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EU-Verordnung Crowdlending soll ab Herbst vereinfacht werden

Die Branche der Schwarmfinanzierer verspricht sich von einer neuen EU-Verordnung einen Schub. Das Finanzministerium äußert sich zurückhaltender.
03.09.2020 - 13:21 Uhr Kommentieren
Derzeit steht bei Schwarmanlegern die Finanzierung von Immobilien hoch im Kurs. Quelle: dpa
Wohnungen in Hannover

Derzeit steht bei Schwarmanlegern die Finanzierung von Immobilien hoch im Kurs.

(Foto: dpa)

Berlin Die Finanzierung von Immobilien, Unternehmen oder speziellen Projekten durch Kleinanleger wird trotz hoher Anlagerisiken immer beliebter. Einen weiteren Schub erhofft sich Jamal El Mallouki, Chef des Bundesverbands Crowdfunding, von einer Crowdfunding-Verordnung der EU, die ab Herbst gelten soll.

Basis dafür ist das sogenannte European Crowdfunding Service Provider Regime. „Die Umsetzung der EU-Verordnung stellt im Vergleich zur jetzigen Regulierung einen disruptiven Eingriff dar“, meint El Mallouki, in Personalunion Geschäftsführer der Crowddesk GmbH. Denn anders als bisher könne künftig beim Crowdlending auf Banken verzichtet werden, was erhebliche Transaktionskosten spare.

Crowdfunding ist eine alternative Finanzierungsart, bei der eine Vielzahl von Investoren Kapital in einzelne Projekte steckt, die über Plattformen oder Onlineportale angeboten werden.

„Die EU-Verordnung zielt primär auf eine Regulierung der Betreiber von Crowdfunding-Plattformen“, erklärt ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums. Mit der Verordnung sollen EU-weit einheitliche Regelungen in einem Bereich geschaffen werden, der in den verschiedensten Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich reguliert sei, so der Sprecher weiter. Sowohl das kreditbasierte Crowdfunding als auch das anlagebasierte Crowdfunding (übertragbare Wertpapiere und andere Finanzinstrumente) werden von der Verordnung erfasst.

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    Das derzeitige Prozedere beim Crowdlending beschreibt El Mallouki so: Der Emittent benötigt Geld und macht Anlegern über die Plattform ein Angebot. Anleger überweisen das Geld an eine beauftragte Bank, die das Geld wiederum als Kredit an den Emittenten weiterreicht. Dann verkauft die Bank die Forderung, die sie an den Emittenten hat, an die Anleger.

    Stark wachsende Volumina beim Crowdfunding

    Die damit verbundenen Transaktionskosten seien fast prohibitiv hoch, bemängelt El Mallouki. Die neue EU-Verordnung ermögliche es, bei der Kreditvergabe auf Banken zu verzichten. „Der Prozess kann künftig ohne Banken zwischen Emittent, der Plattform als Vermittler und dem Anleger organisiert werden“, so El Mallouki. Bestehende Plattformen würden sich derzeit das Geld häufig von institutionellen Investoren holen, was nicht dem Ursprungsgedanken entspreche.

    Während El Mallouki sich von der Neuregelung einen Schub beim Crowdlending verspricht, agiert das Bundesfinanzministerium zurückhaltender. „Aufgrund verschiedener Faktoren sind die konkreten Auswirkungen auf den Markt derzeit nicht absehbar“, heißt es auf Anfrage.

    Unabhängig davon, ob die Neuregelung den Lending-Markt bewegen wird, hat sich das System des Crowdfundings in Deutschland etabliert. Im vergangenen Jahr hat die Branche nach Angaben des Newsletters crowdfunding.de für den Zeitraum seit 2011 bei den eingesammelten Finanzmitteln die Milliardengrenze geknackt. Allein im vergangenen Jahr wuchsen die Volumina im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent auf 422 Millionen Euro.

    Derzeit steht bei Schwarmanlegern die Finanzierung von Immobilien hoch im Kurs. Sie stieg im vergangenen Jahr um knapp 53 Prozent auf gut 320 Millionen Euro. Die Finanzierung von Unternehmen legte um fünf Prozent auf 85 Millionen Euro zu. Dieser Wert ist im Vergleich zur Kreditvergabe der Banken eine fast zu vernachlässigende Größe.

    „Bei der Start-up-Finanzierung hat sich das Crowdfunding noch nicht als Säule etabliert“, räumt El Mallouki ein. Aber das liege auch an den Finanzierungsinstrumenten, die zur Verfügung stehen. Nach dem Vermögensanlagegesetz geht es beispielsweise um Nachrangdarlehen, partiarische Darlehen oder Genussrechte. „Ordnungspolitisch macht es keinen Sinn, die Finanzinstrumente bei der Finanzierung von Unternehmen zu beschränken“, so El Mallouki.

    Der Verband plädiert für Gestaltungsfreiheit und macht sich für eine Beteiligung der Crowd am Eigenkapital durch Aktien, GmbH- oder KG-Anteile stark. Doch das ist derzeit mit der Großen Koalition nicht zu machen.

    Investitionsgrenzen erhöht

    Unabhängig von der Art des finanziellen Engagements müssen Anleger damit rechnen, dass sie ihr eingesetztes Kapital komplett verlieren können. Dieser Hinweis fehlt bei keinem Engagement, das auf den unterschiedlichen Plattformen angegeben wird. Allerdings ist das Ausfallrisiko bei Unternehmensengagements größer als bei der Mitfinanzierung einer Immobilie.

    Nach einer Evaluierung des Kleinanlegerschutzgesetzes, das 2015 erstmals Regelungen für das Crowdfunding im Vermögensanlagegesetz traf, wurden die Anlageschwellen erhöht. War es in der Vergangenheit für Privatanleger möglich, bis zu 10.000 Euro zu investieren, sind es jetzt unter bestimmten Voraussetzungen maximal 25.000 Euro. Strittig ist, ob die Erhöhung der Investitionsgrenze tatsächlich für größere Volumina sorgt. Eine Evaluierungsstudie wollte „einschränkende“ Effekte zumindest nicht ausschließen.

    Mehr: Immobilien-Crowdinvesting auf dem Prüfstand

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