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Europas größte Bank HSBC warnt vor hohen Kreditausfällen – Gewinn bricht um 82 Prozent ein

Die britische Großbank wurde im zweiten Quartal mit voller Wucht von der Coronakrise getroffen. HSBC-Chef Quinn warnt vor hohen Kreditausfällen.
03.08.2020 Update: 03.08.2020 - 18:28 Uhr Kommentieren
Die Aktie gibt zum Wochenstart deutlich nach, die Anleger sind von den Halbjahreszahlen enttäuscht. Quelle: Reuters
Schriftzug der britischen Großbank HSBC

Die Aktie gibt zum Wochenstart deutlich nach, die Anleger sind von den Halbjahreszahlen enttäuscht.

(Foto: Reuters)

London Die Zahlen fielen noch schlechter aus als befürchtet. Europas größte Bank HSBC meldete im zweiten Quartal einen Rückgang des Vorsteuergewinns um 82 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit mehr als doppelt so viel gerechnet. Netto brach der Gewinn sogar noch stärker ein – um 96 Prozent auf 192 Millionen Dollar.

 Der Grund: Die Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle im Zuge der Coronakrise fielen mit 3,8 Milliarden Dollar deutlich höher aus als erwartet. Zugleich warnte die Bank, die Risikovorsorge für das Gesamtjahr könne nun acht bis 13 Milliarden Dollar betragen. Im April war sie noch von sieben bis elf Milliarden Dollar ausgegangen.

Die Lage hat sich bei allen britischen Banken eingetrübt. Vergangene Woche hatten bereits Barclays, Lloyds, Natwest und Santander UK deutlich höhere Rückstellungen angekündigt. Zusammen mit HSBC haben sie im ersten Halbjahr rund 14 Milliarden Pfund für faule Kredite beiseitegelegt.

Angesichts der schlechten Zahlen brach die HSBC-Aktie am Montag zwischenzeitlich um knapp sieben Prozent ein. Seit Jahresbeginn hat das Papier mehr als 40 Prozent an Wert verloren.

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    Im Unterschied zu den britischen Rivalen Lloyds und Natwest blieb HSBC jedoch in den schwarzen Zahlen. Das sei dem widerstandsfähigen Asiengeschäft und dem starken Wachstum der Investmentbanksparte zu verdanken, sagte HSBC-Chef Noel Quinn.

    Die Investmentbanker machten einen Vorsteuergewinn von 1,7 Milliarden Dollar – ein Plus von 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Geschäft mit vermögenden Privatkunden hingegen fiel der Vorsteuergewinn um 58 Prozent auf eine Milliarde Dollar. Das Firmenkundengeschäft meldete einen Verlust von 500 Millionen Dollar.

    Die Einnahmen der Gruppe gingen um vier Prozent auf 13,2 Milliarden Dollar zurück. Auch hier war eine gegensätzliche Entwicklung zu beobachten: Das Privat- und Firmenkundengeschäft verzeichnete zweistellige Einbrüche, das Investmentbanking hingegen aufgrund des starken Handelsgeschäfts ein Plus von 24 Prozent. Regional zählten China und Indien zu den Lichtblicken, in beiden Märkten wuchsen die Einnahmen.

    Mehr Kapital nach Asien

    Finanzchef Ewen Stevenson bekräftigte die Strategie, Kapital aus den USA und Europa nach Asien umzuschichten. In den USA habe sich die Lage bereits verbessert, nachdem man etliche Filialen geschlossen habe. Man werde weiterhin in allen wichtigen Regionen der Welt vertreten sein, sagte er. „Aber sie müssen auch profitabel sein.“

    Zur Coronakrise kommen bei HSBC die geopolitischen Spannungen als Risiko hinzu. Das global aufgestellte Geldhaus, das einen Großteil seiner Gewinne in Asien macht, war zuletzt zum Spielball im politischen Streit zwischen den USA, Großbritannien und China geworden.

    Die Bank hatte das umstrittene Sicherheitsgesetz in Hongkong unterstützt und war dafür in Großbritannien scharf kritisiert worden. Zugleich hatte China dem Institut vorgeworfen, mit den USA gemeinsame Sache bei der Verfolgung von Huawei zu machen. In chinesischen Staatsmedien wurde mit Einschränkungen des Marktzugangs für HSBC gedroht.

    Quinn wollte in der Telefonschalte mit Journalisten nicht erklären, wie es dazu kam, dass HSBC-Asienchef Peter Wong die Petition für das Sicherheitsgesetz in Hongkong unterzeichnete. So weigerte er sich zu sagen, ob Wong in Absprache mit dem Verwaltungsrat gehandelt habe. Er betonte nur, dass HSBC sich in allen Ländern an die Gesetze halten müsse.

    Der Spagat zwischen den Erwartungen in China und im Westen wird HSBC auf absehbare Zeit begleiten. „Die aktuellen Spannungen zwischen China und den USA schaffen unvermeidlich herausfordernde Situationen“, sagte Quinn. Meinungsunterschiede über „Handel, Technologie, Menschenrechte und den Status Hongkongs“ stellten eine Reihe möglicher Risiken für die Bank dar. Konkret nannte Quinn die Gefahr für Mitarbeiter, Sanktionen, Aufsichts- und Imagefragen.

    Die geopolitische Unsicherheit könne die Bankkunden in der zweiten Jahreshälfte stark belasten, warnte Quinn. Das gelte besonders für Unternehmen, die vom Handelskonflikt zwischen den USA, Großbritannien und China sowie dem Brexit betroffen seien.
    Trotz des Gewinneinbruchs loben die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg die bisher gezeigte Kapital- und Ertragsstärke von HSBC. Die Experten sehen die Bank für die anstehenden Herausforderungen „gut positioniert“.

    Zu diesen Herausforderungen gehört auch der Arbeitsplatzabbau. Quinn will die im Februar angekündigte Streichung von 35.000 Stellen über drei Jahre beschleunigen. Zu Beginn der Pandemie hatte er die Entlassungen zunächst ausgesetzt. Nun prüfe man zusätzliche Einsparungen, sagte der Bankchef. Konkrete Ziele nannte er nicht.

    Es scheint jedoch klar, dass die Coronakrise beim Management ein Umdenken auslöst. Die Reise- und Bürokosten der Bank hätten sich deutlich verringert, sagte Quinn. Die Lehren aus dieser Erfahrung werde man ins künftige Geschäftsmodell aufnehmen. Die Coronakrise biete „eine einmalige Gelegenheit, neu zu denken“.

    Mehr: Wie die Coronakrise die britischen Banken belastet.

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