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Britische Großbank Verbindung von Barclays-Chef zu Sexualstraftäter Epstein überschattet gute Jahreszahlen

Barclays konnte im vergangenen Jahr Umsatz und Gewinn steigern. Doch neue Schlagzeilen über Bankchef Staley drängen das Ergebnis in den Hintergrund.
13.02.2020 - 09:41 Uhr Kommentieren
Barclays: Verbindung zu Epstein überschattet gutes Ergebnis Quelle: Bloomberg
Barclays

Der Barclays-Chef steht unter Druck seines aktivistischen Investors Edward Bramson.

(Foto: Bloomberg)

London Die britische Finanzaufsicht FCA hat eine Untersuchung gegen Barclays-Chef Jes Staley eingeleitet. Wie die britische Bank am Donnerstag mitteilte, wird Staleys Beziehung zu dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein geprüft. Die beiden Männer hatten sich 2000 in New York kennengelernt, als Staley für die US-Bank JP Morgan arbeitete.

In einem Call mit Journalisten sagte Staley am Donnerstag: „Es ist bekannt, dass ich eine berufliche Verbindung zu Epstein hatte. Er war schon Kunde bei JP Morgan, als ich zu der Bank kam. Nachdem ich JP Morgan im Jahr 2015 verlassen hatte, hatte ich noch gelegentlich Kontakt mit Epstein.“ Unter anderem war Staley 2015 zu Besuch auf dessen Yacht.

Epstein hatte einen Sexhandelsring betrieben, unter den Opfern waren auch Minderjährige. Zuletzt war Prinz Andrew wegen seiner Freundschaft zu Epstein von seinen royalen Aufgaben entbunden worden.

Als Barclays-Chef habe er sich nie mit Epstein getroffen, sagte Staley. Er habe dies alles der Bank offengelegt. Berichte, nach denen er Epstein gut gekannt habe, träfen nicht zu. Mittlerweile bereue er sehr, dass er eine Verbindung zu Epstein hatte.

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    Barclays teilte mit, der Verwaltungsrat habe weiterhin volles Vertrauen in den Vorstandschef und werde ihn auf der Hauptversammlung zur Wiederwahl empfehlen.

    Es ist nicht das erste Mal, dass Staley für Negativschlagzeilen sorgt. 2018 musste er eine Geldstrafe zahlen, weil er seine Sicherheitsleute auf einen internen Whistleblower angesetzt hatte. Der Vorgang belastete die Bank monatelang, weil unklar war, ob Staley seinen Job behalten würde.

    Wie sehr die Epstein-Affäre die Bank beschäftigen wird, ließ sich schon in der Telefonschalte mit Journalisten erkennen. Wo es sonst um Gewinne und Kosten der Bank geht, drehten sich die Fragen dieses Mal ausschließlich um Epstein. So musste Staley sich fragen lassen, warum er den Kontakt nicht abgebrochen habe, nachdem Epstein 2008 in Florida wegen sexuellen Missbrauchs einer 14-Jährigen verurteilt worden war. Staley sagte, er habe die Beziehung ab 2013 allmählich „auslaufen“ lassen.

    Eigentlich sollte es bei dem Presse-Call um die Jahreszahlen der Bank gehen, die Barclays ebenfalls am Donnerstag bekannt gegeben hat: Zum dritten Jahr in Folge konnte Staley einen höheren Gewinn vermelden. Der Vorsteuergewinn stieg im vergangenen Jahr um neun Prozent auf 6,2 Milliarden Pfund. Die Erträge wuchsen um zwei Prozent auf 21,6 Milliarden Pfund. Die Dividende wird auf neun Pence pro Aktie erhöht.

    Besonders zufrieden dürfte Staley mit der Investmentbanksparte sein. Hier stiegen die Erträge um fünf Prozent auf 10,2 Milliarden Pfund, der Vorsteuergewinn sogar um 15 Prozent auf 3,1 Milliarden Pfund. Dazu trug ein starkes viertes Quartal im Handel mit Aktien, Anleihen, Währungen und Rohstoffen bei.

    Staley begründet Festhalten an Investmentsparte mit Risiko-Streuung

    Die Bank erreichte die angestrebte Eigenkapitalrendite von neun Prozent für 2019. Staley warnte allerdings, dass es in diesem Jahr schwieriger werde, das Ziel von zehn Prozent zu erreichen. Als Grund führte er die konjunkturelle Unsicherheit und die Niedrigzinsen an.

    Das große Problem für die Profitabilität bei Barclays: Die Investmentbanksparte bindet mehr als 50 Prozent des Kapitals und erwirtschaftet darauf nur eine Eigenkapitalrendite von acht Prozent. Das britische Privatkundengeschäft hingegen liefert eine Rendite von 17,5 Prozent und das internationale Kreditkartengeschäft eine Rendite von 15,7 Prozent.

    Staley begründet sein Festhalten an der Investmentbanksparte damit, dass man Risiken streuen müsse. Sollte etwa das britische Privatkundengeschäft als Folge des Brexits leiden, könnte das globale Handelsgeschäft die Verluste zumindest teilweise ausgleichen.

    Die Anleger hatten sich zuletzt optimistisch über Staleys Strategie gezeigt. Die Aktie hat in den vergangenen sechs Monaten um rund 25 Prozent zugelegt. „Viele Anleger unterstützen Staleys Strategie der Diversifizierung“, sagt Analyst Carlo Mareels von der japanischen Bank MUFG. „Andere sehen nur, dass die Investmentbank die Eigenkapitalrendite drückt.“

    Andere europäische Banken wie die Royal Bank of Scotland oder in geringerem Maße die Deutsche Bank haben ihr globales Investmentbanking zurückgefahren. Staley jedoch glaubt weiterhin daran, dass Barclays als transatlantische Investmentbank auf Dauer mit den amerikanischen Marktführern wie JP Morgan Chase mithalten kann.

    Der Barclays-Chef steht weiterhin unter Druck seines aktivistischen Investors Edward Bramson. Der Chef des Großanlegers Sherborne Investments fordert seit langem, dass die Investmentbanksparte verkleinert wird, um die Eigenkapitalrendite der Gruppe zu verbessern.

    Bramson hatte auf der Barclays-Hauptversammlung im vergangenen Mai jedoch vergeblich versucht, einen Sitz im Verwaltungsrat zu bekommen. Die Mehrheit der Anleger stellte sich hinter Staley. Doch Bramson bleibt einer der größten Anteilseigner und beobachtet die Entwicklung genau. Sollte die Investmentbank wieder wackeln, wird er sich wieder einmischen.

    Trotz des guten Abschneidens der Investmentbank kürzt Staley daher die Boni der Banker dieses Jahr um einen zweistelligen Prozentbetrag. Das trägt dazu bei, dass die Kosten insgesamt um zwei Prozent auf 13,6 Milliarden Pfund sinken. Das Aufwand-Ertrag-Verhältnis sank ebenfalls weiter auf 63 Prozent. Das ist im europäischen Vergleich ein guter Wert.

    Noch ist unklar, wohin die Epstein-Untersuchung führt und welche Auswirkungen sie auf Staleys Zukunft haben wird. Die Bank hätte auf die neuerliche Unsicherheit jedenfalls gut verzichten können.

    Mehr: Deutschlands zweitgrößte Privatbank, die Commerzbank, muss mehr Geld für ausfallgefährdete Kredite zurücklegen. Vorstandschef Zielke gibt sich dennoch zuversichtlich.

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