen. Wegen Geschäften mit dem Iran muss sie fast 1,5 Milliarde Strafe an US-Aufsichtsbehörden zahlen. Die Rückstellungen, die sie dafür bilden muss, fraßen im ersten Quartal den Gewinn der Bank auf.

(Foto: IMAGO)
Steuerhinterziehung
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Die HSBC soll bei der Steuervermeidung geholfen haben. Das zumindest legen die im Februar 2015 im Rahmen der „Swiss-Leaks”-Affäre veröffentlichte Dokumente nahe. Demnach soll die Schweizer Tochter der britischen Großbank Waffenschiebern, Blutdiamanten-Bossen und anderen Gestalten der internationalen Unterwelt dabei geholfen haben, ihr Vermögen am Staat vorbei zu schleusen. Inzwischen hat die französische Justiz ein Strafverfahren gegen die Bank angestrengt. Die Kaution, die diese für die mögliche Strafe hinterlegen musste, betrug rund eine Milliarde Euro.

(Foto: dpa)
Auch andere helfen bei Steuervermeidung gern
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Die HSBC steht mit der Beihilfe zur Steuerhinterziehung nicht allein da: So mussten bereits die Deutsche Bank, die UBS und die Credit Suisse Strafen zahlen. Dabei zeichnete sich die Credit Suisse im besonderen Maße aus. Zwischen 2009 und 2014 stand die Schweizer Bank insgesamt drei Mal wegen Steuerhinterziehung im Fokus der Behörden. Die höchste Strafe musste die Bank Ende 2014 an US-Behörden zahlen: 2,8 Milliarden US-Dollar.

(Foto: dpa)

Das fertige Papier rät den Bankern zum Beispiel, die Unternehmensziele ihrer Arbeitgeber mit ihren eigenen Überzeugungen abzugleichen, für die von ihnen getroffenen Entscheidungen die Verantwortung zu übernehmen sowie Interessen, Bedürfnisse und Rechte Dritter anzuerkennen. Einfache Grundsätze, die vielen Bankern aber offenbar fremd zu sein scheinen: „Ich habe schon viele sagen hören: Ich habe das Gefühl, wir machen hier etwas Falsches, aber das ist eben das Spiel, das wir spielen“, berichtet Nida-Rümelin.

Die „Spiele” der Finanzwelt münden aber oftmals in Milliardenstrafen für die Institutionen, in denen sie arbeiten. Geldwäsche, Handel trotz Sanktionen, Manipulation der Interbankenindizes Libor, Tibor und Euribor – die Listen mit den Bankenskandalen der vergangenen Jahre lässt sich beinahe beliebig fortführen. Oft stehen hinter den Skandalen Einzelne. Haften muss dagegen die ganze Bank.

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    Die Schuld an solchen unethischen Haltungen gibt der Nida-Rümelin der Überregulierung des Finanzmarktes. „Wenn der Einzelne sich fühlt wie ein Rädchen im Getriebe, zerstört das die Motivation, dazu zu stehen, was er tut.“ Besonders negative Auswirkungen hätten die in der Branche üblichen Bonuszahlungen. „Je kleinteiliger man versucht zu steuern, umso wahrscheinlicher wird es, dass jemand lieber seine Boni maximiert, anstatt seinen Job anständig zu machen.“ Die Zukunft dürfe deshalb nicht aus kleinteiliger Regulierung bestehen, warnt er. „Nur wenn man sich nicht mehr vertraut, muss man alles über Regulierungen und Sanktionen festlegen.“

    „Ganz ohne Ethik geht es nicht“
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