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Corona und die Banken Deutsche Bank denkt über Kurzarbeit nach

Die Deutsche Bank prüft wegen der Coronakrise die Möglichkeit zur Kurzarbeit. Auch einzelne Volks- und Raiffeisenbanken ziehen diesen Schritt in Betracht.
26.03.2020 - 16:00 Uhr Kommentieren
Angesichts der Coronakrise denkt die Deutsche Bank über mögliche Kursarbeit nach. Quelle: Bloomberg
Deutsche Bank

Angesichts der Coronakrise denkt die Deutsche Bank über mögliche Kursarbeit nach.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt In der schlimmsten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten denken auch die deutschen Geldhäuser über Kurzarbeit nach. Bei der Deutschen Bank werde geprüft, ob und wo diese Maßnahme sinnvoll sein könne, erklärte das größte deutsche Geldhaus am Donnerstag gegenüber Reuters.

„Auf der operativen Ebene bereitet die Bank sich für solche Szenarien vor.“ Stand heute gebe es aber keine Kurzarbeit innerhalb des Instituts.

Auch einzelne Volks- und Raiffeisenbanken ziehen die Anmeldung von Kurzarbeitergeld in Betracht. „Dort, wo es sich nicht vermeiden lässt, gehen Genossenschaftsbanken diesen Schritt, um Arbeitsplätze zu erhalten“, sagte eine Sprecherin des Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR).

Für die Bankenbranche wäre der Schritt ein Novum. „Kurzarbeit ist für Banken etwas völlig Neues und Unbekanntes. Mir sind jedenfalls in meiner 35-jährigen Berufserfahrung keine Fälle bekannt“, sagte Stephan Szukalski, Bundesvorsitzender der Bankgewerkschaft DBV.

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    Kurzarbeit wird in der Regel von Unternehmen wie Autoherstellern oder Maschinenbauern genutzt, um einen wirtschaftlichen Abschwung zu überstehen, ohne Mitarbeiter gleich entlassen zu müssen. Die Bundesregierung hat die Möglichkeiten für Kurzarbeit wegen der Corona-Krise kürzlich ausgeweitet.

    „Wir wissen von einer Reihe von Volks- und Raiffeisenbanken, die bereits Kurzarbeitsanträge gestellt haben“, sagte Szukalski. „Viele weitere – sowie die meisten Großbanken – so jedenfalls unsere Einschätzung werden spätestens im Laufe der nächsten Woche nachziehen.“

    Der Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes erklärte, bislang gebe es nach seinen Kenntnissen noch keine Kurzarbeit bei den deutschen Banken. „Selbstverständlich müssen sich die Unternehmen darauf vorbereiten, dass in bestimmten Bereichen auch Kurzarbeit notwendig werden könnte“, sagte ein Sprecher

    Bankenexperte Jan Duschek von der Gewerkschaft Verdi erläuterte, die Schließung von Filialen in Folge der Corona-Krise sei keine Voraussetzung für die Beantragung von Kurzarbeit. Es gebe schon in den Tarifverträgen sowie in innerbetrieblichen Regelungen Möglichkeiten, um Schwankungen von Arbeitsvolumen zu managen und Beschäftigung zu sichern.

    Insidern zufolge geht es bei möglichen Zwangsurlauben bei den Banken nicht um zehntausende Mitarbeiter wie etwa bei Volkswagen, Fraport oder Lufthansa. Betroffen seien auch nur vereinzelte Bereiche der Institute im Privatkundengeschäft wie etwa Sachbearbeitung, Marketing oder in den Filialen.

    „Bisher ist Kurzarbeit rein hypothetisch, aber sollte der Druck durch die Corona-Krise noch länger anhalten, will man vorbereitet sein“, sagte eine mit der Sache vertraute Person. So würden etwa intern Betriebsvereinbarungen geändert oder angepasst, um im Notfall schnell reagieren zu können.

    Die Deutsche Bank und die Commerzbank stecken beide derzeit mitten im Konzernumbau und streichen tausende Arbeitsplätze. Das kostet sie viel Geld, alleine die Deutsche Bank hat dafür mehr als sieben Milliarden Euro veranschlagt.

    Bleiben nun wegen der Corona-Krise noch längere Zeit Filialen geschlossen oder liegt das Geschäft in manchen Bereichen brach, erhöht das den Druck auf die Kosten noch mehr. Mit Kurzarbeiterregelungen können Kosten gespart werden, da die Bundesagentur für Arbeit 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns übernimmt.

    Die Situation für die deutschen Geschäftsbanken ist zur Zeit zwiegespalten. Zum einen laufen in den Firmenkundenabteilungen die Drähte heiß, weil tausende Unternehmen wegen der Corona-Krise KfW-Hilfskredite über ihre Hausbanken beantragen.

    Viele Mitarbeiter machten deswegen Überstunden, hieß es in Kreisen der Gewerkschaften. „Wir sehen einen riesigen Beratungsbedarf unser Kunden. Daher stellt sich die Frage nach Kurzarbeit aktuell nicht“, sagte Commerzbank-Privatkundenchef Michael Mandel der Nachrichtenagentur Reuters. Zum anderen werden immer mehr Filialen geschlossen, weil die Menschen nicht mehr aus den Häusern gehen oder Mitarbeiter bei den Banken an dem Virus erkrankt sind.

    Die UniCredit-Tochter HypovereinsBank (HVB) hat inzwischen nur noch rund 30 Prozent ihrer deutschlandweit 337 Filialen offen. Dennoch seien alle Mitarbeiter in vollem Einsatz für die Kunden. „Kurzarbeit ist für uns kein Thema“, sagte eine Sprecherin.

    Die Deutsche Bank schloss vergangene Woche mehr als 200 ihrer gut 500 Standorte, plant darüber hinaus derzeit keine weiteren Schließungen. Auch die Commerzbank dünnte ihr Filialnetz um rund 160 Niederlassungen aus. Die Mitarbeiter beraten verstärkt über Telefon- oder Videogespräche. Selbstbedienungszonen bei den Banken sind weiterhin geöffnet.

    Mehr: Die Ratingagentur Moody’s fürchtet wegen der Coronakrise Schäden für das europäische Finanzsystem. Trotz Hilfsprogrammen werde sich das Umfeld deutlich verschlechtern.

    • rtr
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