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Finanzbranche Die Coronakrise drückt die Ergebnisse der US-Banken

Investoren erwarten weitere Kreditausfälle, die das Ergebnis im zweiten Quartal schmälern. Aber das Investmentbanking und der Handel sind wahrscheinlich gut gelaufen.
13.07.2020 - 04:03 Uhr Kommentieren
Das Geldhaus muss voraussichtlich die Dividende kürzen. Quelle: Reuters
Wells-Fargo-Niederlassung in Denver mit historischer Kutsche

Das Geldhaus muss voraussichtlich die Dividende kürzen.

(Foto: Reuters)

New York Die US-Geldhäuser stehen im Vergleich zur europäischen Konkurrenz sehr robust da, obwohl in ihrem Heimatmarkt das Coronavirus ungleich stärker wütet. Aber sie bekommen die Folgen der Seuche zu spüren. „Die Ergebnisse des zweiten Quartals werden chaotisch“, schreibt Jefferies-Analyst Ken Usdin über die US-Banken, die diese Woche ihre Zahlen vorlegen. Chaotisch, das ist derzeit das richtige Wort, um die Lage zu beschreiben. Wie fast überall auf der Welt können manche Kunden ihre Kredite nicht bedienen und drücken niedrige Zinsen die Margen. Das Handels- und Investmentbanking-Geschäft läuft dagegen bestens.

JP Morgan, Citigroup und Wells Fargo werden am Dienstag den Auftakt machen und Einblick in die Lage geben. Am Mittwoch ist Goldman Sachs an der Reihe, und am Donnerstag folgen Morgan Stanley und Bank of America. Anders als die meisten europäischen Banken hatten die US-Banken bereits im ersten Quartal hohe Summen für Kreditausfälle zurückgelegt. Investoren wollen nun wissen, ob das reicht.

Bankenanalyst Mike Mayo von Wells Fargo sprach gegenüber dem Wirtschaftssender CNBC von einer erneuten „Ergebnis-Hölle“, die sich nach dem ersten Quartal im zweiten Vierteljahr wiederholen werde. Er rechnet damit, dass einige Banken deutlich mehr Reserven zurücklegen müssen. Das zweite Quartal werde das schlechteste seit der Finanzkrise, zum Teil mit einer Halbierung der Gewinne. Die gute Nachricht: Damit sei das Schlimmste vorbei, glaubt Mayo.

Die Zinsmarge schmilzt

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    Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank rechnet bei den US-Banken sogar mit Gewinnrückgängen von knapp 70 Prozent im Vergleich zum gleichen Quartal im Vorjahr. Als einen Grund nennt auch er eine deutlich ausgeweitete Vorsorge für ausfallgefährdete Kredite. „Der Lockdown dürfte bei zahlreichen Kreditnehmern – Privat- wie Geschäftskunden – Spuren in den Vermögensverhältnissen hinterlassen haben, weshalb einige Kunden Schwierigkeiten bekommen sollten, ihre Bankkredite zu tilgen“, erklärt er. Zum anderen dürfte wegen des gesunkenen Zinsniveaus die Marge im Vergleich zu den Vorquartalen geringer ausgefallen sein.

    Analyst Usdin von Jefferies rechnet ebenfalls mit hohen Kosten für die Vorsorge, da das Konjunkturumfeld unsicher bleibt. Er weist darauf hin, dass traditionelle Kriterien für die Kreditvergabe und Rückzahlungsforderungen „durch Stundungs- und Aufschubprogramme außer Kraft gesetzt werden, da viele Banken derzeit weitere Aufschübe jenseits der ursprünglichen Fristen erwägen“.  David George, Analyst bei Baird Equity Research, rechnet damit, dass der Boden erreicht ist, das Umfeld aber immer noch schwierig bleibt.

    Die Marktbeobachter werden vor allem genau hinhören, wenn es um die Erwartungen für den Rest des Jahres geht. In den USA steigt die Zahl der Corona-Infizierten weiter dramatisch an. Nur im einstigen Hotspot New York sind sie derzeit rückläufig. Diese Entwicklung könnte die Wiederöffnung der Wirtschaft und damit das klassische Kreditgeschäft weiter gefährden.

    Im Investmentbanking und Handel dagegen erwarten viele Analysten gute Ergebnisse. Volatile Märkte bringen Provisionen. Außerdem haben im zweiten Quartal viele Unternehmen Anleihen begeben und Aktien am Markt platziert, um sich für die Coronakrise finanziell zu wappnen. Das dürfte Geldhäusern mit starkem Investmentbanking wie J.P. Morgan, Morgan Stanley und Goldman Sachs geholfen haben. JP-Morgan-Chef Jamie Dimon hatte Ende Mai betont, das Handelsumfeld bleibe im zweiten Quartal genauso stark wie im ersten. „Was den Ausblick angeht, erhoffen wir von J.P. Morgan mehr Details, wie sie den Rest von 2020 sehen, in denen die Trends in der Konjunktur, bei den Zinsen und auf den Märkten unsicher bleiben“, schreibt Jason Golfberg von Barclays, der weniger optimistisch als seine Kollegen ist. Morgan-Stanley-CEO James Gorman hatte aber bereits gesagt, dass er für das zweite Quartal weniger Bedarf an Kreditvorsorge sieht als für das erste.

    Fed lässt Ausschüttungen zu

    Anders sieht die Lage bei Wells Fargo aus. Dort hat Bankchef Charlie Scharf bereits gewarnt, dass die Kreditausfälle im zweiten Quartal die Reserve von 3,1 Milliarden Dollar aus dem ersten Quartal übersteigen werden. Die Bank erwartet für das gesamte Jahr ein elf Prozent niedrigeres Zinsergebnis als 2019. Die Dividende soll gekürzt werden.

    Von Goldman Sachs erwartet der Stratege Dick Bove von Odeon Capital gute Ergebnisse im Investmentbanking und in der Vermögensverwaltung. Kreditausfälle könnte es dagegen im noch jungen Kreditkarten- und Verbraucherkreditgeschäft der Onlinetochter Marcus geben.

    Immerhin werden die meisten US-Banken ihre Ausschüttungen wohl beibehalten. Die jüngsten Stresstests haben sie fast alle gut überstanden. Die Fed hat den amerikanischen Geldhäusern Ende Juni bescheinigt, dass sie ausreichend kapitalisiert sind. Damit werden alle großen Banken bis auf Wells Fargo ihre Dividenden trotz der schwierigen Konjunktur und geringerer Gewinne wohl genauso hoch halten wie bisher. Anders als in Europa verzichtete die Notenbank in den USA darauf, Ausschüttungen zu blockieren. Sie verbot lediglich, die Dividenden anzuheben, und legte eine neue Formel für die Berechnung der maximalen Höhe vor, die die Gewinne vom dritten Quartal 2019 bis zum zweiten Quartal dieses Jahres mit einbezieht. Auf Aktienrückkäufe haben die Finanzinstitute seit Beginn der Coronakrise ohnehin verzichtet.

    Mehr: Die Fed lockert die Stresstests zur falschen Zeit. Ein Kommentar.

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