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Finanz-Start-ups Weniger Geld, aber mehr Kooperationen: Das Verhältnis von Fintechs und Banken wandelt sich

Banken und andere Unternehmen halten sich bei Investitionen in Finanz-Start-ups zurück. Sie gehen aber verstärkt Partnerschaften ein – auch wegen der Coronakrise.
01.12.2020 - 14:51 Uhr Kommentieren
Banken und Versicherer arbeiten in der Coronakrise verstärkt mit Fintechs zusammen. Quelle: dpa
Banken in Frankfurt

Banken und Versicherer arbeiten in der Coronakrise verstärkt mit Fintechs zusammen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Fintechs trifft die Coronakrise in doppelter Hinsicht. Nicht nur sammeln sie weniger Geld von Wagniskapitalgebern ein. Auch Finanzinstitute halten sich mit Beteiligungen an deutschen Finanz-Start-ups zurück. So sinkt die Anzahl der neuen finanziellen Engagements durch Banken, Versicherer und andere Unternehmen in diesem Jahr deutlich, stellt die Unternehmensberatung PwC in ihrer jüngsten Studie fest.

Für die ersten neun Monate 2020 registriert PwC 90 Beteiligungen – fast 38 Prozent weniger als im Vorjahr. Per Ende September 2019 waren es 144, im Gesamtjahr 181. „Die Coronakrise hat die Investitionslaune strategischer Investoren vorerst deutlich gebremst“, sagt Sven Meyer, Fintech-Experte bei PwC.

Immerhin: Der längerfristige Vergleich erzeugt Optimismus. So gibt es in den ersten neun Monaten 2020 fast so viele Beteiligungen wie im selben Zeitraum 2016. „Ich betrachte es als positiv, dass die finanziellen Engagements nicht deutlicher zurückgegangen sind“, meint Meyer. „Es stehen offensichtlich viele Banken und Versicherer dazu, sich finanziell an Fintechs zu beteiligen.“

Anders stellt sich die Entwicklung im Bereich der Kooperationen zwischen Fintechs und Banken sowie Versicherern dar. Partnerschaften dieser Art hat die Coronakrise keineswegs ausgebremst. In den ersten neun Monaten 2020 gab es mit 245 neuen Kooperationen sogar etwas mehr als ein Jahr zuvor, ergab die PwC-Studie.

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Standort erkennen

    Für die Erhebung haben PwC und der Datenspezialist Barkow Consulting gezählt, wie viele deutsche Fintechs mit Banken, Versicherern oder anderen Unternehmen neu kooperieren – auch wenn diese Partner nicht aus Deutschland stammen. Zugleich wurde registriert, inwiefern deutsche Banken und Versicherer die Zusammenarbeit mit Fintechs, unabhängig von deren Standort, gestartet haben.

    Während einige Start-ups explizit gegen etablierte Player in der Finanzbranche antreten und um dieselben Kunden kämpfen, will der Großteil mittlerweile mit Banken und Versicherern zusammenarbeiten. Das Geschäftsmodell vieler Fintechs ist es sogar, als Dienstleister für die Finanzbranche zu agieren.

    Coronakrise als Beschleuniger

    Den Anstieg der Kooperationen gerade im zweiten und dritten Quartal führt Meyer sogar unter anderem auf die Coronakrise zurück. Denn auch sie gilt als Treiber der Digitalisierung in vielen Branchen. Zahlreiche Fintechs setzen auf bestimmte digitale Geschäftsmodelle, die in Zeiten von Corona-bedingten Abstandsregeln und physischer Distanzierung besonders gefragt sind.

    „Ich gehe davon aus, dass einige Banken und Fintechs eine ohnehin geplante Zusammenarbeit beschleunigt haben“, sagt Meyer. So haben beispielsweise die Deutsche Vermögensberatung AG (DVAG) und die Berliner Fintech-Schmiede Finleap den Start ihrer Berater-App schon vorgezogen – ursprünglich wollten sie im zweiten Halbjahr 2020 starten.

    Es gibt aber Fälle, in denen Fintechs gerade in der Coronakrise eine Bank als Partner brauchten. Das gilt zum Beispiel für Penta. Die Geschäftskundenbank blieb bei der Vergabe von Corona-Schnellkrediten der Staatsbank KfW außen vor. Die Volksbank Bielefeld-Gütersloh sprang dem Fintech zur Seite. Penta-Kunden aus der Region konnten über die Volksbank KfW-Hilfen beantragen.

    Volksbank-Vorstand Ulrich Scheppan meint, dass die Kooperation ohne die Coronakrise wohl nicht zustande gekommen wäre. Er setzt darauf, dass das genossenschaftliche Geldhaus perspektivisch von Pentas Know-how profitieren kann. Weitere Kooperationen seien denkbar, beispielsweise bei der Prüfung persönlicher Daten und Geschäftsdaten von Kunden.

    Finanz-Start-ups sind in vielen verschiedenen Spezialgebieten aktiv, etwa im Privatkundengeschäft, im Zahlungsverkehr, im Rechnungswesen, in Vertrieb und Digitalisierung von Versicherungsprodukten, als Immobilienspezialisten oder als digitaler Vermögensverwalter.

    Die Zahl der Fintech-Gründungen ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Ein erheblicher Teil der Start-ups konnte sich aber nicht behaupten und verschwand durch Pleiten oder auch durch Übernahmen vom Markt.

    Kooperationen im Fintech-Sektor immer komplexer

    Derzeit haben Fintechs gegenüber anderen Start-ups einen Vorteil: Sie agieren in der Finanzbranche, die zumindest bislang von der Krise nicht so hart getroffen wurde wie manch anderer Wirtschaftssektor. Viele Geldhäuser haben daher vor der Coronakrise geplante Kooperationen weiterhin verfolgt und nicht gestoppt.

    Die Deutsche Bank etwa bietet seit Oktober an, dass Kunden verschiedene Versicherungen im Onlinebanking und ihrer Banking-App verwalten können. Dabei arbeitet das größte deutsche Geldhaus mit Friendsurance zusammen – auch diese Kooperation war schon vor Langem avisiert.

    Daneben zeigt sich sowohl bei Banken als auch bei Versicherern, dass gerade diejenigen Unternehmen, die schon viel mit Fintechs kooperieren, ihre Bereitschaft für Zusammenarbeit noch ausgeweitet haben. Die fünf Banken sowie fünf Versicherer, die bereits besonders kooperationsfreudig sind, erhöhten die Zahl der Partnerschaften 2020 jeweils um fast 20 Prozent.

    Diese Statistik verdeutlicht: Auch im Versicherungssegment haben sich viele Fintechs etabliert. Viele Versicherer sind zuletzt bei Fintech-Kooperationen sehr aktiv geworden. Sie sind damit später gestartet als Banken, gehen in diesem Jahr aber der PwC-Berechnung zufolge sogar etwas mehr Partnerschaften ein als Geldhäuser.

    Die Folge, die PwC erkennt: Das Kooperationsnetz im Fintech-Sektor wird insgesamt immer komplexer – und diese Komplexität nimmt „mit großer Geschwindigkeit weiter zu“.

    Mehr: Die Berliner Smartphonebank N26 will Einnahmen durch Kontogebühren steigern.

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