Coronakrise Deutsche Bank diskutiert einen Bonusverzicht des Vorstands für 2020

Bereits für das abgelaufene Geschäftsjahr hatte der Vorstand um den Vorsitzenden Christian Sewing auf einen Teil seiner variablen Vergütung verzichtet.
Frankfurt Die Deutsche Bank diskutiert intern darüber, ob der Vorstand angesichts der Coronakrise für das Geschäftsjahr 2020 auf einen Bonus verzichten soll. „Das Thema wird diskutiert“, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der Bank.
Das Institut sei sich der Gesamtlage in Wirtschaft und Politik bewusst. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, hieß es. Die Bonus-Debatte werde unabhängig von den Appellen der Bankenaufseher geführt. Ein Sprecher der Bank wollte sich auf Anfrage zu dem Thema nicht äußern.
Die Diskussion bezieht sich auf die variable Vergütung für das Geschäftsjahr 2020 und nicht auf die bereits beschlossenen Boni für das Jahr 2019. Für das abgelaufene Geschäftsjahr hatte der Vorstand auf den individuellen Teil seiner variablen Vergütung verzichtet, wodurch sich die variable Vergütung der Top-Manager halbiert hatte. Sollte sich der Deutsche-Bank-Vorstand dafür entscheiden, wegen der Corona-Pandemie und ihrer wirtschaftlichen Folgen auf die Boni zu verzichten, müsste das vom Vorstand und auch vom Aufsichtsrat formell beschlossen werden.
Erste Großbanken haben sich bereits für Einschnitte beim Gehalt entschieden: Das spanische Institut Santander hatte bereits vor einer Woche angekündigt, dass Verwaltungsratschefin Ana Botín und Vorstandschef José Antonio Álvarez auf die Hälfte ihres gesamten Gehalts, also Fixgehalt und Bonus, verzichten wollen. Am Dienstag erklärten auch die italienische Großbank Unicredit und die spanische Großbank BBVA, dass ihre Vorstände auf ihre Boni verzichten würden.
Die Verzichtserklärung bei Unicredit umfasst nur das achtköpfige Top-Management der Muttergesellschaft in Italien. Der Vorstand der Deutschland-Tochter HypoVereinsbank ist davon nicht betroffen, wie das Institut auf Anfrage mitteilte.
In den vergangenen Tagen hatten Bankenaufseher zunehmend Druck auf die Branche ausgeübt, nicht nur bei der Dividende, sondern auch bei der variablen Vergütung Maß zu halten. „Die zuständigen Aufsichtsbehörden sollten die Banken dazu auffordern, ihre Vergütungspolitik zu überprüfen“, hatte etwa die Europäische Bankenaufsicht Eba am Dienstagabend mitgeteilt.
Die Bankenaufseher sollten sicherstellen, dass diese die aktuelle ökonomische Lage reflektierten. „Die Vergütung und, ganz besonders, ihr variabler Anteil, sollten auf einem konservativen Niveau festgelegt werden“, so die Eba.
Mehr: Eba fordert Banken zu Sparsamkeit bei Boni und Dividenden auf.
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