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Bilanzskandal Kanzleien reichen erste Sammelklagen gegen Wirecard in den USA ein

In den USA nehmen zwei auf Investorenklagen spezialisierte Anwälte den Zahlungsdienstleister ins Visier. Eine dritte Kanzlei könnte bald folgen.
10.07.2020 - 17:33 Uhr Kommentieren
Wirecard hatte eingeräumt, dass in der Bilanz 1,9 Milliarden Euro fehlen und wenige Tage später Insolvenz angemeldet. Quelle: AFP
Wirecard

Wirecard hatte eingeräumt, dass in der Bilanz 1,9 Milliarden Euro fehlen und wenige Tage später Insolvenz angemeldet.

(Foto: AFP)

New York, Düsseldorf Dem insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard droht jetzt auch in den USA juristischer Ärger. Zwei US-Kanzleien haben dort die ersten Sammelklagen eingereicht. Sie verlangen für Wirecard-Investoren Schadensersatz gemäß dem amerikanischen Aktienrecht. Zuerst hatte das Wirtschaftsmagazin „Capital“ darüber berichtet.

Die auf Investorenklagen spezialisierte New Yorker Kanzlei Rosen Law Firm hat am 7. Juli bei einem Gericht im US-Bundesstaat Pennsylvania Klage eingereicht, wie sie auf ihrer Internetseite bekanntgibt. Einen Tag später zog die Kanzlei Bragar Eaglel & Squire nach.

Auch die Kanzlei Robbins Geller Rudman & Dowd sucht schon nach Mandanten. Melden können sich bei den Kanzleien Anleger, die zwischen dem 17.August 2015 und dem 24. Juni 2020 Wirecard-Aktien gekauft haben.

In Deutschland hatte bereits die Kanzlei Tilp Klage gegen Wirecard, aktuelle und ehemalige Vorstandsmitglieder sowie den Wirtschaftsprüfer EY eingereicht und ein Musterverfahren beantragt. Dabei handelt es sich um eine Art Sammelklage, bei der einer im Namen von vielen klagt.

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    Die Klage der Kanzlei Rosen Law Firm in den USA richtet sich gegen Wirecard, Topmanager sowie den langjährigen Wirtschaftsprüfer EY, berichtet „Capital“. Demnach werfen die US-Anwälte in der 31-seitigen Klageschrift dem Dax-Konzern und sechs früheren und amtierenden Topmanagern um den langjährigen Vorstandschef Markus Braun wiederholte Verstöße gegen das US-Aktienrecht vor, die zu einem massiven Vermögensschaden für die Aktionäre geführt hätten.

    Sammelklagen sind in den USA immer noch ein beliebtes Mittel, um Entschädigung für Anleger zu erlangen. Dafür suchen die Kanzleien im Vorfeld nach möglichst vielen geschädigten Investoren. Einer oder eine von ihnen wird dann stellvertretend für eine ganze „Klasse“ von Anlegern stehen.

    Gericht muss Klage erst prüfen

    Die Entschädigungssumme wird später unter den Klägern aufgeteilt und die Anwälte streichen einen Prozentsatz ein, der zwischen zehn und 25 Prozent liegen kann. Je mehr Mandanten sie vertreten, umso höher ist ihr Honorar. Deshalb versuchen sie oft auch mit Werbung möglichst viele potenzielle Kläger zu erreichen.

    Rosen Law hat in einer Stellungnahme betont, dass noch keine Klasse zertifiziert sei. Das heißt, dass die Klage noch am Anfang steht und das Gericht überhaupt erst prüfen muss, ob die Sammelklage zulässig ist.

    Wie hoch die Verluste für die Anleger sind, wird lauft Capital in der Klage nicht ausgeführt. Der Schaden müsse im Rahmen eines Verfahrens vor einer Geschworenenjury ermittelt werden. Wirecard äußerte sich bislang nicht zu dem Bericht. Ein EY-Sprecher teilte gegenüber Capital mit, bei dem Unternehmen seien „keine Klagen eingegangen“. Daher könne man keine Stellungnahme abgeben.

    Mittlerweile gehen deutsche Staatsanwälte bei Wirecard dem Verdacht des Betrugs, Untreue, Bilanzfälschung, Marktmanipulation sowie Geldwäsche nach. Im Juni hatten die Abschlussprüfer von EY dem Konzern das Testat versagt, nachdem sie für Gelder über 1,9 Milliarden Euro keine Nachweise fanden. Den Wirtschaftsprüfern wird vorgeworfen, nicht schon früher Alarm geschlagen zu haben – sie prüfen die Wirecard-Bilanzen seit vielen Jahren.

    Nach einer Hochrechnung der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) könnten bis zu 250.000 Investoren vom Wirecard-Skandal betroffen sein. Nachdem die Aktie im September 2019 mit mehr als 150 Euro bewertet worden war und auch noch im Juni bei über 100 Euro notierte, stürzte sie infolge des Bilanzskandals ab. Inzwischen liegt sie bei rund zwei Euro.

    Mehr: Ex-Wirecard-Chef Braun verpflichtet mehrere Top-Anwälte.

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