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Euro-ZoneProblemkredite in Milliardenhöhe: Griechenlands Banken bereiten neue Sorgen

Die Pandemie wirft die griechischen Geldinstitute bei der Konsolidierung ihrer Bilanzen zurück. Zentralbankchef Stournaras warnt vor neuen Kreditausfällen.Gerd Höhler 18.01.2021 - 10:00 Uhr Artikel anhören

Die Rezession im Land führt dazu, dass immer mehr Schuldner ihre Darlehen nicht bedienen können.

Foto: dpa

Athen. Die Corona-Pandemie hinterlässt massive Spuren in den Büchern der griechischen Banken. Nach jüngsten Schätzungen ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Griechenlands im vergangenen Jahr um 10,5 Prozent geschrumpft. Die Rezession führt dazu, dass immer mehr Schuldner ihre Darlehen nicht bedienen können.

Der griechische Zentralbank-Gouverneur Yannis Stournaras erwartet, dass auf die vier systemischen Geschäftsbanken neue Problemkredite von acht bis zehn Milliarden Euro zukommen. Stournaras nannte diese Zahlen am Wochenende beim 8. Banken-Forum in Zypern. Die Kreditausfälle schwächen die Kapitalisierung der Institute, warnt der Notenbankchef. Um diese Gefahr abzuwenden, schlägt Stournaras vor, notleidende Forderungen auf eine Bad Bank zu übertragen.

Die vier großen griechischen Geldinstitute – Alpha Bank, Eurobank, National Bank of Greece und Piraeus Bank – haben während der Schuldenkrise im vergangenen Jahrzehnt ein großes Volumen an notleidenden Krediten (NPL) angehäuft. Auf dem Höhepunkt der Krise waren über 50 Prozent der ausgereichten Darlehen notleidend.

Aktuell sind es rund 35 Prozent. Das ist aber immer noch der mit Abstand höchste Anteil in der Euro-Zone. Im Durchschnitt der EU-Staaten lag die Quote Mitte 2020 bei 2,8 Prozent.

Bis Ende 2021 wollten die griechischen Banken die NPL-Quote unter 20 Prozent drücken. Aber jetzt droht ein Rückschlag. Die Institute haben derzeit Tilgungen und Zinszahlungen für Kredite im Volumen von 26 Milliarden Euro ausgesetzt, um Schuldnern entgegenzukommen, die von den Corona-Lockdowns betroffen sind.

Rückstellungen zehren am Eigenkapital der Banken

Das Moratorium soll in diesem Jahr schrittweise auslaufen. Aber offen ist, wie viele Schuldner danach ihre Darlehen wieder bedienen werden. Denn die Erholung der Wirtschaft lässt auf sich warten. Ging die Regierung im vergangenen Herbst noch für 2021 von einem Wachstum von 7,5 Prozent aus, setzt sie jetzt nur noch ein Plus von 4,8 Prozent an.

Branchenexperten erwarten, dass nach dem Ende des Moratoriums 25 Prozent oder mehr der jetzt ausgesetzten Kredite notleidend werden.

Die notwendigen Rückstellungen zehren am Eigenkapital. Die griechische Zentralbank bezifferte im Dezember die Kernkapitalquote (Tier 1) der vier systemischen Institute auf durchschnittlich 14,6 Prozent. Das ist zwar deutlich mehr als die Mindestanforderung von acht Prozent, aber weniger als der Durchschnitt der Euro-Zone.

Lösung: Stournaras schlägt eine Art Bad Bank vor

Die Kapitalausstattung der griechischen Banken hat überdies eine strukturelle Schwäche: Ihr Eigenkapital besteht zu mehr als der Hälfte aus Steuergutschriften aus Verlustvorträgen. Mit zunehmenden Abschreibungen notleidender Forderungen erhöht sich der Anteil dieser Komponente. Notenbankchef Stournaras sieht darin eine große Herausforderung für die Institute.

Der griechische Zentralbank-Gouverneur erwartet, dass auf die großen Geschäftsbanken neue Problemkredite zukommen.

Foto: Bank of Greece

Er schlägt vor, das Problem mit einer Art Bad Bank zu lösen, einer Asset Management Company (AMC). Dieser Zweckgesellschaft sollen die Geldinstitute notleidende Kredite im Volumen von etwa 40 Milliarden Euro übertragen. Der Plan sieht vor, dass die Banken die Problemkredite zum aktuellen Buchwert abgeben, also abzüglich bereits vorgenommener Rückstellungen.

Die AMC würde die Forderungen dann in handelbare Wertpapiere umwandeln. Um sie zu unterlegen, sollen die Banken latente Steuergutschriften in Höhe von 7,5 Milliarden Euro, die sie sich derzeit noch als Eigenkapital anrechnen, an die Zweckgesellschaft abtreten. Damit verlieren die Institute zwar Eigenkapital. Aber die Qualität des Kernkapitals verbessert sich. Die entstehende Kapitallücke von geschätzt fünf Milliarden Euro soll durch die Ausgabe von Genussscheinen gedeckt werden.

Stournaras sieht die Bad Bank als Ergänzung zum „Herkules“-Programm, das die Regierung 2019 einführte. Es ermöglicht den Banken, notleidende Kredite auszulagern. Ähnlich wie das italienische GACS-Modell entlastet das System die Banken, indem es deren notleidende Kredite in Asset-Backed Securities bündelt, die dann an Investoren verkauft werden können.

Die vier systemischen Banken haben im Rahmen des „Herkules“-Programms bisher Problemkredite von 31,4 Milliarden Euro ausgelagert. Der Staat bürgt mit rund zwölf Milliarden Euro für rund ein Drittel dieser Papiere. „Herkules“ soll den Instituten helfen, eine von der EU-Kommission gesetzte Vorgabe zu erreichen: Danach müssen die Banken die Quote der notleidenden Kredite bis Ende 2022 auf fünf Prozent drücken.

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