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  5. Konto für Flüchtlinge: Sparkasse zählt fast 300.000 Konto-Neueröffnungen

BasiskontenNahezu 300.000 Girokonten: Geflüchtete aus der Ukraine gehen vor allem zu den Sparkassen

Geflüchtete aus der Ukraine erhalten leichteren Zugang zu deutschen Konten – und gehen oft zur örtlichen Sparkasse. Dennoch gibt es Beschwerden.Elisabeth Atzler 04.08.2022 - 07:00 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Geflüchtete aus der Ukraine haben mit Abstand am meisten Girokonten bei den Sparkassen eröffnet – inzwischen nahezu 300.000.

Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Frankfurt. Über die Sparkassen läuft der Großteil der Kontoeröffnungen von Geflüchteten aus der Ukraine. Per 25. Juli wurden rund 285.000 entsprechender Konten eröffnet, teilte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) auf Anfrage mit. Bei Deutscher Bank und Postbank beläuft sich die Anzahl nach eigenen Angaben auf etwa 50.000 Konten.

Andere Banken geben entweder keine Daten bekannt oder die Zahl solcher Konten ist gering. Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken, BVR, erklärte, man erfasse das nicht bundesweit. An Rückfragen der Banken vor Ort merke man aber, dass das Thema eine Rolle spiele.

Bei der Commerzbank hält sich die Nachfrage nach Konten für Geflüchtete nach eigenen Angaben „in Grenzen“. Die Onlinebank ING registriert seit März mehrere Hundert Kontoeröffnungen von Menschen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit.

Seit Kriegsausbruch wurden in Deutschland mehr als 915.000 Kriegsflüchtlinge erfasst, rund 890.000 davon Ukrainerinnen und Ukrainer. Nach jüngsten Angaben liegt der Anteil Minderjähriger bei fast 40 Prozent. Wie viele der Menschen derzeit in Deutschland leben, wird allerdings nicht festgestellt. Sie könnten inzwischen auch in andere Länder weitergereist oder in die Ukraine zurückgekehrt sein.

Ukrainische Geflüchtete dürfen in Deutschland arbeiten und erhalten Sozialleistungen. Daher brauchen sie rasch ein Konto. Dabei handelt es sich in der Regel um Basiskonten, für die Kreditinstitute oft drei bis acht Euro monatlich berechnen, teils aber auch mehr. Gerade bei den niedrigeren Monatsgebühren kosten mitunter einzelne Buchungsposten auch etwas. Einige Geldhäuser bieten oder boten die Konten vorübergehend kostenlos an.

Vereinfachte Kontoeröffnung für Geflüchtete

Beim Identitätsnachweis bei Kontoeröffnungen gab es bereits Mitte März sowie Anfang April Erleichterungen. Ukrainerinnen und Ukrainer können diesen mit dem Personalausweis erbringen, so die deutsche Finanzaufsicht Bafin.

Gemäß dem Geldwäschegesetz müssten Ukrainer zur Eröffnung eines Kontos eigentlich einen Reisepass vorlegen. Die meisten Geflüchteten haben jedoch keinen und oft auch keinen neueren Personalausweis (ID-Card).

Für Ukrainer, die weder über Reisepass noch über einen neueren Personalausweis verfügen, reichen demnach auch andere ukrainische Ausweisdokumente für ein Basiskonto. Voraussetzung dafür sei, dass zusätzlich ein Dokument einer deutschen Behörde, zum Beispiel eine Meldebescheinigung, vorgelegt werde, erklärte die Bafin. Es geht darum, dass die Kreditinstitute mit diesen Ausnahmeregelungen rechtssicher Konten eröffnen können.

Dennoch gibt es vermehrt Beschwerden mit Blick auf abgelehnte Kontoeröffnungen, wie die Bafin auf Anfrage mitteilte. Über Zahlen dazu verfügt die Behörde aber nicht.

Aus Sicht des DSGV existieren hingegen keine größeren Probleme mehr. „Für den Fall, dass Behörden Meldebescheinigungen ohne Fotos ausstellen, erfolgt ein Lichtbildabgleich anhand der ukrainischen Ausweisdokumente.“ In Zweifelsfällen könne es auch eine Kontaktaufnahme mit der örtlichen Behörde geben.

Die Sparkasse Hannover beispielsweise hat sich von den 21 Kommunen in ihrem Geschäftsgebiet bereits Anfang April gewünscht, dass die Städte und Gemeinden gleich einen provisorischen Pass mit Lichtbild ausstellen.

Dass der Großteil der Konten künftig bei den Sparkassen geführt wird, ist naheliegend. Bei den öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten wurden in den Jahren 2015 und 2016, als besonders viele Menschen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan nach Deutschland kamen, Zehntausende Konten für diese Geflüchteten eröffnet. Träger der Sparkassen sind die Kommunen.

Aktuell dürften die Zahlen weiter steigen. Die Mittelbrandenburgische Sparkasse aus Potsdam, die flächenmäßig das größte Geschäftsgebiet aller gut 360 Sparkassen hat, zählt derzeit wöchentlich 100 neue Konten für Geflüchtete.

Bisher Hrywnja im Wert von 3,6 Millionen Euro getauscht

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Auch der Umtausch der ukrainischen Währung Hrywnja findet weitgehend in Sparkassenfilialen statt. Der Bundesbank zufolge wurden seit Ende Mai insgesamt 122 Millionen Hrywnja im Gegenwert von 3,6 Millionen Euro angekauft. Allein bei den Sparkassen belief sich der Wert vor elf Tagen auf 3,1 Millionen Euro.

Im Mai war ein Umtauschprogramm gestartet, auf das sich die EU-Staaten verständigt hatten. Jeder volljährige Flüchtling aus der Ukraine kann insgesamt bis zu 10.000 Hrywnja – das sind aktuell knapp 244 Euro – bei dem Geldinstitut umtauschen, bei dem sein Konto in Deutschland geführt wird. Dies soll gebührenfrei geschehen, heißt es bei der Bundesbank. Zuvor war ein Wechseln nicht möglich – in der Vergangenheit hatte es auch kaum Nachfrage nach dem Umtausch von Hrywnja in Euro gegeben.

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