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Finanzbranche Ein Star-Banker mit Krisenerfahrung rückt in den Credit-Suisse-Vorstand auf

Christian Meissner hat sich als einer der wenigen Europäer an der Wall Street durchgesetzt. Nun wird er Chef des Investment Bankings bei der skandalgeplagten Schweizer Großbank.
06.04.2021 - 17:18 Uhr Kommentieren
Der Österreicher wurde immer wieder für Topjobs bei europäischen Banken gehandelt. Quelle: Falk Heller/ argum für Handelsblatt
Christian Meissner

Der Österreicher wurde immer wieder für Topjobs bei europäischen Banken gehandelt.

(Foto: Falk Heller/ argum für Handelsblatt)

Zürich Mit „Block Trades“ dürfte sich Christian Meissner, 51, bestens auskennen. Die Verkaufsaktionen, bei denen Investmentbanker möglichst schnell große Aktienpakete losschlagen, sind an der Wall Street ein gängiges Mittel, um hohe Verluste zu vermeiden. Und Meissner, der nun bei seinem aktuellen Arbeitgeber Credit Suisse (CS) in den Vorstand aufrückt, kennt die Methoden der US-Banken wie kein anderer Europäer. Schließlich leitete der Österreicher bis 2018 das globale Investmentbanking der Bank of America.

Die CS ging jedoch beim wohl wichtigsten „Block Trade“ seit der Finanzkrise als Verlierer vom Platz. Die Aktienwetten des in Schieflage geratenen Hedgefonds Archegos Capital löste die Bank langsamer auf als die Konkurrenz von Goldman Sachs und Morgan Stanley. Die Folge: Am Dienstag musste die CS einen Verlust von 4,4 Milliarden Dollar aus dem Debakel bei Archegos verkünden, mehr als jede andere Bank, die mit dem Hedgefonds Geschäfte gemacht hatte.

Doch Meissner hat nun die Chance, sicherzustellen, dass solche Verluste für die Credit Suisse der Vergangenheit angehören. Ab Mai rückt er in den Vorstand der Schweizer Großbank auf und übernimmt dort die Leitung des Investmentbankings. Brian Chin, dem Meissner bislang untergeordnet war, muss im Zuge des Archegos-Debakels seinen Posten räumen.

Für Meissner ist es ein schneller Aufstieg: Er hatte erst im Oktober 2020 bei der Credit Suisse angeheuert. Ursprünglich sollte er mit Babak Dalmatschi, Top-Vermögensverwalter und Experte für ultrareiche Kunden, die Verzahnung von Investmentbanking und Vermögensverwaltung vorantreiben. Die besten Kunden der CS sollten künftig auch von Investmentbanking-Lösungen der Bank profitieren.

Die Verwicklung der Credit Suisse in zahlreiche Skandale, etwa die Pleite des Lieferkettenfinanciers Greensill oder geplatzte Kredite an die Gründer dubioser chinesischer Unternehmen, die an die US-Börse strebten, hat indes gezeigt: Die Verquickung von Investmentbanking und Vermögensverwaltung birgt die Gefahr von Interessenkonflikten.

Konzentration auf weniger risikoreiche Kernfelder

Meissner muss nun die Risiken im Investmentbanking abbauen und sich auf die weniger risikoreichen Kernfelder fokussieren: eine führende Rolle bei der Beratung von Fusionen und Übernahmen (M&A) sowie ein starkes Handelsgeschäft. In beiden Bereichen ist die Credit Suisse bereits jetzt schon überdurchschnittlich gewachsen, wie etwa Daten der Investmentbank RBC Capital Markets zeigen. Doch zuletzt wurden die Jahresergebnisse immer wieder durch hohe Abschreibungen getrübt.

Immerhin: Das starke Investmentbanking ermöglichte es der Bank überhaupt erst, die hohen Verluste abzufedern. Doch der Lokalrivale UBS zeigt, wie man auch mit dem Fokus auf Gebühreneinnahmen im Investmentbanking hohe Margen bei geringerem Risiko einfahren kann.

Mit Meissner hat die CS einen krisenerprobten Manager mit der Führung des Investmentbankings betraut. Nach dem Geschichtsstudium an der US-Eliteuniversität Princeton heuerte er bei der Investmentbank Goldman Sachs an. Im Jahr 2003 wechselte er zu Lehman Brothers. Dort stieg er zum Verantwortlichen für das Geschäft in Deutschland und Europa auf. Doch nur wenige Tage nach seiner Ernennung brach Lehman Brothers in der Finanzkrise 2008 zusammen.

Meissners Karriere nahm jedoch keine bleibenden Schäden. Nach einer Zwischenstation beim japanischen Geldhaus Nomura wechselte er zu Merrill Lynch, die gerade mit der Bank of America (BofA) fusionierte. Er trieb die Integration der beiden Geldhäuser voran und brachte es bei der BofA bis zum CEO des Investmentbankings. 2018 musste Meissner jedoch gehen.

Zwischenstation für einen Topjob

Seither wurde er immer wieder für Topjobs bei europäischen Banken gehandelt. Zuletzt wurde sein Name Anfang 2019 genannt, als es um die Nachfolge von Sergio Ermotti als Chef der UBS ging.

Meissners bisherige Position unterhalb des Vorstands galt vielen am Finanzplatz Zürich ohnehin als Zwischenstation für einen Topjob. Hauptsächlich arbeitet der begeisterte Alpinist und Skifahrer in New York. Ab Mai berichtet er nun direkt an Vorstandschef Thomas Gottstein.

Ob Wirecard, Greensill oder Archegos Capital: Die Investment Banker der CS mischten zuletzt bei zahlreichen Skandalen mit. Bei der Neuausrichtung der Sparte dürfte Meissners Krisenerfahrung daher sehr gefragt sein.

Mehr: Credit Suisse verbrennt bei Archegos-Pleite 4,4 Milliarden Franken – Groß angelegter Umbau im Management.

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