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ESG-Kriterien Blackrock greift beim Klimaschutz durch

Der weltgrößte Vermögensverwalter pocht zunehmend auf Nachhaltigkeit – und ist damit nicht allein. Das bekommen auch deutsche Unternehmen zu spüren.
14.07.2020 - 05:30 Uhr 1 Kommentar
Von der Erholung der Finanzmärkte profitiert auch der Vermögensverwalter Blackrock. Quelle: ddp images/Chapple/Rebel Images/Sipa Press
Blackrock-Zentrale in New York

Von der Erholung der Finanzmärkte profitiert auch der Vermögensverwalter Blackrock.

(Foto: ddp images/Chapple/Rebel Images/Sipa Press)

Frankfurt Zunächst war es nur eine Ankündigung von Vorstandschef Larry Fink. Im Januar stellte der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters in Aussicht, künftig noch stärker auf die Kriterien Umwelt (Environment), Soziales (Social) und gute Unternehmensführung (Good Governance) – kurz ESG – zu achten. Ein halbes Jahr später zeigt Blackrock, dass der Konzern es ernst meint und es sich nicht lediglich um Lippenbekenntnisse handelt.

„Wir lassen den Ankündigungen jetzt Taten folgen. Exemplarisch zeigen wir das beim Thema Klimarisiken. Wir haben uns über 400 Unternehmen angeschaut, die besonders energieintensiv arbeiten. Davon haben wir 244 Konzerne angemahnt, weil sie aus unserer Sicht nicht genügend Fortschritte beim Klimathema erreicht haben. Bei 53 Unternehmen haben wir deshalb einzelnen Mitgliedern des Aufsichtsrats oder dem ganzen Gremium die Zustimmung verweigert“, sagt Blackrock-Deutschlandchef Dirk Schmitz gegenüber dem Handelsblatt.

Auch Unternehmen in Deutschland bekamen die härtere Gangart der Amerikaner in Sachen Klimaschutz zu spüren. Wegen mangelnder Fortschritte etwa bei der Offenlegung der Klimarisiken wurden die Aufsichtsräte von Daimler, Lufthansa und Uniper nicht entlastet, Gleiches galt für ein Aufsichtsratsmitglied von Heidelberg Cement. Weltweit machten etwa der Energiekonzern Exxon und der Autohersteller Volvo Bekanntschaft mit dem stärkeren Umweltengagement von Blackrock.

Was Blackrock sagt, hat Gewicht. In vielen Fällen ist der Vermögensverwalter der größte Aktionär bei börsennotierten Unternehmen. Bei Daimler hält der Asset-Manager beispielsweise 4,99 Prozent der Aktien. Bei Heidelberg Cement sind es 4,92 Prozent und bei dem ebenfalls kritisierten Elektrokonzern Siemens 5,61 Prozent.

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    Und Blackrock ist nicht allein. Immer mehr große Versicherer, Pensionsfonds, Vermögensverwalter und Pensionskassen nutzen ihre Marktmacht und verstärken den Druck auf die Unternehmen, nachhaltig zu arbeiten.

    Klima- gleich Investmentrisiken

    Asset-Manager Blackrock sagt, dass Klimarisiken immer auch Investmentrisiken sind. Wer solche Klimarisiken berücksichtige, der erziele letztlich bessere Renditen, lautet das Credo. Blackrock will auch wegen der Pandemie durch das Covid-19-Virus in seinen Anstrengungen für den Klimaschutz nicht nachlassen. Wegen der Coronakrise werde sich Blackrock nicht zurücknehmen. Es dürfe keine Ruhepause geben beim Abbau der Nachhaltigkeits- und Klimarisiken.

    Kritiker werfen allerdings ein, dass Blackrock als ein großer Anbieter von börsennotierten Indexprodukten in diesem Segment nicht in der Lage ist, Anteile von Klimasündern zu verkaufen. Deutschlandchef Schmitz hält dagegen. „Als Reaktion auf Defizite im Klimaschutz muss man nicht gleich die Aktien verkaufen. Es kann schon ein scharfes Schwert sein, wenn wegen der Nichtentlastung des Aufsichtsrats die Abwahl der Aufseher droht“, meint der Manager.

    Außerdem sei es ein Reputationsschaden für die betroffenen Unternehmen, wenn die Verweigerung der Entlastung wegen mangelnder Anstrengungen beim Klimaschutz veröffentlicht werde. Hinzu komme, dass die Zahl der ESG-konformen Indexprodukte stetig wachse. Auch deshalb werde es immer wichtiger für die Unternehmen, etwa den Aufforderungen von Blackrock nachzukommen.

    Die Amerikaner stehen nicht allein in ihrem Bestreben, die Nachhaltigkeit voranzubringen. Die Fondsgesellschaft Union Investment etwa hat schon viel früher für mehr Umweltschutz getrommelt. Das Engagement spiegelt sich auch in der Hauptversammlungs-Saison 2020 in Deutschland wider.

    „Die bisherigen Aktionärstreffen haben sehr deutlich gezeigt, dass ESG-Aspekte auf der Agenda stehen“, sagt Janne Werning, Leiter ESG Capital Markets im Portfoliomanagement bei Union. Er erwartet, dass der Klimawandel einen immer stärkeren Einfluss auf die Unternehmensbewertung ausüben wird. Kohleverstromung und Verbrennungsmotoren seien keine langfristig zukunftsfähigen Geschäftsmodelle. Daher müssten die gesellschaftspolitischen Weichen für eine Welt mit weniger oder gar ohne fossile Brennstoffe gestellt werden.

    Die Fondsgesellschaft DWS erwartet, „dass Vorstände und Geschäftsführung auch Risiken und Auswirkungen bewerten, die sich aus Umweltentwicklungen ergeben oder damit verbunden sind“. Dies sei fester Bestandteil des Dialogs mit den Unternehmen. Im vergangenen Jahr hat DWS einen Platz unter den Top 10 der globalen Vermögensverwalter erreicht, die in den letzten drei Jahren für klimabezogene Aktionärsanträge gestimmt haben. Laut Majority Action Report hat die Fondsgesellschaft 95 Prozent der klimakritischen Aktionärsanträge und 100 Prozent der Lobbying-Aktionärsanträge bei klimakritischen Unternehmen unterstützt.

    Daimler in der Kritik

    Wie klar und eindeutig die Statements der Asset-Manager auf den Hauptversammlungen ausfallen, zeigt das Beispiel der Deka. Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment, sagte auf der HV von Daimler Mitte vergangener Woche: „Ein deutlicher Anstieg der CO2-Emissionen auf 135 Gramm je Kilometer für Mercedes Benz Cars sind das Ergebnis einer verfehlten Produktpolitik, stellen ein immenses Reputationsrisiko dar und können zu Mehrbelastungen führen.“

    Plug-in-Hybride kämen zu spät. Das Modell des Elektroautos EQC sei zu spät, zu teuer und zu langweilig. Innovationsführerschaft sehe anders aus. „Wenn Daimler nicht schnell gegensteuert, wird der Stern langfristig beschädigt“, sagte Speich. Allein Tesla verkaufe bereits heute rund zehnmal so viele Elektroautos wie Daimler.

    Und es gibt auch Unternehmen, bei denen sich bereits etwas tut. Für Union Investment könnte RWE als größter CO2-Emittent Europas sich „zu einem spannenden Transformationskandidaten entwickeln“. RWE will die CO2-Emissionen bis 2030 um 75 Prozent senken und bis 2040 CO2-neutral sein.

    „Gleichzeitig stehen die CO2-Ziele der deutschen Politik im Widerspruch zu einem Dauerbetrieb der Braunkohlekapazitäten bei RWE“, warnt Werning von Union. Ein bis in die 2030er-Jahre fortgeführter Braunkohletagebau erhöhe für den Energieversorger Klage- und Reputationsrisiken. „Wir haben unsere Unterstützung für den Transmissionskurs signalisiert“, sagt Nachhaltigkeitsexperte Werning. Aber nun müsse RWE den Beweis antreten, dass die eigenen Ambitionen ernst genommen werden und der Konzern tatsächlich liefern könne.

    Neben den Klimarisiken bekommen angesichts der Covid-19-Seuche auch verstärkt soziale Themen ein höheres Gewicht bei den Geldmanagern. „Mit der Coronakrise rücken jetzt soziale Fragen stärker in den Fokus. Knapp 400 Unternehmen schauen wir uns mit Blick auf das `S` in den ESG-Kriterien genauer an. Wie gehen die Unternehmen während der Pandemie mit der Belegschaft um? Kommt es zu Freisetzungen von Personal? Das sind nur einige der Fragen, die uns umtreiben“, erläutert Schmitz von Blackrock. Auch die Diversität des Managements und der Beschäftigten werde in Zukunft noch wichtiger für die Vermögensverwalter.

    Mehr: Star-Investor Larry Fink plädiert für langfristige Investments.

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    1 Kommentar zu "ESG-Kriterien: Blackrock greift beim Klimaschutz durch"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Puh, grundsätzlich ist mir ein Muskelspiel des weltgrößten Vermögensverwalters unheimlich und ängstigend.

      Man muss wissen, dass neben den ca. 5% direkter Beteiligung Black Rock auch aus unzähligen Depots die Stimmrechtsvollmachten ausübt und somit in nahezu jeder DAX-Hauptversammlung die Mehrheit der repräsentierten Stimmen darstellt.

      Die sind Chef, Vollgas.

      Und das noch im Gleichschritt mit der EU/Green Deal ist mehr als verdächtig.

      Das Großkapital hat in der Historie noch kaum jemals das Gemeinwohl verfolgt, sondern immer nur eigenen Profit und Machtausweitung. Allerdings solches nach außen „schön verpackt“ und akzeptanzfördernd aufzutischen, ist nach wie vor good old Economie der Marktbereitung.

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