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Finanzdienstleister Aufseher fordern strengere Regeln für Clearinghäuser

Die nationalen Aufsichtsbehörden sollen genauer prüfen, ob die Clearinghäuser über genügend Mittel verfügen, um auch mit großen Verlusten umgehen zu können.
04.05.2020 - 12:24 Uhr Kommentieren
Am Londoner Finanzplatz hat das Clearinghaus LCH.Clearnet in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Quelle: picture alliance / Daniel Kalker
Skyline des Londoner Finanzzentrums "The City"

Am Londoner Finanzplatz hat das Clearinghaus LCH.Clearnet in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen.

(Foto: picture alliance / Daniel Kalker)

London, New York Die für die Finanzindustrie wichtigen Clearinghäuser sollen nach Ansicht der internationalen Finanzaufseher strenger reguliert werden. Die als Reaktion auf die Finanzkrise 2008 vorgeschriebene verstärkte Nutzung der Clearinghäuser, die sich um die Abrechnung und Abwicklung von Wertpapiergeschäften kümmern, habe zwar die Transparenz im Finanzsystem erhöht, stellte der Finanzstabilitätsrat (FSB) am Montag fest.

Doch müsse sichergestellt werden, dass die Clearinghäuser nicht selbst zum Risiko für das Finanzsystem würden, forderte der FSB. Der FSB überwacht im Auftrag der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) die Risiken für das weltweite Finanzsystem und macht Vorschläge an die verschiedenen nationalen Aufsichtsbehörden.

Clearinghäuser stehen bei Wertpapiergeschäften zwischen Käufer und Verkäufer und sorgen für die reibungslose Abwicklung der Transaktionen. Ihnen kommt daher eine Schlüsselfunktion für die Sicherheit des Finanzsystems zu. Sie sind allerdings einem hohen Risiko ausgesetzt, falls eine Partei im Handel ausfällt.

Die nationalen Aufsichtsbehörden sollten daher genauer prüfen, ob die Clearinghäuser über genügend Mittel verfügen, um auch mit großen Verlusten umgehen zu können, forderte der FSB. Zudem solle untersucht werden, Gläubiger im Notfall an den Kosten für die Rettung eines Clearinghauses zu beteiligen („bail-in“).

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    Rekordvolumen abgewickelt

    In den vergangenen Jahren ist die Bedeutung von Firmen wie der Deutschen-Börse-Tochter Eurex Clearing oder der LSE-Tochter LCH.Clearnet kräftig gestiegen. Allein die LCH wickelte im ersten Quartal ein Rekordvolumen von 402 Milliarden Dollar an Zinsderivaten ab. Schließlich wurde nach der Finanzkrise die Abwicklung von Derivaten (Clearing) über Clearinghäuser verpflichtend, da zuvor oft niemand wusste, wo die Risiken eigentlich liegen.

    Bei Verlusten von Clearinghäusern müssen ab einer bestimmten Höhe üblicherweise die Clearinghaus-Mitglieder wie etwa Banken, und in einigen Fällen auch Kunden, die Kosten mittragen. Die wachsende Bedeutung der Clearinghäuser schürt jedoch Befürchtungen, dass in einer Krise auch der Steuerzahler für die Verluste gerade stehen müssen.

    Der FSB forderte nun die Aufseher auf zu prüfen, wie die Notfalltöpfe und andere Finanzreserven der Clearinghäuser aufgefüllt werden könnten, sollten sie sich wegen Verlusten geleert haben. Auch sollten die Aufseher überlegen, ob die Clearinghäuser etwa spezielle Anleihen ausgeben, die im Notfall abgeschrieben werden. Damit würden Gläubiger an den Kosten für die Rettung beteiligt - genauso wie das die Regeln für Banken bereits seit der Finanzkrise vorsehen.

    Vergangenen Monat forderte eine Gruppe von neun Großbanken und Vermögensverwaltern - darunter JP Morgan, die Deutsche Bank und Blackrock - dass die Clearinghäuser mehr eigenes Kapital im Feuer haben müssen, damit sie riskante Handelsgeschäfte begrenzen. Die CME Group wehrte sich gegen die Forderung und argumentierte, dass die Nutzer die Risiken mitbrächten und sie daher auch Geld in die Notfalltöpfe einzahlen müssten. Bislang haben die Clearinghäuser die durch die Corona-Krise ausgelösten extremen Marktschwankungen ohne Probleme überstanden

    Mehr: Die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream soll Banken bei illegalen Aktiendeals unterstützt haben, vermutet die Staatsanwaltschaft.

    • rtr
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