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Finanz-Start-ups Investoren stürzen sich auf Zahlungsdienstleister

Der niederländische Zahlungsabwickler Mollie sammelt frisches Kapital ein und ist nun eine Milliarde Dollar wert. Auch andere Firmen aus der Boombranche locken Geldgeber.
08.09.2020 - 00:00 Uhr Kommentieren
Zahlungsdienstleister wie Mollie profitieren vom Boom beim E-Commerce. Das lockt Investoren an. Quelle: E+/Getty Images
Onlineshopping

Zahlungsdienstleister wie Mollie profitieren vom Boom beim E-Commerce. Das lockt Investoren an.

(Foto: E+/Getty Images)

Frankfurt Selbst der milliardenschwere Skandal rund um Wirecard kann dem Boom im Zahlungsverkehr offenbar nichts anhaben. Die Investoren pumpen viele Millionen in den nächsten Hoffnungsträger: Wie das Handelsblatt vorab von dem Unternehmen erfuhr, hat der niederländische Zahlungsdienstleister Mollie gerade 90 Millionen Euro von internationalen Geldgebern erhalten – darunter der US-Risikokapitalgeber TCV, der auch in Airbnb, Netflix und Facebook investiert hat. Die Mehrheit an Mollie hält nach wie vor der Gründer Adriaan Mol.

Insgesamt hat die Firma seit der Gründung im Jahr 2004 nun 115 Millionen Euro eingesammelt. „Dieses neue Investment katapultiert uns in die Liga der Einhörner“, sagte Deutschlandchefin Katharina Meran dem Handelsblatt.

Damit gehört Mollie nun zu jenen Finanztechnologie-Start-ups, die von ihren Investoren mit mindestens einer Milliarde Dollar bewertet werden. Im Segment des Zahlungsverkehrs gehören dazu in Europa bereits Klarna, Checkout, Transferwise und Rapyd. Der US-Wettbewerber Stripe, gegründet 2011, wird sogar mit 36 Milliarden Dollar bewertet, und der Aktienkurs des niederländischen Zahlungsdienstleisters Adyen ist seit dem Börsengang vor gut zwei Jahren nach oben geschnellt. Gleich am ersten Handelstag verdoppelte sich der Börsenwert nahezu, bis heute hat er sich mehr als verfünffacht. Trotz der Wirecard-Pleite scheint das Vertrauen der Investoren in die Branche ungebrochen.

Zahlungsdienstleister wickeln im Auftrag von Händlern Zahlungen ab, online oder auch an der Ladenkasse. Zudem sorgen sie dafür, dass Verbraucher beim Onlineshopping zwischen verschiedenen Bezahlarten wie Rechnung, Paypal, Kreditkarte oder Lastschrift wählen können.

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    Parallel dazu übernehmen die Firmen zusehends Zusatzdienstleistungen wie etwa den Schutz vor betrügerischen Transaktionen oder bieten Kredite an. Für die Verbraucher bleiben sie dabei meist unsichtbar. Nur wenige, wie der US-Vorreiter Paypal oder das schwedische Finanz-Start-up Klarna, haben neben der Zahlungsabwicklung auch eine Bezahllösung für Endkunden im Angebot.

    Lange Zeit galt der Zahlungsverkehr als eher langweiliges Geschäft, bei dem es nur um das Bereitstellen von Infrastruktur geht, mit entsprechend mageren Margen. Das erklärt nach Ansicht von Stefan Huch, Zahlungsverkehrsexperte der Unternehmensberatung Capgemini Invent, warum sich Banken zwischenzeitlich aus dem Bereich zurückgezogen oder ihn vernachlässigt hatten. „Sie haben sich teils lieber dem lukrativen Investmentbanking gewidmet“, meint Huch. „Doch in den vergangenen zehn Jahren hat das Segment stark an Bedeutung gewonnen – angetrieben durch das rasante Wachstum des Online- und Mobileshoppings und einer wachsenden Beliebtheit von Kartenzahlungen.“

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    Einige Finanz-Start-ups haben den Trend schon früh erkannt. Doch neben den Newcomern, zu denen auch die deutsche Firma Heidelpay gehört, haben sich mehrere etablierte Zahlungsdienstleister wie Computop, Payone und Concardis einen hohen Marktanteil gesichert.

    Der Markt ist inzwischen stark umkämpft. Das ist auch in Deutschland spürbar, wie Mollie-Managerin Meran einräumt: „Der Wettbewerb ist hart, aber der Markt ist riesig, und er wächst.“ In diesem Jahr peilt Mollie an, weltweit ein Zahlungsvolumen von mehr als zehn Milliarden Euro abzuwickeln. Damit allerdings ist die Firma noch immer ein Zwerg in der Branche. Über Adyen, ebenfalls mit Hauptsitz in Amsterdam, sind allein im ersten Halbjahr 2020 Transaktionen in Höhe von 129 Milliarden Euro gelaufen.

    Die Coronakrise beflügelt bargeldlose Zahlungen

    Meran gibt sich dennoch optimistisch und sieht Deutschland, wo die Firma seit zwei Jahren aktiv ist, „als entscheidenden Markt“. „Ein Marktanteil von zehn bis 15 Prozent ist unser Ziel“, sagt sie mit Bezug auf das Transaktionsvolumen.

    Die Coronakrise verschafft dem Markt einen weiteren Wachstumsschub. Verbraucher kaufen noch mehr online ein und zahlen auch im stationären Handel weltweit mehr mit Karte oder Smartphone, auch weil sie das als hygienischer empfinden und Bargeld meiden. Der digitale Zahlungsverkehr gehört also relativ gesehen zu den Gewinnern der Coronakrise. Dennoch sind in den kommenden Monaten Einbußen denkbar. Wenn die Wirtschaftsleistung großer Volkswirtschaften einbricht, halten sich viele Menschen mit Ausgaben zurück. Dann schrumpft auch der Zahlungsverkehr.

    Längst haben sich auch klassische Banken wieder auf diesen Geschäftsbereich besonnen. „Schließlich lassen sich hier mit vergleichsweise geringem Risiko stabile Einnahmen erzielen“, erläutert Berater Huch. So vertreibt die Deutsche Bank seit März Zahlungsgeräte für die Ladenkasse. Auch für den E-Commerce will das größte heimische Geldhaus verschiedene Zahlungslösungen integrieren.

    Die Deutschland-Chefin des Zahlungsdienstleisters Mollie will hier einen Marktanteil von 10 bis 15 Prozent erreichen. Quelle: Mollie
    Katharina Meran

    Die Deutschland-Chefin des Zahlungsdienstleisters Mollie will hier einen Marktanteil von 10 bis 15 Prozent erreichen.

    (Foto: Mollie)


    Das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank, das mit seiner Tochter VR Payment seit Langem im Geschäft ist, will den Bereich ebenfalls weiter ausbauen. DZ-Co-Chef Uwe Fröhlich sagte dem Handelsblatt: „VR Payment ist ein solider Ertragsbringer für die DZ Bank, und wir wollen weiter in die Firma investieren.“ VR Payment hat, wie einige Wettbewerber, frühere Wirecard-Kunden angelockt.

    Mit dem Onlinehändler Otto steht ein weiterer neuer Konkurrent in den Startlöchern. Das Hamburger Unternehmen will eine Tochtergesellschaft gründen, die sämtliche Zahlungsfunktionen auf dem Marktplatz abwickeln soll, wie es vergangene Woche ankündigte. Bisher übernehmen verschiedene externe Zahlungsdienstleister diese Funktion für Otto.de. Künftig wird Otto Zahlungen nicht nur für sich selbst abwickeln, sondern könnte das auch für andere Handelspartner übernehmen. Stefan Quermann, Zahlungsexperte beim Berater Capco, meint, dass Otto damit zwar spät starte, „aber einen Vorteil hat, weil das Unternehmen den Handel gut kennt“.

    Die Aufholjagd der Newcomer ist jedenfalls nicht einfach. Nach Ansicht von Oliver Hommel, Zahlungsexperte von Accenture, ist es „schwer, einen signifikanten Marktanteil zu erreichen“. „Der Markt ist im Wesentlichen besetzt und stark umkämpft – selbst mit Blick auf die kleineren Händler.“ Das zeigt aus seiner Sicht auch die Wirecard-Pleite: „In ihren Grundservices sind Zahlungsdienstleister stark austauschbar. Händler konnten sehr schnell von Wirecard zu einem anderen Zahlungsdienstleister wechseln.“

    Um auf Dauer erfolgreich zu sein, kommt es laut Hommel auf Größenvorteile an: „Je mehr Zahlungen ein Anbieter abwickelt, desto attraktivere Preise kann er seinen Kunden anbieten.“ Dass eine Vielzahl kleiner Anbieter dauerhaft am Markt bestehen kann, ist daher unwahrscheinlich, meint auch Berater Huch. „Viele Fintechs sind noch nicht in der Profit-Zone, deshalb ist besonders in diesem Bereich mit weiteren Übernahmen zu rechnen.“

    Mollie-Managerin Meran kennt die Herausforderungen und sieht den Vorteil ihres Unternehmens gegenüber einigen etablierten Anbietern darin, dass Mollie „nicht nur die Software für die Zahlungsabwicklung verbessert, sondern auch deren Einbindung in die Systeme der Händler extrem vereinfacht“. Dabei will Mollie sowohl kleine als auch mittelständische Unternehmer im E-Commerce ansprechen. Mit dem neuen Kapital der Investoren solle in erster Linie die internationale Expansion beschleunigt und das Wachstum in bestehenden Märkten vorangetrieben werden. Geplant seien zudem neue Finanzdienstleistungsprodukte für Händler in ganz Europa.

    Auch mögliche Zukäufe seien Teil der „Strategiearbeit, und wir lehnen diese grundsätzlich nicht ab“, so Meran. Gut möglich also, dass Mollie über kurz oder lang selbst die Konsolidierung am Markt vorantreibt.

    Mehr: Die deutschen Banken legen ihre Onlinebezahlverfahren Paydirekt und Giropay zusammen.

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