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European Fintech Association Neuer Verband: Fintechs kämpfen gegen Barrieren im EU-Binnenmarkt

Die European Fintech Association will sich für einheitliche Finanzmarktregeln innerhalb der EU einsetzen. Digitale Angebote stehen im Fokus.
16.06.2020 - 07:00 Uhr Kommentieren
Europäische Fintechs betreiben Lobbyarbeit in Brüssel. Quelle: dpa
EU-Kommission

Europäische Fintechs betreiben Lobbyarbeit in Brüssel.

(Foto: dpa)

Frankfurt Möglichst schnell möglichst viele Kunden gewinnen – das gilt als wichtiger Erfolgsfaktor für junge Unternehmen. Der Heimatmarkt ist den Start-ups dann schnell zu klein und viele orientieren sich zuerst in weitere EU-Länder. Hier gehören Dienstleistungsfreiheit und Kapitalverkehrsfreiheit zu den vier Grundfreiheiten der Europäischen Union, doch in der Praxis gibt es viele Hürden.

Eine Gruppe führender europäischer Finanz-Start-ups hat deshalb die European Fintech Association (EFA) gegründet. Wie das Handelsblatt von Marc Roberts erfuhr, soll an diesem Dienstag ein großes – digitales – Treffen zwischen den rund 20 Verbandsmitgliedern und Vertretern der EU-Kommission den Startpunkt markieren. Roberts ist Vorstandsvorsitzender des Verbands und Chef-Jurist des Berliner Fintechs Raisin,

Neu ist die Idee eines solchen Verbands nicht. Zuvor gab es bereits die European Fintech Alliance – ebenfalls EFA abgekürzt – und die „Fintech4Europe“-Vereinigung. Beide sind in dem neuen Verband aufgegangen. „Die bisherigen Initiativen waren stark aus Deutschland getrieben, der neue Verband soll tatsächlich ein Sprachrohr der europäischen Fintech-Szene werden“, sagt Roberts.

Für die Zukunft sei zudem geplant, ein eigenes Team in Brüssel zu beschäftigen. Vorerst übernimmt diese Aufgabe aber eine Agentur. Finanziert wird die Lobbyarbeit über Mitgliedsbeiträge, erste Gespräche gebe es auch mit möglichen Sponsoren.

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    Zum Vorstand und Gründungsteam des Verbands gehören neben der Raisin – Anbieter der Anlageplattform Weltsparen – auch die Smartphonebank N26, der Fintech-Entwickler Finleap, die britische Kreditplattform Funding Circle, der britische Geldtransfer-Anbieter Transferwise und der italienisch-deutsche Robo-Advisor Moneyfarm. Mit Tink ist unter den Mitgliedern auch ein schwedisches Start-up vertreten, Mintos kommt aus Lettland und AcceptEasy aus den Niederlanden.

    Die Fintechs wollen ihre Interessen insbesondere in die Digital-Finance-Strategie einbringen, an der die EU-Kommission gerade arbeitet. Aber auch abseits davon wollen sie auf Probleme aufmerksam machen. Solche gibt es laut Roberts etwa im Bereich der Kundenidentifikation, die unter anderem der Geldwäsche-Prävention dient.

    „Die gesetzlichen Vorgaben sind häufig so formuliert, dass sie für die Kundenansprache in einer Filiale passen, aber auf digitale Lösungen lassen sie sich kaum anwenden. Dadurch werden digitale Angebote oftmals benachteiligt.“ Und in jedem EU-Land sähen die Vorgaben ein bisschen anders aus.

    Nur manche Lizenzen lassen sich übertragen

    Auch die Vergabe von Lizenzen ist in vielen Geschäftsbereichen von Fintechs EU-weit nicht vereinheitlicht. „Passporting, also das Übertragen einer Lizenz in andere EU-Länder, ist nur für solche Dienstleistungen möglich, die unter die Finanzmarktregulierung Mifid II oder die Richtlinien für Zahlungsinstitute und Banken fallen“, so Roberts. Unter anderem für die Vermittlung von Spareinlagen, wie sie Raisin anbietet, fehle es an einer solchen Harmonisierung.

    Der digitale Vermögensverwalter Moneyfarm profitiert von der Mifid II, „sie hat bereits einiges vereinfacht“, sagt Thomas Völker, Deutschland-Chef von Moneyfarm. „Große Unterschiede sehen wir aber immer wieder bei grenzüberschreitenden Kooperationen zwischen digitalen Anbietern und etablierten Firmen. Die nationalen Regulatoren stellen teils sehr unterschiedliche Anforderungen und es wäre sinnvoll, weitere einheitliche Vorgaben zu definieren, beispielsweise bei der Anbindung von Neukunden.“

    Flora Coleman, Global Head of Government Relations bei Transferwise, sieht unter anderem die IBAN-Diskriminierung als Problem. Sie müsse abgeschafft werden, damit Verbraucher ihre Finanzen im gesamten Binnenmarkt verwalten können. „Viele europäische Institutionen erkennen Kontonummern (IBANs) aus anderen Mitgliedstaaten nicht an“, erläutert Coleman. „Es ist nicht zeitgemäß und im Sinne des europäischen Gedankens, dass Verbraucher mit einer deutschen IBAN im Jahr 2020 beispielsweise nicht für eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio in Spanien bezahlen können.“

    Daneben will sich Coleman auch für ein europäisches Aktienoptionsprogramm einsetzen. Hochqualifizierte Mitarbeiter zu finden und zu halten, gehöre zu den größten Herausforderungen bei der Skalierung eines Technologieunternehmens. „Derzeit nutzen europäische Unternehmen Aktienoptionen nicht effektiv, um Talente anzuziehen, da in einigen Märkten steuerliche Sanktionen verhängt werden“, sagt sie.

    Austausch mit der EU-Kommission

    Solche Barrieren im EU-Binnenmarkt hatte im vergangenen Jahr auch schon der Fintech-Rat in einer Studie thematisiert. Das Gremium berät das Bundesfinanzministerium. „Wir müssen Hindernisse für grenzüberschreitende Tätigkeiten in Europa beseitigen“, sagte Chris Bartz, Chef des Fintechs Elinvar und Vorsitzender des Rates damals dem Handelsblatt.

    Deutschland und Europa hätten insgesamt das Potenzial, „in der Finanztechnologie eine weltweite Führungsposition einzunehmen.“ Auch Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, pflichtete bei: „Wir wollen international ganz vorne mitspielen. Daran arbeiten wir mit Hochdruck.“

    Während der Fintech-Rat in erster Linie innerhalb Deutschlands wirkt, agiert die EFA direkt in Brüssel. Erste Stellungnahmen wurden in den vergangenen Monaten bereits verfasst und auch Kontakte geknüpft.

    In einer Mitteilung zum Start der EFA lässt sich auch Jan Ceyssens zitieren, der die Abteilung Digitale Finanzen bei der EU-Kommission leitet. „Europa fit für das digitale Zeitalter zu machen ist ein Kernelement der Wiederaufbaustrategie. Für Fintechs ist jetzt der richtige Zeitpunkt, gemeinsam in Europa zu sprechen“, sagt er.

    Künftig sollen noch weitere Fintechs in die EFA aufgenommen werden. Ein Verband für sämtliche europäische Fintechs soll daraus aber nicht entstehen, so Roberts. Es komme darauf an, dass die Unternehmen grenzüberschreitend agieren und einen Beitrag zum Verband leisten.

    Mehr: Fintech-Newsblog - Neueste Entwicklungen aus der Branche

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