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  5. Bafin-Chef Branson: Stress im Bankenmarkt noch nicht ausgestanden

Finanzinstitute„Stresstest in Echtzeit“ – Bafin-Chef warnt vor weiteren Turbulenzen im Bankensektor

Wegen der schnellen Zinswende drohen laut Mark Branson weitere Verwerfungen am Finanzmarkt. In Deutschland stehen rund zehn Banken unter intensiver Beobachtung.Andreas Kröner 09.05.2023 - 16:44 Uhr aktualisiert Artikel anhören

„Stressphasen entwickeln sich oft in Schüben“, sagt der Präsident der Bafin.

Foto: dpa

Frankfurt. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin stellt sich nach den Pleiten mehrerer US-Banken und dem Notverkauf von Credit Suisse auf anhaltende Turbulenzen am Finanzmarkt ein. „Es ist nicht sicher, dass diese schwierige Phase – dieser Stresstest in Echtzeit – hinter uns liegt“, sagte Bafin-Präsident Mark Branson am Dienstag in Frankfurt.

Es sei immer klar gewesen, dass der Ausstieg der Notenbanken aus der Niedrigzinspolitik Probleme auslösen werde, betonte Branson. Weitere Zinserhöhungen seien zudem nicht ausgeschlossen. Auch seien nicht alle Effekte der bisherigen Zinsanstiege sichtbar, weil Bewertungen an den Märkten nur zeitverzögert angepasst würden.

Banken müssten sich deshalb auf weiteren Gegenwind einstellen. „Stressphasen entwickeln sich oft in Schüben“, sagte Branson. Neben dem Zinsschock könne es auch noch zu mehr Kreditausfällen und einem Einbruch an den Märkten kommen. „Die Marktbewertungen sind in Teilen noch erstaunlich hoch, wenn man schaut, was für eine ökonomische Situation wir haben.“

Im Kreditgeschäft sieht Branson die größten Risiken bei der Finanzierung von Büros und anderen Gewerbeimmobilien. Hier werde der Stress weltweit noch zunehmen. „Das würde ich als besorgniserregender ansehen als den Wohnimmobilienmarkt hier in Deutschland.“

In den USA sind seit März drei Regionalbanken zusammengebrochen, nachdem Kunden dort im Rekordtempo ihre Einlagen abgezogen hatten. In der Schweiz wird die strauchelende Großbank Credit Suisse an den Konkurrenten UBS verkauft.

„Bankruns und Liquiditätskrisen entstehen heutzutage viel schneller als früher“, konstatierte Branson. „Binnen Sekunden lassen sich über die sozialen Medien Informationen und Gerüchte verbreiten. Und übers Onlinebanking Einlagen abziehen.“

Branson: „Es gibt auch irrationale Ängste“

Bei deutschen Instituten gebe es aktuell zwar keine rationalen Gründe für eine Liquiditätskrise. „Aber es gibt auch irrationale Ängste“, betonte Branson. „Diesen psychologischen Faktor sollte man nicht unterschätzen: Dagegen sind Einleger und Gegenparteien auf keinem Bankenmarkt der Welt immun.“

Grundsätzlich hält Branson das deutsche Bankensystem für „stabil und widerstandsfähig“. Viele große Banken hätten sich gegen Zinsänderungsrisiken abgesichert und stünden deshalb stärker da. „Sie profitieren schon jetzt von den höheren Zinsen und verbuchen höhere Erträge.“

Kleinere Institute wie Sparkassen und Volksbanken mussten wegen der Zinswende im vergangenen Jahr dagegen knapp 13 Milliarden Euro auf ihre Wertpapierportfolios abschreiben. Sie konnten diese Verluste jedoch dank hoher Reserven und Kapitalpolster verkraften.

Bafin-Exekutivdirektor Raimund Röseler geht davon aus, dass die meisten Banken ihre Verluste nicht realisieren müssen, weil sie die betroffenen Anleihen bis zum Ende der Laufzeit halten werden. Im Gegensatz zu den USA sei in Deutschland bisher kein Institut gezwungen gewesen, Bonds mit Verlusten zu verkaufen, um Liquiditätslücken zu stopfen.

Laut Röseler hat der deutsche Bankensektor aktuell zwischen 120 und 130 Milliarden Euro an Überschusskapital zur Verfügung, um mögliche Verluste zu absorbieren. Für einige kleinere Geldhäuser könne es jedoch eng werden. „Ein paar Institute, es sind gut zwei Handvoll, haben wir im intensiven Fokus.“

Einige der betroffenen Banken hätten hohe Zinsänderungsrisiken und geringe Reserven und Kapitalpuffer, sagte Bafin-Chef Branson. Andere hätten Governance-Probleme oder kein tragfähiges Geschäftsmodell.

Bafin fordert Überarbeitung von Bankenregeln

Als Reaktion auf die jüngsten Bankenpleiten in den USA fordert Branson regulatorische Anpassungen. Um für Zinsänderungsrisiken gewappnet zu sein, sollten Banken aus seiner Sicht standardmäßig zusätzliche Eigenkapitalpuffer bilden. Bisher legt die Finanzaufsicht Eigenkapitalzuschläge für Zinsänderungsrisiken nur individuell fest, wenn sie es bei bestimmten Instituten für geboten hält.

Darüber hinaus müssen aus Sicht von Branson die Liquiditätsvorschriften für Geldhäuser verschärft werden. Bei den jüngsten Bankenpleiten hätten Unternehmen und vermögende Kunden ihre Überschussliquidität viel schneller abgezogen, als dies in den Modellen zur Berechnung regulatorischer Kennziffern unterstellt werde.

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Branson bekannte sich zu dem Ziel, dass es möglich sein müsste, Großbanken abzuwickeln, damit sie in Notlagen nicht vom Staat gerettet werden müssen. Gleichwohl räumte er ein, dass es bei der Stützung von Großbanken ohne temporäre Hilfe vom Staat nicht gehe, weil der Liquiditätsbedarf in solchen Situationen exorbitant sei.

„Da braucht es eine staatliche Liquiditätsgarantie“, sagte Branson. In den USA und Großbritannien gebe es dazu feste Regeln, in der Schweiz und in der EU dagegen nicht.

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