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BilanzskandalWirecards ehemaliger Aufsichtsratschef Wulf Matthias ist tot

Der langjährige Chefaufseher des Skandalkonzerns verstarb Ende Oktober im Alter von 76 Jahren. Das ist auch relevant mit Blick auf den Wirecard-Prozess, der gerade begonnen hat.Michael Verfürden 09.12.2022 - 14:48 Uhr Artikel anhören

Der Ex-Credit-Suisse-Banker war zwölf Jahre lang Aufsichtsratschef von Wirecard.

Foto: Wirecard

Düsseldorf. Der ehemalige Wirecard-Aufsichtsratschef Wulf Matthias ist tot. Der langjährige Aufseher des einstigen Dax-Konzerns verstarb Ende Oktober im Alter von 76 Jahren. Das hat Matthias’ Anwalt Holger Matt aus Frankfurt dem Handelsblatt am Freitag bestätigt.

Der studierte Volks- und Betriebswirt Matthias arbeitete in der Vergangenheit für mehrere Banken, zuletzt als Vorstandsmitglied der Credit Suisse Deutschland, als Managing Director bei der Bank Sarasin und Senior Advisor für M.M. Warburg.

Bei Wirecard fing er 2008 an. Seitdem war Matthias Mitglied und Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Das Kontrollgremium bestand jahrelang nur aus ihm, dem Unternehmensberater Alfons Henseler und Stefan Klestil, dem Sohn des früheren österreichischen Bundespräsidenten Thomas Klestil. In ihre Amtszeit fällt auch der mutmaßliche Betrug bei dem Zahlungsdienstleister aus Aschheim, der letztlich zum Kollaps des Konzerns führte.

Als Wirecard zusammenbrach, war Matthias allerdings nicht mehr Aufsichtsratschef. Er hatte seinen Dienst als Vorsitzender des Gremiums schon im Januar 2020 quittiert und war fortan nur noch normales Mitglied. Offiziell hieß es, Matthias habe mit der Entscheidung auf eigenen Wunsch „einen Generationswechsel“ einleiten wollen.

Ermittler durchsuchten Haus und Büro

Es sei ihm eine besondere Ehre gewesen, „dieses außergewöhnliche Unternehmen und seine Führungsmannschaft“ begleiten zu dürfen, ließ Matthias sich damals in einer Pressemitteilung zitieren. Die Wirecard AG habe „eine in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte Deutschlands beispiellose Wachstums- und Erfolgsstory hingelegt“.

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Fünf Monate später musste der damalige Dax-Konzern zugeben, dass ein angebliches Milliardenvermögen auf den Philippinen gar nicht existierte. Wirecard meldete Insolvenz an und hinterließ einen Milliardenschaden. Die Geschäfte des Konzerns wurden ein Fall für die Staatsanwaltschaft – und damit auch die Rolle von Wulf Matthias.

Im Juni 2021 durchsuchten Ermittler sein Büro und sein Privathaus. Dabei ging es um den Verdacht der Beihilfe zur Untreue. Konkret soll Matthias jahrelang Millionenkredite an dubiose Unternehmen in Asien abgesegnet haben – darunter auch Darlehen an die Firma Senjo mit Hauptsitz in Singapur, die später in Ocap umbenannt wurde.

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Diese Kredite stehen nun auch vor Gericht im Fokus. Wirecards ehemaliger Vorstandschef Markus Braun, der frühere Chefbuchhalter Stephan von Erffa und der einstige Statthalter des Konzerns in Dubai, Oliver Bellenhaus, müssen sich seit dieser Woche vor dem Landgericht I in München verantworten.

Die Staatsanwaltschaft führt Matthias in der Anklageschrift noch als „anderweitig Verfolgten“. Der Banker war jedoch schon lange gesundheitlich stark eingeschränkt. Deshalb wurde er auch lange Zeit weder als Zeuge noch als Beschuldigter vernommen. Wulf Matthias gab zu Lebzeiten keine Erklärung zu den Vorwürfen ab.

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