Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Britische Banken Wie die Coronakrise die faulen Kredite zurückbringt

Die britischen Banken rechnen in der Rezession mit dem Schlimmsten. Ihre Milliardenrückstellungen zeigen, wie schlecht es um die heimische Wirtschaft steht.
02.08.2020 - 18:00 Uhr Kommentieren
Die britischen Banken stellen sich auf hohe Kreditausfälle in der Corona-Rezession ein. Quelle: dpa
Finanzviertel Canary Wharf

Die britischen Banken stellen sich auf hohe Kreditausfälle in der Corona-Rezession ein.

(Foto: dpa)

London Den rechtzeitigen Absprung hat Antonio Horta-Osorio verpasst. In den vergangenen Jahren wurde er für den erfolgreichen Turnaround der Lloyds Banking Group gefeiert. Die Gewinne sprudelten, die Kosten hatte er im Griff, selbst die Digitalisierung hatte die einstige Krisenbank gut gemeistert.

Diese Woche jedoch musste der Bankchef, der kürzlich seinen Rückzug für Juni 2021 angekündigt hatte, erstmals seit Langem wieder rote Zahlen melden. Im zweiten Quartal fiel ein Vorsteuerverlust von 676 Millionen Pfund an. Der Grund: die hohen Rückstellungen für erwartete Kreditausfälle.

Lloyds ist nicht allein. Auch die Konkurrenten Barclays, Natwest (die umbenannte Royal Bank of Scotland) und Santander UK erhöhten diese Woche ihre Risikovorsorge.

Rund elf Milliarden Pfund haben die vier Großbanken nun im ersten Halbjahr beiseitegelegt. Die Summen fielen teils doppelt so hoch aus wie von den Analysten erwartet.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Banken erwarten hohe Arbeitslosigkeit

    Elf Jahre nach der Finanzkrise sind die faulen Kredite zurück. Das verheißt nichts Gutes für den Zustand der britischen Konjunktur. Die Aussichten haben sich deutlich eingetrübt, wie die Annahmen der Banken zeigen. Natwest etwa richtet sich darauf ein, dass die britische Wirtschaft dieses Jahr um 14 Prozent schrumpfen wird. Die Arbeitslosenquote könnte demnach im vierten Quartal auf bis zu 9,8 Prozent ansteigen.

    Im wahrscheinlichen Szenario von Lloyds sinkt die Wirtschaftsleistung um zehn Prozent, die Immobilienpreise fallen um sechs Prozent, und die Arbeitslosenquote steigt auf 7,2 Prozent.

    Im schlimmeren Szenario würde die Arbeitslosigkeit sogar auf 12,5 Prozent zulegen. Hatte sich Bankchef Horta-Osorio zu Beginn der Pandemie noch optimistisch gezeigt, schlug er nun düstere Töne an: Die wirtschaftlichen Kosten des Lockdowns seien viel größer als noch im April erwartet.

    Grafik

    Alle Banken betonen, wie unsicher die Prognosen seien. Doch Abweichungen erwarten sie eher nach unten als nach oben. Ein stärkerer Abschwung könne die erwarteten Kreditausfälle erhöhen, warnte etwa Santander UK.

    Deshalb wird auch Europas größte Bank HSBC am Montag bei der Vorlage der Quartalszahlen Vorsicht walten lassen und hohe Rückstellungen bekannt geben. Vor drei Monaten hatte das Geldhaus gewarnt, dass die Vorsorge für faule Kredite dieses Jahr bis zu elf Milliarden Pfund betragen könne.

    Kurzarbeit in Großbritannien läuft aus

    Aus Sicht der Geldhäuser ist die Entwicklung der Arbeitslosigkeit der entscheidende Faktor, wie hart sie von der Coronakrise getroffen werden. Denn davon hängt ab, wie viele Briten ihre monatlichen Raten für Auto, Haus und Kreditkarten bedienen können.

    Bei Barclays sind die einstigen Gewinnbringer, die Privatkundensparte und das Kreditkartengeschäft, bereits in die Verlustzone gerutscht. Und in der zweiten Jahreshälfte erwartet Finanzvorstand Tushar Morzaria einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit in den Kernmärkten USA und Großbritannien. Beide Länder haben schlechtere Sicherheitsnetze als etwa Deutschland.

    Mit großer Sorge verfolgen die Banken das Auslaufen der Kurzarbeit in Großbritannien. Neun Millionen Beschäftigte werden seit Beginn der Pandemie vom Staat bezahlt, doch am Wochenende hat die Regierung begonnen, die Unterstützung zurückzufahren.

    Die Beiträge der Arbeitgeber werden nun schrittweise wieder angehoben. Ökonomen erwarten, dass viele der Kurzarbeiter entlassen werden, wenn die Belastung den Unternehmen zu hoch wird.

    Ausmaß der Krise durch Notkredite noch verdeckt

    Die erwartete Insolvenzwelle bei Unternehmen wird ebenfalls zu einem Anstieg der Kreditausfälle führen. Das Ausmaß der Krise wird durch die Notkredite der Regierung noch verdeckt. Doch im hart getroffenen britischen Gastronomie- und Freizeitsektor werden viele Firmen nicht überleben.

    Besonders Lloyds und Natwest haben allen Grund, nervös zu sein. Nach der Finanzkrise, in der sie beide verstaatlicht wurden, hatten sie ihre internationalen Ambitionen aufgegeben und sich auf den Heimatmarkt konzentriert. 

    Nun werden sie voll von der Rezession getroffen, beide meldeten im zweiten Quartal einen Verlust. Lloyds hat ein Fünftel aller britischen Hypotheken in ihren Büchern. Sollten die Immobilienpreise tatsächlich stark fallen, würde das Spuren hinterlassen.

    Barclays und HSBC hingegen können die Verluste auf dem Heimatmarkt bislang mit Gewinnen aus anderen Sparten wettmachen. So reichte bei Barclays im zweiten Quartal der Milliardengewinn der Investmentbanker, um die Gruppe insgesamt in den schwarzen Zahlen zu halten.

    Bei HSBC dürfte das Asiengeschäft, seit Langem der Gewinnbringer der Bank, erneut das Ergebnis retten. 

    Mehr: Für Europas Banken ist Gefahr im Verzug, kommentiert Michael Maisch.

    Startseite
    Mehr zu: Britische Banken - Wie die Coronakrise die faulen Kredite zurückbringt
    0 Kommentare zu "Britische Banken: Wie die Coronakrise die faulen Kredite zurückbringt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%