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Bilanzskandal Wirecards Milliardenspiel: Das sind die wichtigsten Köpfe in Asien

Hunderte Millionen Euro wurden in den vergangenen fünf Jahren aus dem Konzern geschleust. Helfershelfer verliehen dem Konzern die nötige Solidität. 
27.11.2020 - 16:24 Uhr Kommentieren
Die südostasiatische Finanzmetropole war eine Drehscheibe des Wirecard-Reichs. Quelle: Reuters
Marina Bay in Singapur

Die südostasiatische Finanzmetropole war eine Drehscheibe des Wirecard-Reichs.

(Foto: Reuters)

Bangkok Vor dem Zusammenbruch von Wirecard flossen ungeheure Summen aus dem Konzern. Ex-Vorstand Jan Marsalek dirigierte dabei eine Gruppe von Geschäftsleuten rund um den Globus, wie Handelsblatt-Recherchen zeigen. Mutmaßliche Komplizen in Ostasien, vor allem in der philippinischen Hauptstadt Manila und der Finanzmetropole Singapur stehen bereits im Fokus von lokalen Behörden und deutschen Strafverfolgern. Drei spielten eine besondere Rolle: 

Mark Tolentino

Der Mann, den Wirecard als seinen wichtigsten Treuhänder präsentierte, sitzt Anfang November in einem kurzärmeligen, bunten Hemd vor einem Bücherregal und gibt über einen Livestream bei Facebook juristische Tipps. Seine Zuschauer wollen von dem 40 Jahre alten philippinischen Anwalt Mark Tolentino Rat zu den unterschiedlichsten Themen: Es geht um Familienstreitigkeiten, Arbeitsrecht und Schuldnerberatung. Nicht gestellt wird dem Mann aus Manila die Frage, die Ermittler in Europa und Asien besonders interessiert: Was genau wusste er von den Wirecard-Machenschaften auf den Philippinen?

Dort war Tolentino lange nur durch seine gelegentlichen Auftritte als Rechtsexperte in Radio- und Fernsehsendungen bekannt, sowie für einen ebenso kurzen wie erfolglosen Einsatz auf einem relativ unbedeutenden Posten im Kabinett von Präsident Rodrigo Duterte. Erst im Juni wurde sein Name auch in der globalen Finanzwelt geläufig – nachdem bekannt geworden war, dass er als Treuhänder für die 1,9 Milliarden Euro zuständig gewesen sein soll, die bei Wirecard plötzlich fehlten.

Tolentino, der auf Handelsblatt-Anfragen zuletzt nicht mehr reagierte, bestreitet, dass er sich in der Affäre selbst etwas zu Schulden hat kommen lassen. Er gab öffentlich zu, jene Bankkonten auf den Philippinen eröffnet zu haben, die später ins Zentrum des Skandals rückten. Gefälschte Kontoauszüge dazu wurden den Wirecard-Buchprüfern vorgelegt, um das vermeintliche Milliardenvermögen zu bestätigen.

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    Tolentino beteuerte, damit nichts zu tun zu haben. Dass die Konten, auf denen sich in Wahrheit nur sehr geringe Summen befanden, für Wirecard bestimmt waren, habe er erst nach Bekanntwerden des Skandals erfahren. Kontakt habe er in der Sache lediglich mit dem Unternehmen Citadelle aus Singapur gehabt, das ihn als Treuhänder angeworben habe, ließ er wissen.

    An Tolentinos Darstellung gibt es aber Zweifel: Medienberichten zufolge soll er Anfang März an von Jan Marsalek organisierten Treffen mit den Prüfern von EY und KPMG teilgenommen haben. Eine Antigeldwäscheeinheit auf den Philippinen listete Tolentino als eine Person, die in den Ermittlungen von Interesse ist. Der philippinische Justizminister Menardo Guevarra sagte Anfang November, dass die Behörden derzeit die Finanztransaktionen einer lokalen Anwaltskanzlei im Fall Wirecard untersuchen. Ob es sich dabei um Tolentinos Kanzlei handele, wollte er nicht kommentieren.

    R. Shanmugaratnam

    In dem schwer durchschaubaren Firmengeflecht, das in Asien mit Wirecard in Verbindung stand, tauchte sein Name immer wieder auf: Der singapurische Geschäftsmann R. Shanmugaratnam betrieb in dem südostasiatischen Finanzzentrum den Dienstleister Citadelle, der Unternehmen bei der Gründung und der Erledigung von bürokratischen Verpflichtungen unterstützte.

    Bei Wirecard war Shanmugaratnams Rolle aber offenbar noch weit größer. Das machte den 54-Jährigen zum ersten Beteiligten der Affäre, der vor Gericht kam.

    In Singapur ist Shanmugaratnam angeklagt, weil er über Jahre falsche Angaben über Wirecard-Treuhandkonten gemacht haben soll, für die er zuständig war. Die Behörden werfen ihm vor, in betrügerischer Absicht Dokumente gefälscht zu haben. Er soll mehrfach die Existenz von Guthaben in dreistelliger Millionenhöhe bescheinigt haben, obwohl es das Geld auf den Konten nicht gegeben habe, hieß es in den Anklageschriften von Singapurs Strafverfolgern. Shanmugaratnams Anwalt war auf Handelsblatt-Anfrage zu keiner Stellungnahme bereit. Ein Urteil in dem Fall steht noch aus.

    Laut dem Sonderprüfbericht von KPMG war Shanmugaratnam bis Ende vergangenen Jahres Treuhänder von Wirecard – bis das Mandat dann an Tolentino auf den Philippinen wechselte. Mit seinem vor zwei Jahrzehnten gegründeten Unternehmen Citadelle war Shanmugaratnam jahrelang eng mit Wirecard verbunden. Er arbeitete laut Dokumenten aus Singapurs Firmenregister auch mit zahlreichen Unternehmen aus dem Wirecard-Umfeld zusammen, die ebenfalls im Visier der Ermittler standen.

    Edo Kurniawan

    Edo Kurniawan ist wohl einer der wenigen, die Wirecards Geschäfte in Asien ähnlich gut kannten wie Asienchef Jan Marsalek. Doch zur Aufklärung des Skandals leistete der Indonesier, Mitte 30, bislang keinen Beitrag. Seit mehr als anderthalb Jahren gilt der frühere Wirecard-Manager, der die Buchhaltung des Konzerns im Fernen Osten verantwortete, als abgetaucht.

    Kurniawan kam bereits Anfang vergangenen Jahres in Verdacht, bei den Unregelmäßigkeiten rund um Wirecards Asiengeschäft eine Hauptrolle zu spielen. Laut Berichten der „Financial Times“ war er für fragwürdige Zahlungsvorgänge verantwortlich, hinter denen Whistleblower illegale Bilanztricks vermuteten.

    Die Berichte über Kurniawans dubiose Deals führten im Februar 2019 zu einer Polizeirazzia in der singapurischen Asienzentrale des Konzerns. Anschließend nannten die Behörden Kurniawan als einen der Hauptverdächtigen im Zusammenhang mit strafbaren Handlungen. Sichtbare Ermittlungsfortschritte gab es in dem Fall in dem südostasiatischen Stadtstaat aber bisher nicht. Medienberichten zufolge soll Kurniawan im vergangenen Jahr in Dubai gesichtet worden sein. Der aktuelle Aufenthaltsort ist unbekannt.

    Bis zu dem tiefen Fall bei Wirecard war Kurniawans Karriere ein steiler Aufstieg: Er studierte laut seinem LinkedIn-Profil in der indonesischen Provinz Zentraljava und machte dort einen Bachelor in Buchhaltung. Erste Berufserfahrungen sammelte er in der südostasiatischen Start-up-Szene, bis er im Oktober 2014 zu Wirecard kam. Dort galt er als außerordentlich strebsam und motiviert. Innerhalb von drei Jahren arbeitete er sich auf den Posten des Finanzchefs in Singapur vor und hatte direkte Kontakte in den Vorstand – unter anderem zu Jan Marsalek, von dem er Anweisungen erhielt.

    Immer wieder war Kurniawan im Einsatz, um Zweifel von Prüfern an den Wirecard-Zahlen zu zerstreuen. Lange gelang ihm das auch. Das machte ihn für Marsalek offenbar zum unverzichtbaren Gehilfen. Seine Talente wurden lange bewundert: „Edo ist ein Zahlenguru, der mehr als die reinen Ziffern sieht“, hieß es in einem Referenzschreiben eines früheren Mitarbeiters über Kurniawan. Verfasst wurde es, bevor der Wirecard-Skandal öffentlich wurde. Mit seiner Prognose lag der Kollege in dem Schreiben damals aber gründlich daneben: „Ich glaube, dass Edo in naher Zukunft ein Weltklasse-Wirtschaftsprüfer wird.“

    Mehr: Das Parallelreich des Jan Marsalek

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