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Faule Kredite Europas Banken bereiten sich auf schwere Zeiten vor

Die Coronakrise verhagelt den Jahresauftakt der Finanzinstitute Santander und HSBC. Aber auch andere Banken fürchten eine Welle von Kreditausfällen.
28.04.2020 - 20:04 Uhr Kommentieren
Das größte europäische Geldhaus fürchtet einen massiven Anstieg der Kreditausfälle durch die Pandemie. Quelle: AFP
Logo der britischen Bank HSBC

Das größte europäische Geldhaus fürchtet einen massiven Anstieg der Kreditausfälle durch die Pandemie.

(Foto: AFP)

Frankfurt Die Coronakrise stellt Europas Banken vor die größte Herausforderung seit der Finanzkrise. Letzte Zweifel an dieser These beseitigen die Zahlen der Branche für das erste Quartal. Europas größte Bank HSBC musste in den ersten drei Monaten die Vorsorge für Kreditrisiken auf drei Milliarden Dollar aufstocken – so viel wie seit fast neun Jahren nicht mehr.

Vorstandschef Noel Quinn fürchtet, dass sich die Risikovorsorge selbst im optimistischsten Szenario in diesem Jahr auf sieben Milliarden Dollar summieren wird. Im schlimmsten Fall könnten es elf Milliarden Dollar werden, fürchtet die Londoner Bank, die den Großteil ihres Geldes in Asien verdient. In den ersten drei Monaten brach der Gewinn von HSBC um mehr als die Hälfte auf 1,8 Milliarden Dollar ein. Quinn macht dafür vor allem „die wirtschaftlichen Folgen“ der Pandemie verantwortlich.

Ähnlich sieht die Lage bei der spanischen Großbank Santander aus. Das Geldhaus stockte die Risikovorsorge in den ersten drei Monaten um rund 1,6 Milliarden auf 3,9 Milliarden Euro auf. Der Gewinn sackte um 80 Prozent auf 331 Millionen Euro ab. Verwaltungsratschefin Ana Botín kündigte eine Überprüfung der Strategie an, sobald die Auswirkungen der Coronakrise klarer seien.

HSBC und Santander sind keine Einzelfälle. Die größten US-Institute legten im ersten Quartal 25 Milliarden Dollar für drohende Kreditausfälle auf die Seite, und die italienische Großbank Unicredit stockte die Risikovorsorge in den ersten drei Monaten um 900 Millionen Euro auf.

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    Die Ratingagentur Moody’s sieht vor allem für Europas Geldhäuser Probleme durch die Coronakrise und fürchtet trotz der staatlichen Hilfspakete einen deutlichen Anstieg der faulen Kredite. „Die dafür anfallenden Rückstellungen werden die Profitabilität der Banken weiter belasten“, warnen die Experten. Dabei sei die Rentabilität der „meisten europäischen Banken bereits schwach im Vergleich zur globalen Konkurrenz“.

    Bedenken der Aufseher

    Ähnliche Bedenken hegen die Aufseher: „Die Kreditrisiken bereiten uns die größten Sorgen“, sagte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling vor einigen Tagen dem Handelsblatt. Der Notenbanker geht davon aus, dass sich die Folgewirkungen der Coronakrise erst mit Zeitverzug in den Bankbilanzen niederschlagen werden: „Ich erwarte, dass die Belastungen im dritten oder vierten Quartal deutlich zunehmen werden.“

    Aber nicht alle großen europäischen Banken sehen die Zukunft so düster wie HSBC oder Santander. Die Deutsche Bank hat ihre Risikovorsorge im ersten Quartal zwar ebenfalls aufgestockt, aber mit insgesamt 500 Millionen Euro fallen die Rückstellungen deutlich niedriger aus als bei vielen europäischen Konkurrenten. Ein wichtiger Faktor für die vergleichsweise niedrige Vorsorge im ersten Quartal seien die historischen Daten, die in die Berechnung einfließen, heißt es bei der Bank. Auch in der Finanzkrise vor zwölf Jahren hätten sich die Ausfälle beim größten deutschen Geldhaus in Grenzen gehalten.

    Stefan Hoops, Leiter des Unternehmensgeschäfts der Deutschen Bank, räumte im Handelsblatt zwar ein, dass die Zahl der Kreditausfälle in der Branche voraussichtlich steigen werde, aber vor allem deshalb, „weil es in den vergangenen zehn Jahren kaum zu Ausfällen gekommen ist“.

    Außerdem verweisen Experten darauf, dass sowohl HSBC als auch Santander stark in den Schwellenländern vertreten sind, in denen höhere Ausfälle drohen könnten als in Deutschland. Die Deutsche Bank hatte zu Wochenbeginn mit deutlich besseren Quartalszahlen als erwartet überrascht. Analysten hatten mit einem Verlust von 350 Millionen Euro gerechnet, es wurde jedoch ein Nettogewinn von 66 Millionen Euro.

    Zu den Optimisten zählt auch die Schweizer Großbank UBS, bei der sich die Risikovorsorge im ersten Quartal auf 268 Millionen Dollar belief. Ähnlich wie die Deutsche Bank profitierte die UBS von den heftigen Börsenausschlägen infolge der Coronakrise und schaffte in den Monaten Januar bis März sogar das höchste Quartalsergebnis seit fast fünf Jahren.

    Der Gewinn kletterte um 40 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar. Aber auch die UBS wird vorsichtiger, wenn es um die Aussichten für den Rest des Jahres geht: „Wenn wir in die Zukunft blicken, macht sich niemand die Illusion, dass es einfach werden wird“, betonte der scheidende Vorstandschef Sergio Ermotti.

    Die Politik hofft derweil, dass die Banken trotz der wachsenden Gefahr von Kreditausfällen weiter die Unternehmen unterstützen. Dazu soll eine Reihe weiterer vorübergehender Erleichterungen beitragen, die EU-Kommissionsvize Valdis Dombrovskis in Brüssel vorstellte.

    Bei dem Paket geht es zum Beispiel um die Vorgaben zur Berechnung des Kapitals der Banken und um die flexible Auslegung von Regeln für die Bewertung von Darlehen, die zeitweise nicht bedient werden. Wird das Paket komplett umgesetzt, könnten die Banken in diesem Jahr bis zu 450 Milliarden Euro zusätzliche Darlehen vergeben, hofft Dombrovskis.

    Mehr: Bankenverband und Verbraucherschützer streiten um Zinsen für gestundete Kredite.      

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