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Martin Zielke (li.), Stefan Schmittmann

Das Führungsduo verlässt das Institut.

(Foto: dpa)

Finanzbranche Die wichtigsten Fragen und Antworten nach dem Doppelrücktritt bei der Commerzbank

Mit ihren Rücktrittsankündigungen haben Vorstandschef Martin Zielke und Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann die Finanzwelt überrascht. Was ist passiert, und wie geht es weiter?
04.07.2020 - 15:20 Uhr Kommentieren

Frankfurt Rote Zahlen wegen der Coronakrise, Kritik von der Bundesregierung und ein Brandbrief vom Großaktionär Cerberus: Der Druck auf das Management der Commerzbank ist zuletzt stetig gestiegen.

Dennoch kam es für viele überraschend, dass Vorstandschef Martin Zielke und Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann am Freitagabend ihren vorzeitigen Rückzug verkündeten. Schmittmann will am 3. August aufhören, Zielke spätestens Ende des Jahres.

Über den genauen Zeitpunkt von Zielkes Ausscheiden sowie über das weitere Vorgehen der Bank will der Aufsichtsrat am kommenden Mittwoch beraten. Aktuell befindet sich das Geldhaus im Schockzustand. Viele fragen sich, wie es so weit kommen konnte – und wie es weiter geht.

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

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    1. Warum ist es zum Doppelrücktritt gekommen?

    Ausschlaggebend für Zielkes Rücktritt war Finanzkreisen zufolge die Kritik des Großaktionärs Cerberus, die inhaltlich auch von anderen Investoren und der breiten Öffentlichkeit geteilt wurde. Zielke wurde in den letzten Tagen klar, dass er nicht mehr genügend Rückhalt für den anstehenden Umbau des Geldhauses hat.

    Deshalb entschied sich der 57-Jährige, den Weg für einen Neuanfang frei zu machen. „Die Bank braucht eine tiefgreifende Transformation und dafür einen neuen CEO, der vom Kapitalmarkt auch die notwendige Zeit für die Umsetzung einer Strategie bekommt“, sagte Zielke.

    Aufsichtsratschef Schmittmann hätte nicht zwingenderweise auch zurücktreten müssen. Aber der Chefkontrolleur ist ein geradliniger Mensch. Und er wollte nicht einfach den Vorstandschef austauschen, um seinen eigenen Posten zu retten.

    Er habe alle Entscheidungen des Vorstands mitgetragen und übernehme mit seinem Rücktritt auch die Verantwortung für die am Kapitalmarkt durchgefallene Strategie „Commerzbank 5.0“, erklärte er. Insidern zufolge empfand Schmittmann zudem die Kritik von Cerberus an ihm und der Bank als respektlos – und wollte sich dies nicht länger antun.

    2. Welche Rolle hat die Bundesregierung gespielt?

    Auch in der Bundesregierung, die nach der staatlichen Rettung des Instituts in der Finanzkrise noch 15,6 Prozent an der Bank hält, sind viele unzufrieden mit der Entwicklung des Geldhauses. Um für neue Impulse zu sorgen, hat der Bund mit Jutta Dönges und Frank Czichowski im Mai zwei neue Aufsichtsräte in das Kontrollgremium der Bank wählen lassen.

    Zudem hat die Finanzagentur, die den Anteil des Bunds verwaltet, die Commerzbank von der Beratungsgesellschaft BCG durchleuchten lassen. Auf einen Rücktritt von Zielke und Schmittmann habe die Bundesregierung jedoch nicht gedrängt, sagten mehrere mit dem Thema vertraute Personen.

    Klaus Nieding, der Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), findet die Zurückhaltung des Bundes gut. „Der Staat war noch nie der bessere Unternehmer“, sagt Nieding. FDP-Finanzexperte Frank Schäffler sieht die Rolle der Bundesregierung kritischer. „Anscheinend will sich das Bundesfinanzministerium nicht selbst die Finger schmutzig machen, sondern schickt den Finanzinvestor Cerberus vor“, sagt der Bundestagsabgeordnete.

    3. Was haben Zielke und Schmittmann falsch gemacht?

    Zielke und Schmittmann haben viele Probleme von ihren Vorgängern geerbt. Durch strategische Fehlentscheidungen (Dresdner Bank, Eurohypo, Schiffsfinanzierungen) und marktbedingte Faktoren (Niedrigzinsumfeld) sei die Commerzbank von einer Schrumpfkur in die nächste geschlittert, ohne eine tragfähige Strategie zu entwickeln, sagt Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies der Frankfurter Goethe-Universität. „Nun fehlt der finanzielle Spielraum, wachsen zu können, was sie eigentlich müsste.“

    Vorwerfen kann man Zielke und Schmittmann jedoch, dass ihre im September 2019 vorgestellte Strategie „Commerzbank 5.0“ nicht radikal genug war – und die Ziele zu wenig ambitioniert. „Die Commerzbank hat es nach der geplatzten Fusion mit der Deutschen Bank versäumt, einen harten Schnitt zu machen, so wie es Christian Sewing bei der Deutschen Bank getan hat“, sagt DSW-Vizepräsident Nieding.

    „Der Plan B der Commerzbank war ein lauer Aufguss von dem, was die Bank vorher auch schon gemacht hat“, findet Nieding. Nach heftiger Kritik von Investoren und der Finanzaufsicht versprach die Commerzbank zwar umgehend, nachzubessern. Aber unter dem Strich habe das Institut dadurch ein Jahr verschenkt, kritisiert Nieding.

    4. War der Doppelrücktritt richtig?

    Dazu gibt es unterschiedliche Ansichten. „Neue Besen kehren gut – und bringen vielleicht auch neuen Schwung“, sagt Nieding. FDP-Finanzexperte Schäffler sieht das ähnlich. Die Commerzbank müsse vorankommen, betont Schäffler. „Dies scheint nicht der Fall gewesen zu sein, daher ist eine Veränderung in der Führung und damit die Möglichkeit für einen Strategiewechsel sinnvoll.“

    Der Großaktionär Cerberus sieht den Rückzug von Zielke grundsätzlich positiv, wie es im Umfeld des Finanzinvestors heißt. Nicht gut ist aus Sicht der Amerikaner dagegen, dass Schmittmann ebenfalls hinschmeißt und somit ein Führungsvakuum entsteht.

    Auch Bankenexperte Brühl findet es schlecht, dass Vorstandsboss und Aufsichtsratschef gleichzeitig gehen und ihre Nachfolge noch nicht geklärt ist. „Beide hätten aus Verantwortung gegenüber den Kunden und Mitarbeitern abwarten müssen, bis ein Nachfolger präsentiert wird“, sagt Brühl. „So ist ein großer Schaden für die Bank entstanden.“

    5. Wird jetzt alles besser?

    Davon ist nicht auszugehen. Die Zinsen werden noch lange niedrig bleiben, und der Wettbewerb am deutschen Bankenmarkt bleibt hart. Zudem kommen auf die Commerzbank im Zuge der Coronakrise mehr Firmenpleiten und Kreditausfälle zu. „Bei der Commerzbank werden jetzt keine blühenden Landschaften ausbrechen, nur weil Zielke und Schmittmann weg sind“, sagte DSW-Vizepräsident Nieding. „Das ist nicht an zwei Personen gebunden.“

    Der Linken-Finanzexperte Fabio de Masi sieht das ähnlich. „Rücktritte ersetzen keine überzeugende Strategie“, betont der Bundestagsabgeordnete. „Cerberus will kurzfristige Renditen durch Stellenabbau und Beratungsmandate von der Commerzbank. Was die Commerzbank aber braucht ist, eine mittelfristige Strategie.“

    Der aktuelle Vorstand wollte seine neue Strategie eigentlich Anfang August vorlegen – und dachte dabei Finanzkreisen zufolge darüber nach, bis 2023 zwischen 7000 und 11.000 Arbeitsplätze zu streichen. De Masi fordert, dass die Bank dabei auf Altersteilzeitmodelle setzt – und auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet.

    Commerzbank-Insider gehen jedoch davon aus, dass sich die Verabschiedung einer neuen Strategie verschieben könnte. Man müsse zunächst Nachfolger für Schmittmann und Zielke finden, bevor man Entscheidungen über die künftige Ausrichtung des Instituts treffen könne, sagten mehrere mit dem Thema vertraute Personen.

    6. Wer könnte Zielke und Schmittmann nachfolgen?

    Intern gelten Firmenkundenchef Roland Boekhout und Finanzchefin Bettina Orlopp als Kandidaten für die Zielke-Nachfolge. Orlopp genießt in der Bank und bei Investoren einen exzellenten Ruf. Sie hat allerdings erst im März die Nachfolge von Stephan Engels als CFO angetreten. Manche Experten bemängeln zudem, sie habe nicht genügend Erfahrung im operativen Geschäft.

    Das trifft auf Boekhout nicht zu. Er war lange Chef der Direktbank ING Diba in Deutschland und wechselte Anfang des Jahres vom niederländischen Mutterkonzern ING nach Frankfurt. Dass der Niederländer kein Commerzbank-Urgestein ist und beim Umbau des Instituts keine Rücksicht auf alte Seilschaften nehmen müsste, wäre aus Sicht von Investoren ein weiterer Vorteil.

    DSW-Vizepräsident Nieding fände es noch besser, wenn die Bank einen CEO von außen verpflichtet. „Ich würde eine externe Lösung präferieren.“ Allerdings räumt Nieding ein, dass es schwer werden dürfte, extern kurzfristig einen geeigneten Vorstandschef zu finden.

    Als ein Kandidat für die Nachfolge von Chefkontrolleuer Schmittmann gilt Nicholas Teller, der seit 2014 im Aufsichtsrat der Bank sitzt. Von 1982 bis 2008 hat er selbst für das Institut gearbeitet, seitdem ist er für die Hamburger Finanzholding E.R. Capital tätig.

    Bisher ist jedoch unklar, ob Teller überhaupt Chefkontrolleuer werden will. Fürs Erste könnte somit auch der stellvertretende Aufsichtsratschef Uwe Tschäge übernehmen, der Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats.

    7. Kommt es zu einem neuen Fusionsanlauf mit der Deutschen Bank?

    Davon gehen die meisten Beteiligten zumindest kurzfristig nicht aus. Beide Institute haben sich schließlich erst im vergangenen Jahr nach mehrwöchiger Prüfung gegen einen Zusammenschluss entschieden. „Eine Fusion mit der Deutschen Bank macht nach wie vor keinen Sinn“, sagt Banken-Professor Brühl.

    Es müsse endlich eine Strategie für den Ausstieg des Bundes bei der Commerzbank entwickelt werden, fordert FDP-Politiker Schäffler. „Dabei sollte das Risiko für den Steuerzahler nicht durch eine Fusion mit der Deutschen Bank vergrößert werden, sondern ein Investor gesucht werden, der Interesse am deutschen Markt hat.“ Dies würde auch am ehesten die Arbeitsplätze bei der Commerzbank sichern.

    Auch DSW-Vizepräsident Nieding sieht die Commerzbank als Übernahmekandidaten im Zuge einer europäischen Bankenkonsolidierung. Mögliche Käufer seien BNP Paribas, Unicredit und Santander. „Wichtig ist, dass beide Häuser nicht zu viele überlappende Geschäftsfelder haben“, sagt Nieding. „Denn nur wegen Kostengründen zu fusionieren ergibt auf lange Sicht wenig Sinn.“

    Dass die Commerzbank allein überleben kann, glaubt Nieding nicht. „Die Commerzbank ist leider zu klein, um auf Dauer die Kosten zu tragen und einen ordentlichen Ertrag zu erwirtschaften.“

    Mitarbeit: Martin Greive

    Mehr: Cerberus-Attacke auf die Commerzbank – richtige Analyse, falscher Ton.

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