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Deutsche-Bank-Fondstochter DWS prüft zahlreiche Ansprüche im Fall Wirecard

Das Fondshaus sieht sich vom Wirecard-Vorstand getäuscht und hat erste Strafanzeigen gestellt. Die DWS war zeitweilig größter Einzelaktionär von Wirecard.
18.11.2020 - 18:19 Uhr Kommentieren
Die Fondstochter der Deutschen Bank prüft weitere rechtliche Schritte gegen Wirecard. Quelle: Reuters
DWS

Die Fondstochter der Deutschen Bank prüft weitere rechtliche Schritte gegen Wirecard.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Die ersten Strafanzeigen im Fall Wirecard hat die DWS gestellt, weitere rechtliche Schritte werden geprüft. Das berichteten auf der Hauptversammlung der Deutsche-Bank-Fondstochter deren Chefinvestmentstratege Stefan Kreuzkamp sowie der Aufsichtsratschef Karl von Rohr. Kreuzkamp erklärte zudem Einzelheiten dazu, warum sich das Fondsmanagement vom früheren Wirecard-Vorstandchef Markus Braun und Aufsichtsratschef Thomas Eichelmann getäuscht sieht.

„Gegen Mitglieder des ehemaligen Vorstands und andere Führungskräfte von Wirecard haben wir kürzlich Strafanzeigen erstattet und zivilrechtliche Ansprüche geltend gemacht“, sagte Kreuzkamp auf der virtuellen Hauptversammlung. Ferner prüfe die DWS „die Geltendmachung von Schadensersatzforderungen gegenüber anderen beteiligten Parteien“.

Neben ehemaligen Aufsichtsratsmitgliedern von Wirecard schließt das auch den Abschlussprüfer EY ein, wie von Rohr sagte. Zudem beschloss die Hauptversammlung, dass die DWS zunächst weiterhin von KPMG geprüft werden soll – dies sei eine „vorsorgliche Entscheidung, um mögliche Interessenkonflikte zu vermeiden“, betonte von Rohr.

Grundsätzlich „unternimmt die DWS alle erfolgversprechenden Maßnahmen, um Ersatz für die Verluste zu erhalten, die ihren Fonds infolge des Wirecard-Betrugs entstanden sind“, sagte Kreuzkamp weiter. Auch mögliche Ansprüche gegen die Finanzaufsicht Bafin und gegen den deutschen Staat schloss er nicht aus.

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    DWS-Chef Asoka Wöhrmann hatte den einzuklagenden Schaden seines Hauses in allen Fonds infolge des Kurseinbruchs der Wirecard-Aktie vor Kurzem auf mehr als 600 Millionen Euro beziffert.

    Einige Fonds der DWS hielten lange gewichtige Anteile am heute insolventen Zahlungsdienstleister, auch nachdem in den Medien über den Verdacht von Bilanzfälschungen berichtet worden war. Die DWS war zeitweise der größte Einzelaktionär.

    DWS-Fondsmanager fühlen sich von Markus Braun getäuscht

    Dazu erklärte Kreuzkamp auf der Hauptversammlung, weshalb sich die DWS-Fondsmanager von Braun und Eichelmann getäuscht fühlten. Er bezog sich auf ein Gespräch Ende April, kurz nachdem KPMG in einem Prüfungsbericht zahlreiche Vorwürfe wegen Bilanzbetrugs nicht entkräftet hatte.

    Darin habe Braun Zuversicht geäußert, dass der endgültige Bericht von KPMG positiv werde und EY dies in der Jahresabschlussprüfung bestätige, sagte Kreuzkamp. Ein Telefongespräch mit Eichelmann Anfang Mai habe diesen Eindruck bestätigt.

    Indes hatten die Fondsmanager der DWS bis Ende April ihre Wirecard-Aktien um 60 Prozent verringert, wie der Chefstratege ausführte. Bis Mitte Juni hätten die Aktien in DWS-Fonds aber noch ein höheres Gewicht gehabt als der Anteil Wirecards im deutschen Leitindex Dax.

    Für den vor allem dafür verantwortlichen DWS-Fondsmanager Tim Albrecht wird dieser Missgriff wohl keine größeren Folgen haben. Wöhrmann, der vor zwei Jahren einen Wechsel Albrechts zur Vermögensverwaltung der Hamburger Privatbank Berenberg verhindert hatte, stellte sich zuletzt mehrfach öffentlich hinter den bekannten Fondsmanager. Auf seinen Bonus hat Albrecht bereits freiwillig verzichtet.

    Mehr: Wirecard-Gläubiger fordern 12,5 Milliarden Euro – das müssen Anleger jetzt beachten.

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