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Ehemalige Landesbank „Umbau zahlt sich aus“ – Hamburg Commercial Bank erwartet deutlich mehr Gewinn

Die frühere HSH Nordbank macht bei ihrer Restrukturierung Fortschritte. Vorstandschef Stefan Ermisch liebäugelt mit Zukäufen oder einem Börsengang.
11.05.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
„Wir sind offen für kleinere Zukäufe und auch bereit, uns an transformatorischen Deals zu beteiligen“, sagt der Chef der Hamburg Commercial Bank. Quelle: dpa
Stefan Ermisch

„Wir sind offen für kleinere Zukäufe und auch bereit, uns an transformatorischen Deals zu beteiligen“, sagt der Chef der Hamburg Commercial Bank.

(Foto: dpa)

Frankfurt Staatliche Rettungen, Skandale, Milliardenverluste für den Steuerzahler: Jahrelang sorgte die HSH Nordbank verlässlich für schlechte Nachrichten. Doch spätestens seit der Privatisierung der Landesbank 2018 scheint es bei dem Institut, das mittlerweile Hamburg Commercial Bank (HCOB) heißt, bergauf zu gehen.

„Der Umbau der Bank in den vergangenen Jahren zahlt sich für uns immer stärker aus“, sagte Vorstandschef Stefan Ermisch im Gespräch mit dem Handelsblatt. Nach einem guten Start ins laufende Jahr hebt er die Prognose für 2021 deshalb deutlich an.

„Im laufenden Jahr rechnen wir mit einem Konzerngewinn von über 200 Millionen Euro und mit einer Eigenkapitalrendite von rund zwölf Prozent“, sagt Ermisch. „Damit gehören wir zu den wenigen Banken in Deutschland, die ihre Kapitalkosten verdienen.“ Bisher hatte die HCOB einen Gewinn nur moderat über dem Vorjahreswert von 102 Millionen Euro vorhergesagt.

Für die Anhebung der Prognose gibt es laut Ermisch vor allem zwei Gründe. „Besonders das Geschäft mit Immobilien und Schiffen läuft sehr gut“, betont der 55-Jährige. „Zudem sinken unsere Refinanzierungskosten schneller als erwartet.“ Diese seien inzwischen auf rund 30 Basispunkte gesunken im Vergleich zu rund 100 Basispunkten im Vorfeld der Privatisierung.

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    Ermisch hat das Institut in den vergangenen Jahren deutlich verkleinert – und könnte damit aus Sicht von Experten ein Vorbild für andere deutsche Geldhäuser sein. „HCOB zeigt, dass eine radikale Restrukturierung im deutschen Bankensektor möglich ist“, erklärte Analyst Stuart Graham von Autonomous Research Ende 2020 in einer Studie. Auch die Ratingagenturen S&P und Moody‘s bescheinigten dem Institut Fortschritte und lobten besonders die außergewöhnlich hohe Kapitalquote von 27 Prozent.

    HCOB will bei Konsolidierung mitmischen

    Die HSH wurde als erste Landesbank überhaupt privatisiert und gehört mittlerweile mehrheitlich den Finanzinvestoren Cerberus und JC Flowers. 2021 ist für das Institut von großer Bedeutung, weil es Ende des Jahres vom öffentlich-rechtlichen in den privaten Einlagensicherungsfonds des Bankenverbands BdB wechseln will. Um aufgenommen zu werden, muss das Institut bestimmte Anforderungen erfüllen – unter anderem bei der Kapitalausstattung, der Portfolioqualität und der Profitabilität.

    Vorstandschef Ermisch ist zuversichtlich, dass dies gelingen wird. „Wir lagen bereits 2020 über den geforderten Werten und werden im laufenden Jahr aller Voraussicht nach noch deutlicher darüber liegen.“ Die Mitgliedschaft in der BdB-Einlagensicherung sei bedeutsam, weil dadurch auch die Einlagen von Unternehmen umfangreich abgesichert seien. Das sei vielen Firmen wichtig.

    Ab 2022 will sich Ermisch dann verstärkt mit „strategischen Optionen“ beschäftigten. „Wir sind offen für kleinere Zukäufe und auch bereit, uns an transformatorischen Deals zu beteiligen, sofern unsere Aktionäre dies wünschen.“ Mit einer Bilanzsumme von 34 Milliarden Euro sei die HCOB mittlerweile zwar relativ klein, aber Größe sei nicht alles. „Bei Übernahmen sind das Eigenkapital und die Eigenkapitalrendite entscheidend – und da brauchen wir uns vor niemandem zu verstecken.“

    Sollten andere Banken Geschäftsbereiche wie erneuerbare Energien und Schiffe abspalten, will sich Ermisch diese auf jeden Fall anschauen. Denkbar wäre dies beispielsweise bei der NordLB, die sich mitten in der Restrukturierung befindet und perspektivisch Teil eines Sparkassen-Zentralinstituts werden könnte.

    Ob und wann es zu Privatisierungen oder Fusionen komme, sei jedoch schwer vorhersehbar, betont Ermisch und weist deshalb auch auf eine andere Möglichkeit für die HCOB hin: „Für uns kann mittelfristig auch ein Börsengang eine Option sein.“ Pläne dafür gebe es „zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ allerdings nicht.

    Die Zahl der Mitarbeiter hat sich halbiert

    Ermisch ist seit Sommer 2016 Vorstandschef der Bank und hat das Institut seitdem mit harter Hand saniert. Die Zahl der Vollzeitstellen hat sich seit 2015 in etwa halbiert und soll bis Jahresende auf 750 bis 800 fallen. Die Bilanzsumme soll bis dahin auf rund 30 Milliarden Euro sinken und dann bis auf Weiteres auf diesem Niveau verharren.

    Heruntergefahren hat die HCOB unter anderem ihr Engagement im Mittelstandsgeschäft – und will dies auch weiterhin tun. Wegen der großen Konkurrenz könne man im klassischen deutschen Firmenkundengeschäft kaum auskömmliche Margen erzielen, sagt Ermisch. „Einem Mittelständler eine unbesicherte Kreditlinie gewähren kann jede Bank – deshalb verdient in diesem Bereich auch niemand Geld.“

    Grafik

    Neben Projektfinanzierungen konzentriere sich die HCOB im Firmenkundengeschäft deshalb lieber auf profitable Nischen. „Dazu zählt der internationale Zahlungsverkehr, wo wir neben Mittelständlern insbesondere aus dem Schiffssektor viele Kunden haben“, erklärt Ermisch. Zudem ist das Institut im kleinvolumigen Leasing- und Factoring-Geschäft aktiv und will diesen Bereich sukzessive ausbauen.

    Darüber hinaus betreibt die Bank weiter Immobilien- und Schiffsfinanzierungen – und ist mit beiden Bereichen gerade sehr zufrieden. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil faule Schiffskredite das Institut vor wenigen Jahren fast in die Pleite getrieben hätten. Die Bank hatte sich daraufhin vom Großteil ihres Schiffsportfolios getrennt.

    Zwischen 2005 und 2008 war das Institut große Engagements beim Neubau von Schiffen eingegangen, bei denen das Schiff häufig die einzige Sicherheit war. Nach der Finanzkrise wurden viele davon dann nicht mehr gebraucht – und die Kredite der HSH fielen reihenweise aus.

    Ausgerechnet das Geschäft mit Schiffen floriert

    Mittlerweile verfolge die Bank in dem Segment einen völlig anderen Ansatz, betont Ermisch. „Heute finanzieren wir nahezu keine Neubauten mehr, sondern in erster Linie Reedereien und Schiffskonzerne.“ Hier mache das Institut besonders mit griechischen und asiatischen Kunden viel Geschäft. Darüber hinaus beteiligt sich das Institut an der Finanzierung von Schiffen, die bereits im Einsatz sind.

    Das Geschäft boomt aktuell, denn die Lage an den Schiffsmärkten hat sich deutlich aufgehellt. „Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage am Schiffsmarkt ist so gut wie seit 20 Jahren nicht mehr“, frohlockt Ermisch. „Es gibt kaum noch Neubauten, und die Nachfrage nach Schiffskapazität ist hoch, weil die industrielle Produktion besonders in Asien und Amerika brummt.“

    In der Gesamtbank erwartet Ermisch im laufenden Jahr Erträge von rund 600 Millionen Euro. Das sei im Kerngeschäft deutlich mehr als im Vorjahr. Da trugen Sondereffekte wie der Verkauf der Firmenzentrale maßgeblich dazu bei, dass die Erträge um mehr als 40 Prozent auf 656 Millionen Euro zulegten.

    Die Kernkapitalquote der HCOB könnte bis zum Jahresende auf bis zu 30 Prozent steigen. „Wegen des geplanten Übergangs in das Einlagensicherungssystem des BdB ist das gut“, sagt Ermisch. „Aber es ist auch klar, dass die Bank mittelfristig eine geringere Kapitalquote haben sollte.“ Die Kapitalanforderungen der Finanzaufsicht liegen gerade mal bei zwölf Prozent.

    Mehr: Deutsche Privatbanken ziehen Konsequenzen aus der Greensill-Pleite.

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