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Christiana Riley im Porträt Die neue Amerikachefin der Deutschen Bank muss die Kunden beruhigen

Christiana Riley muss New York enger an Frankfurt anbinden. Doch in erster Linie muss die Vorständin versuchen, zerstrittene Parteien zu versöhnen.
05.01.2020 - 18:05 Uhr Kommentieren
Deutsche Bank: Neue Amerikachefin Riley muss Kunden beruhigen Quelle: Deutsche Bank
Christiana Riley

Die Amerikanerin hat einen der härtesten Jobs an der Wall Street.

(Foto: Deutsche Bank)

New York Es ist eine Woche vor Weihnachten in New York, doch in Christiana Rileys Terminkalender findet sich von Besinnlichkeit noch keine Spur. Am Vormittag trifft sich der Aufsichtsrat der Deutschen Bank zum letzten Mal. Dann wird sie auch ihren Vorgänger in den USA, Tom Patrick, offiziell verabschieden.

Mittags steht ein Townhall-Meeting im Auditorium auf dem Programm, bei dem sie zum Abschluss eines turbulenten Jahres die Fragen der Mitarbeiter beantwortet. Ihr Team wird sie nicht in den Weihnachtsurlaub entlassen, „bevor wir nicht einen Tag über Prioritäten für das kommende Jahr nachdenken und darüber, wie wir uns dafür aufstellen“, stellt Riley klar.

Seit Juli ist die 41-Jährige Amerikachefin der Deutschen Bank. Vorstandschef Christian Sewing entsandte sie aus der Frankfurter Zentrale an die Wall Street mit einer heiklen Mission: Die Managerin muss das angespannte Verhältnis zu den Regulierern verbessern, Kunden beruhigen, Mitarbeitern die neue Strategie vermitteln.

Es ist der größte Umbau der Deutschen Bank seit Jahrzehnten und der letzte große Versuch, die krisengeschüttelte Bank zu retten. Das Geschäft in den USA – allen voran die Investmentbank – steht dabei mit im Zentrum. Zum 1. Januar ist sie nun auch offiziell in den Vorstand eingezogen, nachdem die Bankenaufsicht grünes Licht gegeben hat. Es ist das erste Mal, dass eine Amerikachefin in das oberste Führungsgremium aufrückt.

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    Bislang gab es mit Asienchef Werner Steinmüller nur einen Regionalverantwortlichen im Vorstand. Es ist ein Symbol, wie wichtig ihre Aufgabe ist. Und es ist ein Signal an die Belegschaft in den USA, die sich dadurch aufgewertet fühlt. Sewing weiß: Wenn er die Bank erfolgreich sanieren will, müssen auch die Geschäfte an der Wall Street wieder laufen.

    Riley ist Teil einer neuen Führungsmannschaft, die Sewing in den vergangenen Monaten aufgestellt hat. Neben Riley wurde auch IT-Chef Bernd Leukert zum Vorstand bestellt, der von SAP kam. Zum 1. August wird zudem Stefan Simon, der als Chief Administrative Officer für die Rechtsabteilung und die Beziehungen zu den Aufsehern verantwortlich ist, in den Vorstand aufrücken. Der Jurist war zuvor Aufsichtsrat des Instituts.

    Hälfte des Jobabbaus ist erledigt

    Noch am 7. Juli, direkt nachdem der Aufsichtsrat der Bank verkündete, 18.000 Stellen zu streichen und sich vom Aktienhandel zu trennen, eilte Riley zum Flughafen. Es war ein Sonntag, und sie erwischte gerade noch die letzte Lufthansa-Maschine von Frankfurt nach New York. „Es ist die letzte Maschine für alle, die am Montagmorgen in Manhattan im Büro sein müssen“, sagt Riley. Und sie wollte an jenem Montag unbedingt schon vor Ort sein, als die erste Welle der Entlassungen in der US-Zentrale des Frankfurter Geldhauses begann.

    Zwar hielt sich Riley an jenem Tag noch im Hintergrund, doch sie ging durch die Flure des Bankenturms an der Wall Street und verschaffte sich einen ersten Überblick. Heute, gut fünf Monate später, hat sie einen großen Teil des unangenehmsten Teils ihrer neuen Aufgabe bereits hinter sich gebracht: Die Hälfte der Stellen, die wegfallen sollen, sind bereits gestrichen. Für den Rest hat sie bis 2022 Zeit. Wie viele Mitarbeiter insgesamt in New York ihren Arbeitsplatz verlieren, verrät sie nicht.

    Riley kennt das größte deutsche Geldhaus wie kaum ein anderer Amerikachef vor ihr. 2006 wechselte sie von McKinsey zur Deutschen Bank, war in Frankfurt zuletzt Finanzchefin der Investmentbanking-Sparte. Dort hat sie mit Sewing und anderen Führungskräften auch die Restrukturierungspläne ausgearbeitet. Da sich im Frühjahr bereits abzeichnete, dass Investmentbanking-Chef Garth Ritchie die Bank verlassen würde, vertrat Riley die Investmentbank bei den Restrukturierungsverhandlungen.

    Die Amerikanerin gilt als ideale Vermittlerin: Sie spricht fließend Deutsch, kennt die Dynamik und Entscheidungsstrukturen der Bank und kann die neue Strategie damit auch besser in den USA erklären. Und das ist dringend nötig: Schon seit Jahren vermissen die Mitarbeiter dort eine klare Strategie und Rückhalt aus Frankfurt, sind frustriert. „Aus regulatorischen Gründen musste das Team hier in den USA eine separate Holding aufbauen. Alle waren so fokussiert darauf, dass sie dabei vergessen haben, auch eine Brücke nach Frankfurt zu bauen“, sagt Riley.

    Das ist nun ihre Aufgabe. Die britische „Financial Times“ zählte Riley am Wochenende zu jenen zehn Menschen, die in diesem Jahr die Wall Street bewegen werden, neben Goldman-Sachs-Chef David Solomon und der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren, die die Finanzwelt deutlich stärker regulieren will.

    Lob vom Ex-Vorgesetzten

    Weggefährten schätzen Rileys freundliche und zupackende Art. „Sie ist eine, die auch wenn es ganz dunkel wird, das Licht sucht“, sagt der ehemalige stellvertretende Vorstandschef der Bank, Marcus Schenck, über sie. Als Ex-Chef des Investmentbankings war er fast vier Jahre ihr Chef. Im April 2018 verließ er schließlich die Bank und ist heute Partner bei der Private-Equity-Firma Perella Weinberg in München.

    Schenck erinnert sich an eine anstrengende Bergwanderung mit Kollegen aus dem Finanzbereich. Einem bekam die Höhe nicht. „Und Christiana hat gleich gesagt: Komm, den kriegen wir schon wieder nach unten.“ Die gleiche Empathie zeige Riley in ihrem Job. „Sie hat sich schnell Respekt erarbeitet, auch gegenüber manchem Kollegen, der anfangs an ihrer Kompetenz als Finanzchefin der Investmentbank gezweifelt haben mag“, so Schenck. Auch wenn sie die Jüngste ist und in der Minderheit, würde sie ihre Meinung sehr deutlich zur Sprache bringen. „Das zeichnet sie aus.“

    Die Mutter zweier Kinder ist sowohl an der Wall Street als auch in Frankfurt bestens vernetzt, auch mit anderen erfolgreichen Frauen in der Wirtschaft. Commerzbank-Vorständin Bettina Orlop kennt sie noch aus ihren Zeiten bei McKinsey und hat sie erst Anfang Dezember auf einen Kaffee getroffen. Auch mit der ehemaligen Lufthansa-Arbeitsdirektorin Bettina Volkens steht Riley im regelmäßigen Austausch. Und an der Wall Street gibt es unter anderem bei Goldman Sachs und JP Morgan eine Reihe von Frauen in Führungspositionen. „Es ist nicht einsam“, sagt Riley.

    Über ihre Rolle als Frau in einer von Männern dominierten Welt hat sie sich lange Zeit keine Gedanken gemacht. „Ich habe mich immer darauf konzentriert, meine Ziele zu erreichen und wurde entsprechend belohnt“, stellt sie klar. Wahrscheinlich ist sie deshalb geblieben, statt wie viele andere Leistungsträger das Geldhaus zu verlassen. Sie sieht sich selbst als Problemlöserin – und die Probleme ihres Arbeitgebers sind noch lange nicht gelöst.

    Ihre Karriere startete Riley im Jahr 2000 nach dem Studium an der Eliteuniversität Princeton und der London Business School als Analystin bei der New Yorker Investment-Boutique Greenhill, die sie schließlich auch nach Frankfurt schickte. Riley lernte dort Deutsch, wechselte 2004 zu McKinsey und ließ sich zwei Jahre später von der Deutschen Bank abwerben, wo sie unter anderem – wie viele ehemalige Berater – in der Strategieabteilung arbeitete.

    Aufseher müssen überzeugt werden

    Ihren Terminkalender hat Riley heute in drei große Blöcke eingeteilt: Ein Drittel ihrer Zeit ist für die Arbeit mit den Regulierungsbehörden, vor allem der US-Notenbank Fed in New York, reserviert. „Die Beziehungen zu den Regulierern zu verbessern steht an erster Stelle. Denn wenn das nicht erfolgreich ist, dann ist die Energie für andere Dinge auch verschwendet“, erklärt sie.

    Das Verhältnis der Bank zu den Aufsehern ist nach immer neuen Skandalen angespannt. Die Deutsche Bank hatte an der Wall Street eine Zeit lang den Ruf, die riskantesten Deals zu machen und die waghalsigsten Banker einzustellen. Aus der Zeit vor der Finanzkrise stammt eine Vielzahl von Problemen, die der Bank bis heute nachhängen.

    Die Einlagensicherung FDIC setzte die Frankfurter 2018 auf die Liste der Problembanken, nachdem die Fed das Geschäft mit einem schlechten Rating versehen hatte. Das Institut ist schon lange die Hausbank von Donald Trump sowie dessen Unternehmen und Familie und als solche auch im Fokus der Politik.

    Und auch der Investor und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, der sich im Sommer im Gefängnis erhängt hatte, war Kunde der Bank. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge schaut sich das US-Justizministerium nun vertieft die Rolle des Instituts im Geldwäscheskandal um die Danske Bank an. Riley will das nicht kommentieren.

    Immerhin: Im Sommer bestand das Geldhaus nach dreimaligem Scheitern zum ersten Mal den US-Bankenstresstest. Das muss in diesem Jahr wieder gelingen. „Wir müssen zeigen, dass das Ergebnis die Investitionen, die wir in unseren Kontrollsystemen gemacht haben, auch widerspiegelt“, stellt die Managerin klar. Branchenkennern zufolge begrüßen die Regulierer, dass die Bank den kapitalintensiven Aktienhandel aufgegeben hat.

    Den Stresstest in diesem Jahr erneut zu bestehen würde nicht nur Kontinuität zeigen. Es würde alle künftigen Stresstests auch deutlich einfacher machen. Die US-Notenbank lockerte Anfang 2019 die Regeln für alle Institute, die den qualitativen Teil der Prüfung zweimal in Folge bestehen, was alle großen US-Institute längst geschafft haben.

    150 Kundentermine im Jahr

    Die verbleibende Zeit reserviert Riley für Kunden und Mitarbeiter. 150 Kundentermine im Jahr stehen in ihren Zielvereinbarungen. Mark Fedorcik, der Chef die Investmentbank, liegt bei 250. Fedorcik ist wie Riley ein aufsteigender Star bei der Deutschen Bank und arbeitet schon seit Jahren eng mit ihr zusammen. „Christiana bringt frischen Wind mit“, sagt er. Das komme auch bei den Kunden gut an, auch wenn es „Zeit brauchen wird, den Ruf der Bank zu verbessern“.

    In den US-Medien hielt sich Riley bislang noch zurück. Keine Auftritte im Börsensender CNBC, keine Interviews bei Bloomberg oder dem „Wall Street Journal“, sie wollte sich zunächst Zeit für die gut 9000 Mitarbeiter nehmen. Das ist schwierig genug. Schließlich sind viele nach immer neuen Sparrunden und Chefwechseln verunsichert. Finanzkreisen zufolge steht für 2019 erneut eine Kürzung der Boni um bis zu 20 Prozent an.

    Immerhin: Die Investmentbank wird im vierten Quartal mehr Umsatz machen als im Vorjahr und soll eine höhere Rendite erwirtschaften als zunächst gedacht. Bankchef Sewing erhöhte auf dem Investoren-Tag Mitte Dezember die Renditeziele der Sparte von sechs auf sieben bis acht Prozent. Riley zufolge liegt das auch daran, dass die Bank bei der Ausarbeitung der Restrukturierungspläne etwas zu vorsichtig war.

    Wie die Kunden auf die Aufgabe des Aktienhandels reagieren würden und wer deshalb auch nicht mehr im Anleihehandel mit der Bank zusammenarbeiten würde, „war damals im Juli einfach schwierig vorherzusagen“. Der Aufwind im Investmentbanking ist ein willkommener Lichtblick. Riley weiß, dass ein Großteil der Arbeit noch vor ihr liegt. Doch die ersten Schritte sind gemacht.

    Mehr: Privatkundenchef Manfred Knof setzt sich ehrgeizige Ziele beim Personalabbau. Den Vertrieb der Deutschen Bank will er aber möglichst schonen – doch 6000 Jobs solle wegfallen.

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