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Deutsche Bank Der lange Abschied von der Krise

Die Deutsche Bank verdient wieder Geld. Aber das reicht nicht, um die Investoren des größten deutschen Geldhauses zu überzeugen. Die Wachstumsschwäche des Finanzkonzerns wird die Hauptversammlung überschatten.
27.04.2017 - 17:15 Uhr Kommentieren
Die Ergebnisse des Bankhauses enttäuschten die Analysten. Vor allem die Einnahmeseite zeigt Schwächen. Quelle: dpa
Gebäude der Deutschen Bank

Die Ergebnisse des Bankhauses enttäuschten die Analysten. Vor allem die Einnahmeseite zeigt Schwächen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Es ist eine klar definierte Aufgabe, die die wichtigsten Aktionäre dem Chef der Deutschen Bank ins Pflichtenheft geschrieben haben: John Cryan muss vom Krisenmodus so schnell wie möglich wieder auf Wachstum umschalten. Die ersten Erfolgsmeldungen erwarteten die mächtigen Anteilseigner des Hauses schon für die ersten drei Monate dieses Jahres. Doch trotz erster Hoffnungszeichen überwog am Ende die Enttäuschung. Damit wird der Druck auf Cryan und seinen Aufsichtsratschef Paul Achleitner wenige Wochen vor der Hauptversammlung am 18. Mai nicht geringer. „Die schwache Profitabilität wird eines der großen Themen auf dem Aktionärstreffen werden“, heißt es bei einem einflussreichen Investor.

Für den Großaktionär liegt der Grund für die Wachstumsschwäche auf der Hand: Cryan und sein Vorstandsteam müssen zwei Ziele gleichzeitig verfolgen, die sich nur schwer vereinbaren lassen: Auf der einen Seite müsse die Bank verlorene Marktanteile wieder zurückholen und in Wachstum verwandeln. Auf der anderen Seite gelte es aber auch, den schmerzhaften Sanierungskurs weiter fortzusetzen. Ein heikler Balanceakt, der schnell aus dem Gleichgewicht geraten könne.

Dabei sehen die Zahlen für das erste Quartal 2017 auf den ersten Blick durchaus erfreulich aus. Unter dem Strich steht ein Gewinn von 571 Millionen Euro – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum und mehr als von den Analysten erwartet. Aber Cryan weiß selbst, dass das noch nicht der Befreiungsschlag war: „Wir haben einen Vorsteuergewinn von 878 Millionen Euro verbucht. Das ist zwar mehr als eineinhalbmal so viel wie im schwierigen Auftaktquartal 2016. Doch das kann auf Dauer nicht unser Anspruch sein“, schrieb der Brite an die Mitarbeiter. Es sei zwar ein gutes Zeichen, dass die Kunden nach der jüngsten acht Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung wieder Vertrauen in die Bank fassten. Klar sei aber auch: „Wir wollen und können uns steigern.“

Dass die Bank mehr bieten muss, sehen auch die Investoren so. So verlor die Aktie am Donnerstag knapp drei Prozent an Wert. Woran das liegt, bringt Analyst Kian Abouhossein von JP Morgan auf den Punkt: „Die Ergebnisse sind wegen der Schwäche auf der Einnahmeseite eine Enttäuschung.“ „Die Erträge lagen neun Prozent unter den Erwartungen“, monieren auch die Experten der Berenberg Bank.

Tatsächlich waren für das Gewinnplus vor allem die Sparanstrengungen verantwortlich. Die zinsunabhängigen Kosten sanken im ersten Quartal deutlich um zwölf Prozent. Dafür erntet das Geldhaus auch einhelliges Lob. Doch gleichzeitig schrumpften die Erträge um neun Prozent auf 7,3 Milliarden Euro. Analysten hatten im Durchschnitt auf acht Milliarden Euro gehofft.

Eine schlechte Nachricht, denn für die Aktionäre lautete die Gretchenfrage: Gelingt es dem Institut nach den schweren Turbulenzen im vergangenen Oktober, als eine drohende Milliardenstrafe aus den USA Zweifel an der Stabilität der Bank aufkommen ließ, wieder Fuß zu fassen? Schließlich hatte das Misstrauen die Kunden dazu gebracht, Milliarden abzuziehen und auf Geschäfte mit dem Institut zu verzichten.

Der Schwung fehlt

Das Kundengeschäft laufe sehr erfreulich, alle Bereiche der Bank verzeichneten Zuflüsse, betonte Vorstandschef Cryan. Doch das Fazit von NordLB-Analyst Michael Seufert fällt nach den ersten drei Monaten deutlich kritischer aus: „In allen Geschäftsfeldern spielt man nur noch die zweite Geige, da zum Beispiel die amerikanischen Banken im Investmentbanking oder die Schweizer Institute in der Vermögensverwaltung die Schwäche der Deutschen Bank genutzt haben und den Abstand deutlich ausgebaut haben.“

Die Bank selbst führt das Einnahme-Minus zwar maßgeblich auf Bewertungseffekte zurück. Doch auch im Kerngeschäft zeigt sich, dass das Momentum fehlt. So ging das Vorsteuerergebnis in der Handelssparte, der Paradedisziplin der Bank, von 395 Millionen Euro auf 240 Millionen zurück, weil der Aktienhandel schwächelte. Besser lief es im Anleihehandel, traditionell der wichtigste Ertragsbringer. Hier konnte die Deutsche Bank elf Prozent mehr verdienen als im Vorjahr. Doch viele der wichtigsten US-Konkurrenten sind in diesem Bereich deutlich dynamischer gewachsen und konnten das erste Quartal nach Berechnungen des Informationsdienstes Bloomberg im Schnitt mit einem Plus von über 20 Prozent abschließen. „Das könnte der Markt so interpretieren, dass die Deutsche Bank weiter Marktanteile verloren hat“, warnt Philipp Hässler von der Equinet Bank.

In der Investmentbank, in der das Beratungs-, Emissions- und Finanzierungsgeschäft gebündelt ist, verdiente die Deutsche Bank dagegen mit 462 Millionen Euro nach 313 Millionen im Vorjahr deutlich besser. Vor anderthalb Jahren hatte Cryan das Investmentbanking und den Handel entflochten, um die Transparenz zu verbessern. Jetzt sollen beide Sparten im Rahmen der neuen Strategie wieder vereint werden.

Zurück in die Zukunft heißt es auch im Privatkundengeschäft. Die bis vor kurzem noch zum Verkauf stehende Tochter Postbank soll jetzt stattdessen voll in den Mutterkonzern integriert werden. Mitarbeiter befürchten, dass das noch einmal Tausende von Stellen kosten wird.

Im ersten Quartal verdiente die Postbank mit 81 Millionen Euro vor Steuern 41 Prozent weniger als vor einem Jahr. Im Privatkundengeschäft der Deutschen Bank zog der Gewinn dagegen deutlich von 63 auf 320 Millionen Euro an. Auch in der Vermögensverwaltung, die nach Möglichkeit noch in diesem Jahr an die Börse soll, zog der Vorsteuergewinn um 19 Prozent auf 181 Millionen Euro an. Kunden vertrauten der Sparte netto fünf Milliarden Euro neu an.

Hoffen auf den Neuanfang

Trotz der Kritik von Analysten und Investoren rät Vorstandschef Cryan in seinem Brief den Mitarbeitern, sich auf die Erfolge zu konzentrieren, und davon gibt es tatsächlich einige. So kommt die Bank bei der Abarbeitung der gefährlichsten Rechtsrisiken voran. Nach wichtigen Vergleichen im US-Hypothekenstreit und im Geldwäscheskandal in Russland summieren sich die Rückstellungen für Altlasten nun noch auf 3,2 Milliarden Euro – mit stabilem Ausblick.

Bei den Mitarbeitern scheint sich die Stimmung nach dem Schock des vergangenen Herbstes ebenfalls zu bessern: „Peu à peu berichten Kollegen, dass wir wieder Kunden zurückgewinnen. Man nimmt die Kapitalerhöhung und die Zahlen als Hoffnungsschimmer wahr, dass der Neubeginn gelingen könnte“, erzählt ein altgedienter Deutschbanker.

Skeptische Anleger
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