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Deutschland-Chefin von JP Morgan Top-Bankerin Dorothee Blessing: „In Deutschland gibt es zu wenig Wagniskapital“

Die Chefin von JP Morgan in Deutschland über die Aussichten am M-&-A-Markt, die Rolle der Aktivisten und die Konsolidierung im Finanzsektor.
04.09.2019 - 03:57 Uhr Kommentieren
„Finanzinvestoren sind heute offen für Minderheitsbeteiligungen und zeigen sich flexibler bei der Haltedauer ihrer Investments. “ Quelle: Willi Nothers für Handelsblatt
Dorothee Blessing

„Finanzinvestoren sind heute offen für Minderheitsbeteiligungen und zeigen sich flexibler bei der Haltedauer ihrer Investments.

(Foto: Willi Nothers für Handelsblatt)

Dorothee Blessing ist eine gefragte Bankerin. Die Chefin von JP Morgan in Deutschland begleitet ihre Kunden in der Welt und diskutiert auch beim Banken-Gipfel des Handelsblatts mit.

Viele Firmen spalten Teile ab. Doch das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) wird von Handelsstreit, Brexit und Diskussionen über eine Rezession bestimmt. Wagen Sie einen Ausblick?
Das erste Halbjahr brachte im globalen M-&-A-Geschäft rückläufige Volumina – in Europa brach das Volumen im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres um 31 Prozent ein und global um acht Prozent. Brexit, geopolitische und regulatorische Unsicherheiten – all das lässt einige Unternehmen abwarten. Aber wir sehen weiterhin auch Treiber: die Suche nach Wachstum, der technologische Wandel und auch ein Fokus auf „Corporate Clarity“, die auf offene Kapitalmärkte und Aktionäre treffen, die eine sinnvolle M&A-Strategie unterstützen. Und natürlich sind hierbei auch Finanzinvestoren und deren Beteiligungen und Übernahmen nicht zu vergessen. 2019 wird voraussichtlich nicht die Volumina von 2018 erreichen, aber die Pipeline sieht eigentlich nicht schlecht in Europa und auch im deutschsprachigen Raum aus. Ich bin jedenfalls zuversichtlich.

Kommen Impulse auch von den aktivistischen Investoren?
Keine Frage: Aktivisten sind in Europa und Deutschland präsent, und das wird sich auf absehbare Zeit auch nicht ändern. Sie fokussieren sich auf unterschiedliche Branchen, spezifische M-&-A-Situationen und eben Firmen, in denen sie Potenziale für Kursentwicklungen beziehungsweise Wertsteigerung sehen. Insbesondere Konglomerate rücken immer wieder in den Fokus – auch mit Forderungen nach Veränderung der Konzernstruktur bis hin zu Abspaltungen oder Verkäufen.

Die Beteiligungsbranche sucht händeringend Firmen zum Kauf. Handelt es sich hier um einen weiteren Treiber?
Die Private-Equity-Branche hat mehr Mittel zur Verfügung als je zuvor – die Fonds sitzen weltweit auf über 1,3 Billionen US-Dollar im Vergleich zu 600 Milliarden in 2011. Es wird nach Anlagemöglichkeiten gesucht. Wir haben in den letzten zwölf Monaten viele Aktivitäten in Europa gesehen, so ist auch die Herunternahme von Firmen von der Börse nach dem Kauf (Public to private) mehr in den Fokus gerückt. Finanzinvestoren sind heute offen für Minderheitsbeteiligungen und zeigen sich flexibler bei der Haltedauer ihrer Investments.

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    Über M&A in der Finanzbranche wurde lange diskutiert, wann ist es so weit?
    Bisher ist die große europäische Konsolidierung im Finanzsektor ausgeblieben, das stimmt. Ich bin aber überzeugt, dass Fusionen und Übernahmen in Europa wieder auf die Agenda kommen.

    Und wie sieht es aus bei den Fintechs?
    Wir sehen auch aus Deutschland heraus interessante Fintechs, die sich entwickeln. Wir erwarten auch auf diesem Sektor Transaktionen, seien es Börsengänge oder Transaktionen, bei denen etablierte Häuser im Rahmen von Buy-and-Build-Strategien kooperieren, Beteiligungen eingehen oder Übernahmen tätigen.

    Bevor Unternehmen in der Regel reif sind, um bei M&A mitzuspielen, müssen sie erst einmal mithilfe von Wagniskapital wachsen. Mangelt es daran in Deutschland?
    Im Vergleich zu anderen Ländern gibt es in Deutschland zu wenig Wagniskapital. Das muss sich ändern. Wir müssen jungen Unternehmern Kapital zur Verfügung stellen und einen Weg aufzeigen, wie sie mit ihren erfolgversprechenden Zukunftstechnologien an die Börse gehen können. Sonst riskieren wir, dass Innovationen, Talente und Arbeitsplätze abwandern. 

    Börsengänge könnten beim Wachstum helfen, doch derzeit herrscht Flaute.
    Trotz gestiegener Kursschwankungen sind die Kapitalmärkte offen, und Investorennachfrage nach interessanten Börsenneulingen ist vorhanden. Wir sehen weiterhin Unternehmen, die sich auf einen Börsengang vorbereiten, wie zuletzt das Softwareunternehmen Teamviewer. Ich rechne jedenfalls mit bis zu zehn IPOs in den kommenden zwölf Monaten – von Abspaltungen über Technologieunternehmen bis hin zu Firmen im Besitz von Private-Equity-Häusern.

    Der Brexit treibt die Banken um, viele zieht es nach Deutschland. Gilt das auch für JP Morgan?
    Der Brexit verschiebt natürlich die Gewichte in Europa, und alle Banken arbeiten gemeinsam mit den Regulatoren an pragmatischen Lösungen. Alles ist weiterhin im Fluss, wie wir den täglichen Neuigkeiten aus Großbritannien entnehmen können. Frankfurt spielt in unserer Brexit-Strategie eine wichtige Rolle. Was für uns bei allen Überlegungen von Anfang an im Fokus stand, ist sicherzustellen, dass wir unsere Kunden ab Tag eins wie gewohnt bedienen können, unabhängig vom Ausgang der Brexit-Verhandlungen. Im Investmentbanking bleibt London aber eine feste Größe.

    Mehr: Die Topbankerin Dorothee Blessing beobachtet mit Sorge die Kampagnen aktivistischer Investoren gegen das Management. Diese werden nach ihrem Empfinden immer aggressiver.

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