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Filialbanken Großbanken und Sparkassen erwägen dauerhaft mehr Homeoffice

Für die Finanzbranche bringt die Coronakrise einen Schub in der Digitalisierung. Weil viele Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten, dürfte das Folgen für die Filialen haben.
19.05.2020 - 12:23 Uhr Kommentieren
Viele Geschäftsstellen von Banken und Sparkassen waren in der Coronakrise zeitweise geschlossen, ein Teil ist wieder geöffnet. Quelle: dpa
Sparkassenfiliale

Viele Geschäftsstellen von Banken und Sparkassen waren in der Coronakrise zeitweise geschlossen, ein Teil ist wieder geöffnet.

(Foto: dpa)

Frankfurt Einen Tag hat Peter Scholten im Homeoffice verbracht. Seitdem ist der Chef der Sparkasse Rhein-Nahe aus Bad Kreuznach wieder im Büro. Seine beiden Vorstandskollegen sind immer abwechselnd in der Sparkasse. Ähnlich ist das Verhältnis bei den Mitarbeitern: Derzeit arbeiten 300 der gut 600 Sparkassen-Mitarbeiter im Homeoffice – eine Übung für die Zukunft.

„So viel Homeoffice und Telefonkonferenzen wären vorher bei uns undenkbar gewesen“, sagt Scholten, der seit 16 Jahren an der Spitze der Sparkasse steht. Es habe sich aber gezeigt, dass die Umstellung gut funktioniert. „Deshalb planen wir jetzt, dass einige Beschäftigte dauerhaft von zu Hause arbeiten. Auch nach der Coronakrise wird ein erheblicher Teil der Mitarbeiter nicht zu 100 Prozent in der Sparkasse sein“, sagt Scholten.

Eine Umwälzung, die vor Kurzem in der Finanzbranche und gerade bei klassischen Filialbanken wie Sparkassen unvorstellbar schien. Doch inzwischen zeichnet sich ab: Die Coronakrise beschleunigt die Digitalisierung in vielen Sektoren, auch bei den Kreditinstituten.

Das gilt sowohl für die Sparkasse Rhein-Nahe aus Bad Kreuznach als auch für internationale Großbanken. Der Trend betrifft das Arbeiten von zu Hause aus, aber auch das Verhalten der Kunden. Die Bedeutung des Onlinebankings wächst weiter. So wird sich auch das Tempo bei den Filialschließungen erhöhen.

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    Für die Geldhäuser ist mehr Digitalisierung dabei kein Selbstzweck. Sie können durch weniger Büroflächen und weniger Filialen sparen. Das dürfte angesichts der Belastungen aus der Coronakrise auch vielfach nötig sein. Die Deutsche Bank, das größte deutsche Geldhaus, geht davon aus, dass die Coronakrise und die dadurch ausgelöste schwere Rezession die gesamte Branche „hart treffen“ wird.

    Weniger Büroraum, geringere Kosten

    Deshalb überlegen einige Geldhäuser, ob sie künftig mehr Homeoffice gewähren oder das sogar forcieren – und so Kosten für die Immobilien sparen. In vielen Großbanken arbeiten derzeit 60 bis 90 Prozent der Mitarbeiter von zu Hause aus.

    Ein Beispiel ist JP Morgan: Ein Teil der rund 250.000 Mitarbeiter der größten amerikanischen Bank könnte abwechselnd im Homeoffice und in der Bank arbeiten. Das erwägt der Co-Präsident von JP Morgan, Daniel Pinto, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Mehr Homeoffice würde Büroraum und Geld sparen, sowie die Nachhaltigkeitsbestrebungen der Bank unterstützen. Und Bankchef James Gorman erklärte, nach Corona werde das Wall-Street-Haus „deutlich weniger Immobilen“ brauchen.

    Manfred Knof, Chef der deutschen Privatkundensparte der Deutschen Bank, hatte dem Handelsblatt kürzlich mit Blick auf gute Erfahrungen mit vielen Mitarbeitern im Homeoffice gesagt: „Sicherlich lassen sich Büroflächen effizienter nutzen. Wir rechnen das momentan einmal mit verschiedenen Annahmen durch.“

    Auch an anderer Stelle treibt die Coronakrise eine Entwicklung voran: Noch mehr Geschäftsstellen als bislang erwartet werden wegfallen. Denn Bankkunden steigen zusehends aufs Onlinebanking um.

    Viele Filialschließungen stehen bevor

    Besonders deutlich könnte der Effekt bei Sparkassen und Volksbanken sein, bei denen bislang viele Kunden den Filialbesuch vorziehen. Scholten geht davon aus, dass sich Kunden dauerhaft anders verhalten: „Viele führen ihre Bankgeschäfte jetzt von zu Hause aus und werden das auch künftig verstärkt tun.“ Für die Sparkasse bedeute das, „dass auch bei uns früher als bisher gedacht Filialen zur Disposition stehen“.

    Für die gesamte Branche rechnet Oliver Mihm, Chef der Beratungsfirma Investors Marketing, mit einem durch die Coronakrise verstärkten Filialabbau. Er prognostiziert, dass die Zahl der Geschäftsstellen bis zum Jahr 2025 auf 16.000 absackt. Das wären 44 Prozent weniger als Ende 2019. Bisher hatte er mit einem Rückgang auf knapp 20.000 gerechnet. Zuletzt gab es rund 27.000 Bankfilialen in Deutschland.

    Mihm verweist darauf, dass viele Geldhäuser Filialen im Zuge der Ausbereitung des Coronavirus vorübergehend geschlossen hatten oder noch haben. „Gerade kleinere Filialen oder nah beieinander liegende Filialen werden auch nach Beendigung der Schutzmaßnahmen teilweise nicht mehr geöffnet werden“, meint er. Kunden würden sich daran gewöhnen, Serviceanliegen und Banking rein über digitale oder telefonische Kanäle zu erledigen oder für komplexere Beratungsanfragen größere Geschäftsstellen aufsuchen.

    Der Wandel ist in vollem Gange: In einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) gaben 13 Prozent an, aufgrund der Covid-19-Pandemie erstmals digitale Kanäle für Bankgeschäfte genutzt zu haben – und die allermeisten waren damit sehr zufrieden. Viele Kunden wollten ihr verändertes Verhalten deshalb beibehalten, betont BCG. „Kunden sind in der Krise digitaler geworden – und wollen nach der Krise digitaler bleiben.“

    Privat- wie Firmenkunden nutzen mehr Onlinebanking

    Beim Bezahlen wird das Phänomen ebenfalls sichtbar: Verbraucher zahlen seit Ausbruch der Corona-Pandemie vermehrt mit Karte – in der Annahme, dass das hygienischer als Bargeld ist. Sollte sich dieser Trend verfestigen, brauchen die Kreditinstitute wahrscheinlich weniger Geldautomaten. Sparkassenchef Scholten sagt dazu: „Wir überlegen, ob wir uns zudem gemeinsam mit Genossenschaftsbanken verstärkt die Nutzung von Geldautomaten teilen.“

    Gemeinschaftsfilialen wie die „Finanzpunkte“ der Taunus-Sparkasse und der Frankfurter Volksbank schweben Scholten aber nicht vor. Die beiden Geldhäuser haben erste gemeinsam genutzte Geschäftsstellen geöffnet, 26 soll es davon bis Jahresende geben. Mit dem Schritt hatten die Frankfurter Volksbank und die Sparkasse aus Bad Homburg bundesweit für Aufsehen gesorgt.

    Neben privaten Kunden wickeln ebenso Firmenkunden noch mehr Bankgeschäfte als bisher digital ab. Auch diese Entwicklung wird durch die Krise beschleunigt. So wollen Tausende Unternehmen Kredite mit Staatshaftung haben, während viele Bankfilialen geschlossen sind. Inzwischen haben mehr als 32.000 Firmen Hilfskredite der Staatsbank KfW beantragt. Es geht um ein Volumen von insgesamt fast 36 Milliarden Euro. Diese Darlehen reichen die jeweiligen Hausbanken an die Unternehmen weiter.

    Sparkassenchef Scholten sagt, dass es auch hier einen großen Wandel gebe. „Die Kommunikation mit den Kunden läuft derzeit, weil so gut wie keine persönlichen Kundentermine stattfinden, via Telefon, E-Mail oder auch Videokonferenzen.“ Gleichwohl bleibt aus seiner Sicht die enge persönliche Beziehung zwischen Berater und Firmenkunde wichtig. Es sei anspruchsvoll, die nötigen Unterlagen für einen der neuen KfW-Kredite zusammenzustellen.

    Ungewisse Zukunftsaussichten

    Im Fall der Sparkasse Rhein-Nahe geht es um 500 Anträge über insgesamt 50 Millionen Euro. Abgelehnt habe sie dabei nur einen niedrigen einstelligen Prozentbereich, und das meist aus formalen Gründen, so Scholten. „Der Kreditbestand werde dadurch steigen. Allerdings würden sich mögliche Probleme erst in einem Jahr oder später zeigen, weil die KfW-Kredite so lange tilgungsfrei seien. „In einem Jahr werden viele Unternehmen von zwei Seiten unter Druck geraten: durch die erhöhte Kredittilgung und durch den Umsatzrückgang.“

    Scholten rechnet zwar damit, dass die Sparkasse in diesem Jahr beim operativen Ergebnis im Plan liegen wird. „Welche Auswirkungen aber hinsichtlich des Bewertungsergebnisses, bei der Risikovorsorge und möglichen Wertberichtigungen am Kapitalmarkt auf uns zukommt, werden wir erst Ende des Jahres abschätzen können.“

    Auch hier erweist sich, dass die Coronakrise kleinen wie großen Geldhäusern auf ähnliche Weise zusetzt. Die Deutsche Bank erwartet, dass die Rückstellungen für das Kreditgeschäft stark steigen – daran könne auch die massive staatliche Unterstützung für Unternehmen und Privatkunden nichts ändern, teilte sie vor wenigen Tagen bei der Vorstellung ihrer Quartalszahlen mit.

    BNP Paribas aus Frankreich und Intesa Sanpaolo aus Italien haben die Risikovorsorge in den ersten drei Monaten bereits deutlich angehoben. Besonders heftig ist der Effekt bei der italienischen Großbank Unicredit, die im ersten Quartal sogar einen Verlust von 2,7 Milliarden Euro machte. Angesichts solcher Zahlen dürften viele Bankvorstände derzeit Sparmöglichkeiten durchrechnen.

    Mehr: Welche Onlinebanken von der Krise profitieren - und welche nicht.

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