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Finanzplätze Brexit zum Trotz: Wie London das Fintech-Mekka von Europa bleiben will

Die Hälfte aller Fintech-Investitionen in Europa fließt nach London. Risikokapitalgeber erwarten, dass der Boom der britischen Hauptstadt trotz Brexit anhält.
25.01.2021 - 11:01 Uhr Kommentieren
Im britischen Fintech-Sektor arbeiten bereits mehr als 77.000 Menschen. Quelle: Bloomberg
Londoner Finanzviertel Canary Wharf

Im britischen Fintech-Sektor arbeiten bereits mehr als 77.000 Menschen.

(Foto: Bloomberg)

London Der Brexit hat die ersten Spuren am Finanzplatz London hinterlassen. Gleich am ersten Börsentag des Jahres ging der EU-Aktienhandel verloren, weitere Verlagerungen werden erwartet. Britische Firmen haben sich damit abgefunden, auf einen Teil des EU-Geschäfts verzichten zu müssen.

Ein Bereich in der City jedoch soll auch nach dem Brexit weiter wachsen: der Fintech-Sektor. Politiker, Unternehmer und Investoren sind zuversichtlich, dass London auch künftig Europas Fintech-Hauptstadt sein wird. Schließlich sitzen hier die größten Kunden und die meisten Kapitalgeber.

„London wird ein Powerhouse für Private Equity und Risikokapital bleiben“, sagt Erin Platts, Europachefin der Silicon Valley Bank. Der Brexit werde den Kapitalzufluss in diesem Jahr nicht stoppen, weil die aufgestaute Nachfrage bei den Investoren sehr hoch sei. „Es gibt so viele gute Unternehmen, die den Corona-Sturm gut überstanden haben und wachsen.“

Laut dem Datenanbieter Dealroom flossen im vergangenen Jahr 10,5 Milliarden Dollar an Risikokapital in Londoner Start-ups. Das ist knapp ein Viertel aller Tech-Investitionen in Europa. Trotz der Coronakrise war dies nur geringfügig weniger als im Vorjahr. Bei den Fintechs ist Londons Dominanz sogar noch größer: Rund die Hälfte aller Fintech-Investitionen in Europa ging in die britische Metropole – insgesamt 4,3 Milliarden Dollar.

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    Insbesondere die Nachfrage aus den USA sei groß, sagt Platts. Das Interesse habe zuletzt noch angezogen. So wurde der britische Zahlungsdienstleister Checkout.com diesen Monat zu Europas wertvollstem Fintech-Start-up, nachdem US-Investoren unter Führung von Tiger Global die Firma mit 15 Milliarden Dollar bewerteten. Auf den Plätzen zwei und drei folgen der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna (elf Milliarden Dollar) und die britische Neobank Revolut (5,5 Milliarden Dollar).

    Risikokapitalgeber halten London für die beste Basis

    Für die großen Risikokapitalgeber aus dem Silicon Valley bleibt London die erste Anlaufstelle. Im vergangenen Jahr eröffnete Sequoia Capital hier seine Europazentrale, insgesamt zählt die Stadt inzwischen 1250 Risikokapitalgeber. Die meisten investieren in ganz Europa, halten aber London trotzdem für die beste Basis.

    Das Finanz-Ökosystem sei am weitesten entwickelt, deshalb bleibe sie „bullish“, was die Aussichten der Stadt angehe, sagt Platts. Es könne sein, dass der Vorsprung auf andere Städte wie Berlin und Paris schrumpfe, weil diese noch schneller wachsen. Aber auch London werde weiter wachsen. 

    Die Europazentrale der Silicon Valley Bank soll daher in London bleiben, Platts will aber in den kommenden Jahren zusätzlich eine Banklizenz in der EU beantragen. In welchem Land, sei noch unklar. Neben Deutschland kämen auch Irland, Schweden oder die Niederlande infrage. In Deutschland hat die SVB bisher eine Lizenz für die Kreditvergabe, aber nicht für Einlagen.

    Grafik

    Die britische Regierung hat den Ausbau des Fintech-Sektors zu einer ihrer Prioritäten nach dem Brexit erklärt. Vor einem Jahr gab Finanzminister Rishi Sunak eine Untersuchung dazu in Auftrag, wie man den eigenen Vorsprung sichern und ausbauen könne. Die Ergebnisse der Studie werden im Februar erwartet.

    Einige Reformideen sind bereits durchgesickert. So könnte die Regierung die Anreize für Gründer verbessern, ihre Firma an die Börse zu bringen. Überlegt wird, dass Gründer weniger Anteile an den Markt bringen müssen und so mehr Kontrolle über ihre Firma behalten können. Auch Visa-Erleichterungen werden erwogen, damit Start-ups weiterhin problemlos Fachkräfte aus ganz Europa anstellen können.

    Britische Finanzaufsicht spricht für den Standort London

    Als Standortvorteil gilt bereits seit Längerem die britische Finanzaufsicht FCA. Diese versteht sich nicht nur als Kontrolleur, sondern auch als Förderer von mehr Wettbewerb und Start-ups. So hat sie den „Sandkasten“ erfunden, in dem junge Firmen ihr Geschäftsmodell in der Realität austesten können, ohne gleich alle regulatorischen Anforderungen erfüllen zu müssen.

    Die fortschrittliche Aufsicht sei einer der Gründe, warum London Europas Fintech-Hauptstadt bleiben werde, sagte Liudas Kanapiensis, Gründer des Fintechs Ondato, kürzlich in einem Webinar des Thinktanks CSFI. Die litauische Firma ist gerade aus der EU nach London umgezogen – trotz Brexit.

    Auch Catherine McGuinness verbreitet Zuversicht. „Wir sehen nicht, dass wir durch den Brexit weniger attraktiv für Fintechs geworden sind“, sagt die Cheflobbyistin der City of London Corporation. „Der Sektor wächst seit zehn Jahren, und wir sehen großes Potenzial für die Zukunft. Aber wir müssen darauf achten, dass wir wettbewerbsfähig und innovativ bleiben.“

    Immerhin scheine die Regierung inzwischen die Bedeutung der Finanzbranche erkannt zu haben, sagt sie. Während der Brexitverhandlungen hatte sie Premier Boris Johnson noch vorgeworfen, den Sektor „unter den Bus“ geworfen zu haben, weil er im EU-Freihandelsabkommen nicht berücksichtigt wurde. Nun sieht sie in dem angekündigten Fintech-Reformpaket eine neue Wertschätzung.

    McGuinness erwartet, dass neue Arbeitsplätze im Fintech-Sektor langfristig die Brexit-Verluste durch die Stellenverlagerungen bei den Banken mehr als ausgleichen. Im ersten Halbjahr 2020 arbeiteten rund 77.000 Menschen für Fintechs.

    Mehr: Brexit lockt mehr Finanzinstitute nach Deutschland als erwartet.

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