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Faule Kredite Trotz Warnungen der Aufseher: Sparkassen und Volksbanken sehen sich gut gerüstet

Die Folgen der Corona-Pandemie bergen Gefahren für Banken. Aufseher sind besorgt, doch Volksbanken und Sparkassen äußern sich zuversichtlich.
12.06.2020 - 14:58 Uhr Kommentieren
Die deutschen Sparkassen sehen sich auch nach drei Monaten Coronakrise gut gewappnet. Quelle: XAMAX
Sparkasse in Berlin

Die deutschen Sparkassen sehen sich auch nach drei Monaten Coronakrise gut gewappnet.

(Foto: XAMAX)

Frankfurt Mitte März, kurz nach Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland, haben sich Sparkassen zuversichtlich gegeben, mit den Folgen der Krise fertigzuwerden. Auch fast drei Monate später zeigen sich die großen Financiers des deutschen Mittelstands immer noch optimistisch, dass sie für mehr faule Kredite gewappnet sind – trotz warnender Stimmen europäischer Aufseher und einer Kreditvergabe der Sparkassen in Rekordhöhe.

Sparkassenpräsident Helmut Schleweis sagte dem Handelsblatt: „Die Kreditrisikovorsorge wird sich ausweiten, es wird anstrengend werden.“ Aber man sei gut gerüstet, „weil wir die vergangenen Jahre genutzt haben, um entsprechende Vorsorgereserve anzulegen“.

Dabei spüren die Sparkassen, die Marktführer im Geschäft mit Firmenkrediten sind, längst, dass viele Unternehmen Liquidität zur Überbrückung der Krise benötigen. Die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute haben zuletzt deutlich mehr Kredite vergeben. Im April sagten sie Darlehen an Firmen und Selbstständige für 10,3 Milliarden Euro zu, 40 Prozent mehr als im April 2019.

Seit Jahresbeginn wurden laut dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) 34,4 Milliarden Euro an Krediten zugesagt, zwanzig Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das ist ein Rekord. Zahlen für Mai hat der DSGV noch nicht veröffentlicht.

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    Der Optimismus der Sparkassen steht in Kontrast zu warnenden Stimmen von Aufsehern mit Blick auf Europas Banken. Als Gefahr für die Geldhäuser gilt, dass im Zuge der Coronakrise viele Unternehmen angesichts der Rezession in Schwierigkeiten oder sogar in Existenznot geraten. Eine Folge wäre dann, dass ein Teil der Firmen ihre Kredite nicht mehr bedienen können.

    Die EU-Bankenaufsicht Eba hatte Ende Mai erklärt, sie rechne mit einem deutlichen Anstieg fauler Kredite in den Büchern der Geldhäuser. Es sei klar, dass Banken in ihren Bilanzen bislang nur einen Teil der zu erwartenden Risikovorsorge abgebildet hätten, „der größere Teil wird erst noch kommen“.

    Ähnlich äußerte sich die Europäische Zentralbank. Sie registriert zwar, dass die Banken mit mehr Eigenkapital und Liquidität in die aktuelle Rezession gingen. „Aber sie werden wahrscheinlich mit signifikanten Verlusten und mit weiterem Druck auf ihre Profitabilität konfrontiert werden“, heißt es im jüngsten Finanzstabilitätsbericht der Notenbank. Und Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling sagte kürzlich im Handelsblatt-Interview, er rechne mit einem deutlichen Anstieg der Belastungen im dritten und vierten Quartal dieses Jahres.

    Auch die Deutsche Bank erwartet heftige Einschläge durch die Coronakrise. Das größte deutsche Institut will sehr viel mehr als bisher für faule Kredite zurücklegen. Konkret: Es kündigte an, die Risikovorsorge um 800 Millionen Euro aufzustocken. Für das erste Quartal hatte das Geldhaus gut 500 Millionen Euro beiseitegelegt, deutlich weniger als andere europäische Großbanken wie Unicredit aus Italien und Santander aus Spanien.

    Gleichwohl geht Deutsche-Bank-Finanzvorstand James von Moltke davon aus, dass das zweite Quartal den Wendepunkt für die Risikovorsorge darstellt. Der Finanzvorstand rechnet nicht mit einer weiteren Verschlimmerung der Krise.

    Noch mehr Optimismus bei Genossenschaftsbanken

    Die Sparkassen indes haben sich schon zu Beginn der Coronakrise in Deutschland zuversichtlich geäußert. DSGV-Chef Schleweis hatte darauf verwiesen, dass die knapp 380 deutschen Sparkassen in den vergangenen Jahren kontinuierlich Reserven aufgebaut hätten, „um die vor uns liegende schwierige Zeit bestehen zu können“. Die Sparkassen haben in den vergangenen Jahren trotz der Negativzinsen in der Euro-Zone ordentlich verdient und hohe Summen in die Vorsorgereserven gesteckt. Zudem haben die meisten Häuser deutlich mehr Eigenkapital als gesetzlich mindestens verlangt.

    Ähnliches gilt für die gut 800 Genossenschaftsbanken – die sich noch optimistischer zeigen. Gerhard Hofmann, Vorstandsmitglied ihres Lobbyverbands BVR, betonte, dass die Volks- und Raiffeisenbanken ihre Risiken im Griff hätten. „Einen starken Anstieg der Risikovorsorge erwarten wir derzeit nicht.“

    Zwar müsse die Risikolage angesichts der bestehenden Unsicherheiten im Jahresverlauf zeitnah überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. „Die Genossenschaftsbanken sind aber insgesamt so robust, dass sie die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie gut bewältigen können“, so Hofmann.

    Jens Sträter, Partner der Banken-Beratungsfirma Zeb, attestiert Sparkassen und Volksbanken zwei Polster, die ihnen eine vergleichsweise hohe Risikotragfähigkeit ermöglichten. „Zum einen könnten sie potenzielle Kreditausfälle durch eine noch auskömmliche Gewinnsituation abdecken, zum anderen verfügen sie aktuell noch über regulatorisch nicht vollständig benötigte Eigenkapitalpolster.“

    Sträter meint daher, dass die lokal verwurzelten Kreditinstitute einiges aushalten könnten. Das gelte auch für ihre Firmenkunden, die selbst oft über viel Eigenkapital verfügten.

    Die zuletzt enorm hohe Kreditvergabe der Sparkassen jedenfalls dürfte kaum für mehr Gefahren sorgen. „Das aktuelle Neugeschäft hat im Vergleich zu den Kreditvolumina im Bestand eine vergleichsweise geringe Bedeutung. Potenzielle Risiken stecken daher primär im Kreditbestand,“ erklärt Sträter.

    Mehr: Die Coronakrise treibt die Digitalisierung der Banken voran.

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