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Finanzsektor Der Kostendruck auf Griechenlands Banken wächst

Der griechische Finanzsektor kämpfen noch mit den Altlasten der Eurokrise. Mit Abbau der Problemkredite wird sich die Lage sogar noch verschärfen.
30.04.2019 - 04:08 Uhr Kommentieren
Das Institut will im Mai einen Transformationsprogramm präsentieren. Quelle: Reuters
National Bank of Greece

Das Institut will im Mai einen Transformationsprogramm präsentieren.

(Foto: Reuters)

Athen Nach acht Jahren Rezession wächst Griechenlands Wirtschaft wieder. Die fiskalische Konsolidierung ist geglückt, und auch die Rückkehr an den Kapitalmarkt hat das Land geschafft. Aber die griechischen Banken tragen immer noch schwer am Erbe der Krisenjahre. Fast die Hälfte aller Darlehen ist notleidend oder akut ausfallgefährdet. Aber nicht nur die Kreditrisiken belasten die Bilanzen. Die Banken haben viel zu hohe Kosten.

Das Problem wird sich mit dem Abbau der Problemkredite sogar noch verschärfen, weil die Bilanzsummen der Institute sinken, je mehr faule Kredite aus den Jahresabschlüssen verschwinden. Die Institute wollen deshalb jetzt in großem Stil Zweigstellen schließen und die Zahl der Mitarbeiter drastisch reduzieren.

Die Reduzierung der notleidenden Forderungen (NPEs) ist für die griechischen Banken von existenzieller Bedeutung. Nach Angaben der Bank von Griechenland belief sich die Summe der NPEs Ende 2018 – neuere Zahlen hat die Notenbank noch nicht genannt – auf 81,8 Milliarden Euro. Die Quote der notleidenden Forderungen lag damit bei 45,4 Prozent aller ausgereichten Darlehen.

Die Banken machen nun mehr Tempo beim Abbau der Kreditrisiken. Bis Ende 2021 wollen sie mit Abschreibungen, Verbriefungen und Auslagerungen in Zweckgesellschaften die Summe der Problemkredite auf 26,5 Milliarden drücken. Die NPE-Quote würde so unter 20 Prozent fallen. Das wäre zwar, wenn es gelingt, ein beachtlicher Erfolg. Obwohl: Die Quote entspräche dann immer noch rund dem Sechsfachen des heutigen Durchschnitts in der Euro-Zone.

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    Die Bereinigung der Kreditbücher erhöht allerdings den Kostendruck auf die griechischen Banken. In den Krisenjahren mussten die Institute wegen der Rezession bereits massiv sparen. Von 3921 Zweigstellen im Vorkrisenjahr 2009 waren Ende 2018 noch 1 902 übrig. Die Zahl der Beschäftigten fiel von 63.342 auf 39.500. Diese Konsolidierung wird sich in den nächsten Jahren beschleunigen.

    Die kumulierte Bilanzsumme der vier systemrelevanten griechischen Banken belief sich 2018 auf 225 Milliarden Euro. Branchenkenner schätzen, dass die Bilanzsumme bis 2023 infolge des Abbaus der Problemkredite um rund 50 Milliarden Euro zurückgehen wird. Die Banken müssen ihre Kosten diesem Schrumpfungsprozess anpassen.

    Sie setzen dabei vor allem auf Vorruhestandsregelungen und Abfindungen, die im sechsstelligen Euro-Bereich liegen können und großzügige Pensionsregelungen einschließen. Nachdem die vier großen Banken mit solchen Programmen 2018 bereits 2582 Stellen streichen konnten, liegt das Ziel in diesem Jahr bei rund 4000 Arbeitsplätzen.

    Wegfall von 1000 Arbeitsplätzen spart 40 Millionen Euro jährlich

    Diese Sozialpläne sind zwar anfangs teuer. Unter dem Strich schätzen Branchenexperten aber, dass der Wegfall von 1000 Arbeitsplätzen einer Bank Kosten in Höhe von 40 Millionen Euro im Jahr einspart.

    Der Branchenführer Piraeus Bank, der mit dem größten Bestand fauler Kredite kämpft, will zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Piraeus plant den Verkauf von Problemdarlehen an Kreditverwerter. Sie sollen auch einen Teil des Personals übernehmen, das bisher in der Bank mit der Bearbeitung der notleidenden Darlehen befasst ist.

    Diesen Weg will auch die Eurobank gehen. Sie plant den Verkauf ihrer Financial Planning Services (FPS) genannten Abteilung, wo sich derzeit mehrere Hundert Mitarbeiter mit den Kreditrisiken beschäftigen. Bei der Alpha Bank, die im vergangenen Jahr bereits 620 Mitarbeiter mit Abfindungen verabschiedete, gibt es ähnliche Überlegungen.

    Für die National Bank of Greece (NBG) ist 2019 nach eigener Aussage ein „Schlüsseljahr“. Das Management will am 16. Mai den Investoren in London ein „Transformationsprogramm“ für die Jahre 2019 bis 2022 präsentieren. Es wird auch Schritte zur Senkung der operativen Kosten enthalten. Branchenkenner erwarten, dass die Bank in diesem Jahr rund 1000 ihrer 10.300 Stellen abbauen wird.

    Auch über Fusionen wird jetzt wieder spekuliert. Der griechische Bankensektor hat bereits einen Konsolidierungsprozess hinter sich. Von 18 Geschäftsbanken Ende der 1990er-Jahre sind durch Übernahmen, Fusionen und Abwicklungen landesweit die vier systemischen Institute und die wesentlich kleinere Attica Bank übrig geblieben.

    Aber auch das sind nach Meinung von Fachleuten noch zu viele Banken für eine Volkswirtschaft mit knapp elf Millionen Einwohnern und einem Bruttoinlandsprodukt von weniger als 200 Milliarden Euro. Ende 2012 gab es bereits den Versuch einer Fusion, als die National Bank of Greece kurz vor einer Übernahme der Eurobank stand.

    Der Zusammenschluss scheiterte aber im April 2013 am Einspruch der internationalen Geldgeber Griechenlands. Sie befürchteten Probleme bei der damals fälligen Rekapitalisierung der Banken.

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