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Finanzbranche Deutsche-Bank-Chef rechnet mit Marktbereinigung nach der Coronakrise

Christian Sewing erwartet, dass es nach der Pandemie zu einer beschleunigten Konsolidierung des fragmentierten europäischen Bankensektors kommt.
22.06.2020 - 18:39 Uhr Kommentieren
Finanzbranche: Deutsche-Bank-Chef Sewing rechnet mit Marktbereinigung nach Corona Quelle: dpa
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing

Steigender Kostendruck durch die Corona-Pandemie.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Coronakrise wird die Finanzbranche aus Sicht von Christian Sewing nachhaltig verändern. „Der Bankensektor wird nach dem Ende der Pandemie anders aussehen“, sagte der Deutsche-Bank-Chef am Montag beim „Frankfurt Finance Summit“. Sewing ist optimistisch, dass sein Institut am Ende zu den Krisengewinnern gehört.

Große Banken müssten auf Druck der Finanzaufsicht zwar dickere Sicherheitspuffer vorhalten als kleinere Institute, sagte Sewing. Sie würden deshalb aber auch als stabiler angesehen. „In turbulenten Zeiten haben Marktführer somit einen klaren Vorteil.“ Kleine Geldhäuser könnten dagegen leichter umkippen.

Vor diesem Hintergrund ist Sewing überzeugt, dass es zu einer beschleunigten Konsolidierung des Bankensektors kommt. „Das wird nicht kurzfristig passieren. Aber wenn die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie geklärt sind, wird es bei diesem Thema zu mehr Bewegung kommen.“

Weil der europäische Bankenmarkt zu fragmentiert sei, könnten Geldhäuser dort aktuell deutlich weniger Geld für die Digitalisierung ausgeben als ihre Wettbewerber aus den USA, erklärte Sewing.

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    Die Deutsche Bank investiere pro Jahr rund vier Milliarden Euro in Technologie, manche US-Bank 16 bis 20 Milliarden. „Das zeigt, dass wir andere Größenordnungen brauchen, wenn wir bei der Gestaltung der Zukunft vorne dabei sein wollen“, sagte Sewing.

    Wenn die Banken- und Kapitalmarktunion weiter vorangeschritten sei, braucht es aus seiner Sicht deshalb größere europäische Banken. Ob diese durch nationale oder grenzüberschreitende Fusionen entstehen, sei zweitrangig.

    Im vergangen Jahr waren Fusionsgespräche zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank gescheitert. Viele Experten gehen jedoch davon aus, dass es früher oder später zu einem neuen Anlauf kommen wird.

    Nachhaltigkeit genauso wichtig wie Kreditrating

    Bafin-Chef Felix Hufeld erklärte bei der Finanzkonferenz, er habe als Bankenaufseher keine Präferenz für oder gegen Fusionen. Gerade große Transaktionen seien allerdings „nicht so einfach“.

    Banken bräuchten dafür sehr viel Kapital. Der Käufer müsse seinen Aktionären erklären können, dass eine Übernahme für sie attraktiv sei. Zudem binde ein Zusammenschluss viel Managementkapazitäten, sagte Hufeld. „Das erklärt, warum das Spitzenmanagement von großen Finanzkonzernen bei dem Thema eher vorsichtig ist.“

    Deutsche-Bank-Chef Sewing sieht neben dem Thema Größe vier weitere Trends, die den Bankensektor in den nächsten Jahren verändern werden. „Der Druck, die Kosten zu senken, wird noch größer werden“, betonte er. Um dies zu erreichen und zusätzliche Ertragspotenziale zu erschließen, müssten Geldhäuser noch stärker auf Technologie setzen.

    Darüber hinaus wird im Zuge der Coronakrise aus Sicht von Sewing das Risikomanagement an Bedeutung gewinnen. Das Gleiche gelte für das Thema Nachhaltigkeit. „In ein paar Jahren wird das Nachhaltigkeitsrating eines Unternehmen genauso wichtig sein wie sein Kreditrating.“

    Eine sehr gefährliche Phase

    Bafin-Chef Hufeld forderte die Geldhäuser erneut auf, sich konsequenter auf ihre Stärken zu konzentrieren. „Selbst ein Global Player wie die Deutsche Bank kann nicht alles gleichzeitig anbieten“, sagte Hufeld. Grundsätzlich ist er weiter zuversichtlich, dass Corona nicht zu einer neuen Bankenkrise führt. Aber noch sei es zu früh, Entwarnung zu geben.

    Bei der ersten Welle der Krise habe das Thema Liquidität im Vordergrund gestanden, berichtet Hufeld. Hier habe es von Mitte März bis Anfang April eine sehr gefährliche Phase gegeben. „Bestimmte Teile des Finanzmarkts in Deutschland und im Ausland waren kurz davor, komplett auszutrocknen“, sagte Hufeld. „Wir standen kurz vor einem Domino-Effekt, der der Finanzkrise von 2018 geähnelt hätte.“

    Das Liquiditätsrisiko sei nun fürs Erste gebannt, erklärte Hufeld. „Aber es könnte zurückkommen, falls es einen sehr gravierenden zweiten Lockdown geben sollte.“

    In einer zweiten Welle würden den Banken nun Kreditausfälle zusetzen, sagte Hufeld. Drittens gebe es dann noch die politische Gefahr, dass sich alle Beteiligten an die Krisenmaßnahmen gewöhnen und so wirtschaften, als blieben diese dauerhaft in Kraft.

    Mehr: Bafin-Chef räumt Fehler im Wirecard-Skandal ein – „Es ist eine Schande“

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