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Epidemie Deutsche Bank fordert gezielte Kredite der EZB in der Corona-Krise

Chefvolkswirt Folkerts-Landau hält bei einer Zuspitzung der Corona-Krise rein geldpolitische Maßnahmen für wenig hilfreich.
28.02.2020 - 10:00 Uhr Kommentieren
Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank sieht große Erschütterungen voraus. Quelle: Bernd Hartung /Agentur Focus
David Folkerts-Landau

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank sieht große Erschütterungen voraus.

(Foto: Bernd Hartung /Agentur Focus)

Frankfurt Auch die Ökonomen der Deutschen Bank beteiligen sich an dem großen Rätselraten, wie es mit der Corona-Krise weitergehen könnte. Chefökonom David Folkerts-Landau sagte gemäß einer Vorgabe der Bank wegen der um sich greifenden Krankheit eine Reise zur Frankfurter Zentrale ab und schaltete sich von London aus per Bildschirm in ein Gespräch mit Journalisten ein.

Aus seiner Sicht wird es mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent zu einer deutlichen Ausweitung der Epidemie kommen, mit bis zu drei Millionen Infizierten und etwa 30.000 Toten weltweit. Dabei geht er davon aus, dass China eine zweite Infektionswelle erwischen könnte, nachdem dort wieder mehr Leute zur Arbeit gehen.

Für diesen Fall, das Basisszenario, rechnet der Ökonom mit einer weltweiten Rezession und einem Einbruch der Aktienkurse um bis zu 20 Prozent. Außerdem prognostiziert er eine Zinssenkung um 0,5 bis 0,75 Prozentpunkte der US-Notenbank (Fed) bis Ende des Jahres. Die Europäische Zentralbank (EZB) würde wahrscheinlich die Zinsen noch weiter bis minus 0,7 Prozent senken und möglicherweise auch die Anleihekäufe erhöhen. Außerdem dürften in der Europäischen Union (EU) die Grenzen für staatliche Defizite aufgeweicht werden.

Er präsentierte noch zwei andere Szenarien mit jeweils 25 Prozent Wahrscheinlichkeit: einmal als besten Fall keine deutliche Ausweitung der Epidemie über den heutigen Stand hinaus – und als schlimmsten Fall eine noch stärkere Ausweitung als im Basisszenario, die zu einer Schrumpfung der Weltwirtschaft um bis zu vier Prozent führen könnte.

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    Obwohl Folkerts-Landau von weiteren Zinssenkungen der Notenbanken ausgeht, hält er sie zugleich für wenig hilfreich. „Es handelt sich um eine Angebotskrise und nicht um eine Nachfragekrise“, sagte er. Notenbanken können mit leichtem Geld die Nachfrage stärken, aber wenig ausrichten, wenn Betriebe schließen müssen oder Reiseziele praktisch nicht mehr für den Tourismus infrage kommen. Sein Kollege Torsten Slok, ebenfalls wegen Corona nur per Video aus New York zugeschaltet, stimmte zu: „Minuszinsen helfen nicht gegen ein Virus.“

    Einzelne Branchen in Gefahr

    Sorgen bereitet den Ökonomen, dass möglicherweise einzelne Branchen, etwa der Transportsektor, oder Regionen – hier nannte Folkerts-Landau Mailand als Beispiel – stark unter Druck geraten, so dass den Unternehmen das Geld ausgeht. „Es ist zweifelhaft, ob das Bankensystem dann aushelfen kann, weil niemand weiß, wie lange dieser Zustand dauert“, sagte er. „Deswegen wäre es wichtig, dass die Notenbanken im Notfall mit gezielten Krediten einspringen“, forderte er.

    Gleichzeitig zeigte er sich optimistisch, dass im Fall von Italien europäische Institutionen wie der Rettungsschirm (ESM) in einer schweren Krise großzügig helfen würden. „In diesem Fall können die Italiener nichts dafür“, sagte er. Daher rechnet er mit mehr Solidarität als bei einer von einer Regierung in Rom angefachten politischen Krise, wie sie sich im vergangenen Jahr zweitweise aufschaukelte.

    Folkerts-Landau ließ vorsichtig auch Sorgen anklingen, dass eine tiefere Corona-Krise das Finanzsystem schwächen könnte. Deutlich optimistischer als er berichtete Slok über die Situation in den USA: Das Finanzsystem sei sehr robust, die Konjunktur, immer noch zu 70 Prozent von einem starken Konsum getragen, stabil.

    Slok hielt sich mit Kommentaren zur US-Politik zurück. Sein Chef dagegen warnte aus London heraus, dass ein Sieg des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders im Herbst schwerwiegende Folgen für die US-Wirtschaft haben könnte. Er ist überzeugt, dass die steigenden Chancen Sanders jetzt schon zum Druck auf die Aktienkurse beitragen.

    Keiner versteht die Geldpolitik

    Ein gemischtes Urteil gab der Chefvolkswirt über Großbritannien ab. Er erwartet einen Brexit, einen endgültigen Ausstieg aus der EU nach der Übergangsphase, zu relativ harten Konditionen. Das werde anfangs die Wirtschaft belasten, aber auf mittlere Sicht sieht er eine deutliche Erholung. Und mit Blick auf eine mögliche Reaktion auf die Corona-Krise merkte er an: „Die Briten haben Gegenmittel, die der Euro-Zone fehlen. Sie betreiben eine jeweils aktive und gut aufeinander abgestimmte Finanz- und Geldpolitik.“

    Die Ökonomen räumten ein, der Schwachpunkt ihrer Analysen sei die Unsicherheit und auch ihre sehr begrenzte Urteilsfähigkeit in Bezug auf den eigentlichen Verlauf der Krankheit. „Wir sind nur Fachleute für die ökonomische Ableitung“, sagte Stefan Schneider, der Deutschland-Volkswirt.
    Bei der Beurteilung möglicher geldpolitischer Gegenmaßnahmen ist die Unsicherheit auch sehr groß. Slok und Folkerts-Landau beklagten beide, dass die früher gewohnten geldpolitischen Modelle nicht mehr funktionierten. Slok sagte: „Wir wissen nicht, warum die Inflation so lange so niedrig bleibt.“ Folkerts-Landau ergänzte: „Wir tappen im Dunkeln.“ Er fügte hinzu: „Ich glaube auch nicht, dass Minuszinsen helfen, vielleicht schaden sie sogar.“ Er begrüßte vor diesem Hintergrund, dass die EZB ihre Strategie überprüfen will, schränkte aber zugleich ein: „Ich glaube nicht, dass große Änderungen dabei herauskommen.“

    Mehr: Die Ausbreitung des Coronavirus lähmt die Weltwirtschaft, an den Börsen fallen die Kurse. Eine überfällige Korrektur oder der Beginn eines Bärenmarkts?

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