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Commerzbank im Nationalsozialismus Historiker: Es gab „wenige überzeugte Nazis, aber viele Opportunisten“

Die Commerzbank wird bald 150 Jahre alt. In einer wissenschaftlichen Publikation setzt sich das Institut kritisch mit der eigenen Geschichte auseinander.
11.02.2020 - 04:00 Uhr 1 Kommentar
Beim Blick zurück drängt sich bisweilen der Eindruck auf, dass es sich bei 150 Jahren Commerzbank nicht um eine Erfolgsgeschichte handelt, sondern um eine Aneinanderreihung von Fehlentscheidungen, die dann wieder korrigiert wurden. Quelle: Reuters
Commerzbank

Beim Blick zurück drängt sich bisweilen der Eindruck auf, dass es sich bei 150 Jahren Commerzbank nicht um eine Erfolgsgeschichte handelt, sondern um eine Aneinanderreihung von Fehlentscheidungen, die dann wieder korrigiert wurden.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Dass die Commerzbank in zwei Wochen ihren 150. Geburtstag feiert, hat sie in erster Linie dem Kaffeehändler Theodor Wille zu verdanken. Von ihm ging vor anderthalb Jahrhunderten die Initiative zur Gründung der Bank aus. Der Reeder und Überseekaufmann hatte 1844 in der brasilianischen Stadt Santos die Firma „Theodor Wille & Co.“ ins Leben gerufen, die bis zum Zweiten Weltkrieg als größter brasilianischer Kaffee-Exporteur galt.

Um den anziehenden Handel in Hamburg zu unterstützen und den wachsenden Finanzierungsbedarf der Wirtschaft zu befriedigen, gründete Wille in der Hansestadt 1870 zusammen mit anderen Kaufleuten und Privatbankiers die „Commerz- und Disconto-Bank“.

In den ersten Jahrzehnten entwickelte sich das Institut gut und baute seinen Aktionsradius Schritt für Schritt aus. Wichtig war besonders der Kauf der Berliner Bank 1905, durch die sich das Institut am Berliner Finanzmarkt etablierte.

Wenn man sich die Bilanz der Commerzbank ab 1930 ansieht, stechen jedoch vor allem negative Ereignisse hervor. Zweimal wurde die Bank in Friedenszeiten vom Staat gerettet, 1932 und 2018. Zudem verhob sich das Institut mehrmals mit Expansionsplänen, machte dann eine Kehrtwende und konzentrierte sich schließlich wieder auf das Kerngeschäft mit dem Mittelstand.

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    Bisweilen drängt sich deshalb der Eindruck auf, dass es sich bei 150 Jahren Commerzbank nicht um eine Erfolgsgeschichte handelt, sondern um eine Aneinanderreihung von Fehlentscheidungen, die dann wieder korrigiert wurden.

    Detlef Krause ist als Historiker bei der Einordnung weniger streng. „Dass es die Commerzbank nach 150 Jahren noch gibt, ist per se eine Erfolgsgeschichte“, sagt der Leiter des historischen Archivs der Commerzbank. Im Schnitt würden Firmen nur zehn Jahre alt. „Wir sind also schon 15 Mal besser als der Durchschnitt.“

    Außerdem habe die Bank schwere Zeiten überlebt: den Börsencrash 1873, die Bankenkrise 1931, den Zweiten Weltkrieg, die Krise durch falsch eingeschätzte Zinsrisiken 1980 und die Finanzkrise 2008.

    „Bereitwillige Mitläuferin“

    Krause sieht zwei rote Fäden, die sich durch die Geschichte der Commerzbank ziehen: der Fokus auf den Mittelstand sowie die Internationalität. Beides hängt aus Sicht des Historikers mit dem Gründungsort Hamburg zusammen. Dort gab es 1870 kaum Großunternehmen, sondern vor allem Mittelständler. Und die Finanzierung des Handels mit anderen Ländern war eine der zentralen Aufgaben des neu gegründeten Instituts.

    Zum 150. Geburtstag will die Commerzbank eine wissenschaftliche Publikation veröffentlichen, in der drei Historiker die Geschichte des Instituts kritisch untersucht haben. „Dazu gehört es auch, die Rolle der Commerzbank im Nationalsozialismus zu beleuchten“, sagt Krause.

    Mehrere Wissenschaftler haben sich mit dem Thema bereits beschäftigt. Einer habe die Verstrickung der Commerzbank in das nationalsozialistische System als „mitteltief“ bezeichnet, erklärt Krause. Ein anderer sah in der Bank eine „bereitwillige Mitläuferin“. „Daneben gab es in der Commerzbank wohl wenige überzeugte Nazis, aber sicherlich viele Opportunisten“, sagt der Historiker.

    Beim Umgang mit dem NS-Regime hätten Ideologie und politische Überzeugungen für die Commerzbank keine wesentliche Rolle gespielt, sagt Krause. „Es ging vor allem um betriebswirtschaftliche Überlegungen.“ Bei der Expansion ins Sudetenland und nach Österreich sei die Bank etwa zunächst vorsichtiger vorgegangen als andere Institute. „Erst als sie merkte, dass ihr die Märkte davonlaufen und die Konkurrenz immer mehr Geschäft macht, hat sie einen aggressiveren Expansionskurs eingeschlagen.“

    Mehr: EZB-Bankenaufsicht kritisiert Commerzbank mit deutlichen Worten

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    1 Kommentar zu "Commerzbank im Nationalsozialismus: Historiker: Es gab „wenige überzeugte Nazis, aber viele Opportunisten“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ja, es gibt immer mehr Opportunisten als Ideologen - egal in welchem Umfeld. Das galt insbesondere auch fuer
      Oesterreich, wo es prozentual mehr PGs als in D gab und fuer die DDR.

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