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Deutsche Bank Fondsmanagerin: „Der Vorstand fährt in der 1. Klasse im ICE davon, die Aktionäre bleiben am Bahnsteig zurück“

Alexandra Annecke von Union Investment kritisiert im Interview die hohe Managervergütung bei der Deutschen Bank. Für eine Fusion ist es aus ihrer Sicht zu früh.
21.05.2021 - 10:00 Uhr 1 Kommentar
Die für die Analyse europäischer Banken zuständige Fondsmanagerin der Union Investment hat Zweifel bezüglich der ab 2022 geplanten Kapitalrückgabe der Deutschen Bank an die Aktionäre. Quelle: Union Investment
Alexandra Annecke

Die für die Analyse europäischer Banken zuständige Fondsmanagerin der Union Investment hat Zweifel bezüglich der ab 2022 geplanten Kapitalrückgabe der Deutschen Bank an die Aktionäre.

(Foto: Union Investment)

Frankfurt Die Deutsche Bank ist unter der Führung von Vorstandschef Christian Sewing stabiler und wettbewerbsfähiger geworden, lobt die für die Analyse europäischer Banken zuständige Fondsmanagerin bei Union Investment, Alexandra Annecke. In der Pandemie hat sich das Institut gut geschlagen. „Es gibt nicht nur ein eklatantes Missverhältnis zwischen Boni und Dividenden, das wir seit Jahren kritisieren. Auch der Vorstand der Deutschen Bank wird im Vergleich zu anderen europäischen Banken überdurchschnittlich entlohnt“, kritisiert sie.

Dass die Bank an ihren Renditezielen für das kommende Jahr trotz des ungünstigen Umfelds festhält, hat aus ihrer Sicht Signalwirkung. Sie ist allerdings skeptisch, ob die Bank tatsächlich ab 2022 zügig Kapital in Höhe von fünf Milliarden Euro zurückgeben wird. Mit einer Fusion sollte das Institut aus ihrer Sicht eher noch warten, bis der Aktienkurs gestiegen ist.

Lesen Sie hier das vollständige Interview:

Frau Annecke, wie zufrieden waren Sie mit der Deutschen Bank im vergangenen Jahr auf einer Skala von 1 („mies“) bis 10 („supergut“)?
Ich würde der Deutschen Bank sieben Punkte geben. Ihre Kosten scheint die Bank im Griff zu haben, auch die Risikovorsorge ist angesichts der Pandemie vergleichsweise moderat geblieben. Und es hat sich bezahlt gemacht, dass das Institut als Universalbank aufgestellt ist und über ein vergleichsweise starkes Kapitalmarktgeschäft verfügt.

Woran machen Sie fest, dass die Bank gute Arbeit geleistet hat?
Die aussagekräftigste Kennziffer ist für mich im Zeitverlauf das materielle Nettovermögen pro Aktie. Es entspricht dem um immaterielle Bilanzposten und andere Faktoren bereinigten Eigenkapital der Bank, also der Substanz des Unternehmens aus Aktionärssicht. Diese Kennziffer war seit 2012 gesunken, hat sich aber im vergangenen Jahr stabilisiert und ist im ersten Quartal sogar wieder etwas gestiegen.

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    Dass die Bank mittlerweile wieder vergleichsweise abhängig vom Investmentbanking ist, stört Sie gar nicht?
    Es ist klar, dass die Sonderkonjunktur im Kapitalmarktgeschäft nicht ewig andauern wird. Insofern wird sich die Unwucht zwischen stabilen und volatilen Sparten auch wieder verringern. Aber das Privat- und Firmenkundengeschäft ist wegen des aktuellen Zins- und Konjunkturumfelds nun einmal weniger profitabel als erhofft. Insofern waren die Einnahmen der Investmentbank auch ein Segen. Dadurch hat die Bank die durch die Pandemie ausgelöste Rezession relativ gut weggesteckt.

    Trauen Sie der Bank nun auch zu, ihre für 2022 angepeilten Ziele wie etwa acht Prozent Rendite auf das materielle Eigenkapital zu erreichen?
    Ich halte die Ziele für sehr ambitioniert. Aber ich habe großen Respekt davor, dass der Vorstand trotz des ungünstigen Umfelds daran festhält. Das hat Signalwirkung. Skeptisch bin ich allerdings, ob die Bank es schafft, den Aktionären ab 2022 relativ zügig Kapital in Höhe von fünf Milliarden Euro zurückzugeben.

    Es kommt selten vor, dass Aktionäre die Deutsche Bank so loben.
    Wir haben auch Kritikpunkte. Andere Banken wollen ihren Aktionären schon heute Kapital in nennenswerter Höhe zurückgeben. Aber wenn man bedenkt, wie angezählt die Deutsche Bank vor wenigen Jahren noch war, dann steht sie heute deutlich normaler, stabiler und wettbewerbsfähiger da.

    Bei der Aareal Bank lehnten die Aktionäre gerade die üppige Vergütung des Vorstands ab. Warum sind die Aktionäre bei der Deutschen Bank so zahm?
    Da sprechen Sie einen wichtigen Punkt an. Es gibt nicht nur ein eklatantes Missverhältnis zwischen Boni und Dividenden, das wir seit Jahren kritisieren. Auch der Vorstand der Deutschen Bank wird im Vergleich zu anderen europäischen Banken überdurchschnittlich entlohnt, während die Profitabilität unterdurchschnittlich ist.

    Die Aktionäre stimmen auf der Hauptversammlung nur über das Vergütungssystem, also die Leitplanken der Vorstandsvergütung, ab. Der Aufsichtsrat müsste dafür sorgen, dass die Höhe der Vergütung in einem angemessenen Verhältnis zur Wertschaffung für die Aktionäre steht. So ist es aber, als ob der Vorstand in der 1. Klasse im ICE davonfährt, während die Aktionäre am Bahnsteig zurückbleiben.

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    Mit robusten internen Kontrollsystemen tut sich das Institut aber noch immer schwer, wie die jüngste Kritik der Bafin an der Geldwäscheprävention des Instituts zeigt.
    Das ist eine große Enttäuschung. Hier muss die Bank ihre Altlasten endlich bewältigen.

    Die Aktionäre sollen der Wahl von EY als Wirtschaftsprüfer zustimmen trotz der Rolle EYs im Wirecard-Skandal. Werden Sie dem folgen?
    Wir sehen die Bestellung von EY kritisch, werden aber dennoch zustimmen. Es wäre in der Praxis zu komplex, so kurzfristig den Wirtschaftsprüfer zu wechseln.

    Eigentlich soll Paul Achleitner 2022 aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank ausscheiden. Seine Nachfolge ist aber bislang nicht offiziell geklärt. Ein Defizit?
    Wir wünschen uns eine zeitnahe Nachfolgeregelung, damit eine ausreichende Einarbeitung gewährleistet ist. Aus unserer Sicht braucht es einen Nachfolger mit umfassender Banken- und Kapitalmarktexpertise.

    Ist die Stabilisierung der Bank schon wieder weit genug für eine Konsolidierung fortgeschritten?
    Dazu ist es aus unserer Sicht noch etwas zu früh. Die Aufräumarbeiten in der Bank und der Transformationsprozess sollten weiter gediehen sein, auch weil sie viel Managementkapazität binden. Zudem sollte die Aktie idealerweise höher notieren, da diese als Akquisitionswährung eingesetzt wird. Für realistischer halten wir kleinere Konsolidierungsschritte in Teilbereichen, etwa bei der Fondstochter DWS.

    Ist eine Fusion mit einem europäischen Partner sinnvoll?
    Dafür sind die rechtlichen Rahmenbedingungen noch nicht so günstig. Viele relevante Vorschriften sind noch national geregelt, der Transfer von Kapital oder Liquidität zwischen einzelnen Ländern ist nicht ohne Weiteres möglich. Deshalb ist es schwierig, größere Synergien auf europäischer Ebene zu heben. Hinzu kommt: Europäische Banken sind zwar günstig, aber es braucht immer zwei für eine Fusion, und keiner möchte sich zur Unzeit oder unter Wert verkaufen.

    Frau Annecke, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Bilanzcheck Deutsche Bank: Der mühsame Weg zurück zur Normalität

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    1 Kommentar zu "Deutsche Bank: Fondsmanagerin: „Der Vorstand fährt in der 1. Klasse im ICE davon, die Aktionäre bleiben am Bahnsteig zurück“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Guter Spruch!
      Die Deutsche Bank zahlt immer noch zu hohe Gehälter und Boni.
      Aus meiner Sicht dürfen die Boni Zahlungen NIEMALS höher sein als der Gewinn, der an Aktionäre ausgeschüttet wird - sonst erhält man das Image eines "Selbstbedienungsladens".

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